Online-Banking: Müssen Banken ihre Kunden für Phishing-Attacken entschädigen?

(1 Bewertung, 5.00 von 5)

Die Angriffe können immense wirtschaftliche Schäden verursachen und den Bankkunden schwer treffen. Die Rede ist vom sogenannten Phishing. Das Landgericht Oldenburg hat nun entschieden, ob Banken ihre Kunden für die Attacken entschädigen müssen.

Phishing-Attacke kostet Bankkunden über 11.000 Euro

Sogenanntes „Phishing“ ist bei Kriminellen im Internet sehr beliebt. Hierbei gelangen die Täter über z.B. gefälschte Webseiten oder E-Mails an die persönlichen Daten (z.B. die Kontoverbindung) des gutgläubigen Opfers. Anschließend plündern sie das Konto des Opfers. Die Schäden der Taten belaufen sich jährlich auf hohe Millionenbeträge.

Auch im Fall des Landgerichts Oldenburgs fand eine solche Attacke statt. Der Bankkunde nutzte bereits seit 15 Jahren das Online-Banking-System seiner Bank. Hierfür nutzte er das mTan-Verfahren, bei dem die Bank den Kunden den Code zur Freigabe der Zahlung per SMS zusendet. Überrascht musste der spätere Kläger feststellen, dass unbekannte Täter sein Konto innerhalb von fünf Tagen leergeräumt hatten. Insgesamt 44 Überweisung versursachten bei ihm ein Schaden von über 11.000 Euro.

Der Kunde verlangte von seiner Bank die Entschädigung des Betrages. Die Bank weigerte sich und argumentierte, der Betroffene habe grob fahrlässig gehandelt. Dies sei besonders deshalb der Fall, da er mehrere Apps auf sein Handy heruntergeladen habe, die aus unsicheren Quellen stammten. Das Landgericht Oldenburg hat jetzt eine Entscheidung getroffen.

LG Oldenburg: Bank muss nachweisen, dass Kunde Zahlung angewiesen hat

Das Landgericht Oldenburg (Urteil vom 15. Januar 2016, Az. 8 O 1454/15) entschied zugunsten des Kunden. Seine Bank muss das „gestohlene“ Geld ersetzen. Die Kunden müssen nicht beweisen, dass sie Opfer eines Phishing-Angriffs geworden sind.  Hierauf können sich Banken nicht berufen. Im Gegenteil: Banken müssen beweisen, dass der Kunde den Zahlungsvorgang selbst angewiesen hat. Hierfür reicht es nicht aus, dass Banken die Zahlungsvorgänge elektronisch aufzeichnen, so das Gericht weiter. Auch besteht kein Anschein für eine berechtigte Zahlung, wenn sie mit Hilfe des Benutzernamens, der PIN und der TAN des Kunden ausgeführt wurde.

Fazit:

Banken müssen ihren Kunden bei Phishing-Attacken grundsätzlich den entstandenen Schaden ersetzen. Anders sieht es aber aus, wenn die Banken nachweisen können, dass der Kunde den Zahlungsvorgang autorisiert hat.

Praxis-Tipp
Für mehr Informationen nehmen Sie einfach an unserem kostenlosen Webinar "Die 7 häufigsten Abmahnfallen auf Webseiten" teil:

Kommentare  
RH
0 # RH 28.01.2016, 10:17 Uhr
Man könnte sich als Kunde freuen und manch einer mag auch mit Schadenfreunde auf die Banken blicken, aber Unsinn ist es trotzdem. "Kein Anschein für eine berechtigte Zahlung, wenn sie mit Hilfe des Benutzernamens, der PIN und der TAN des Kunden ausgeführt wurde" - was, wenn nicht das wäre eine berechtigte Zahlung? Persönlich mit Ausweis am Schalter Überweisungen veranlassen oder wie?
Antworten | Antworten mit Zitat | Zitieren | Dem Administrator melden
Sagen Sie uns Ihre Meinung zum Thema.

Diese Beiträge könnten Sie ebenfalls interessieren:
Weiterlesen...
Verbraucherschutz: Widerrufsrecht auch im Ladengeschäft? Das Widerrufsrecht ist ein verbraucherschützendes Rechtsinstitut, um den Nachteil auszugleichen, dass der Verbraucher vor Vertragsschluss die Ware nicht sehen k...
Weiterlesen...
DaWanda: Massive Sicherheitsprobleme auf der Onlineshop-Plattform Anfang der Woche berichteten DaWanda-Shop Besitzer auf Facebook und im DaWanda-Forum von massiven Sicherheitsproblemen. Nach Anfrage von tagesschau.de bestätigt...
Weiterlesen...
Verrücktes Urteil: Kunden von Dating-Plattformen müssen nicht mehr bezahlen  Viele Internetuser nutzen Dating-Seiten im Netz um den richtigen Partner zu finden. Das Amtsgericht Neumarkt hat jetzt in einem kuriosen Urteil entschie...
Weiterlesen...
Abmahnung Seitenbetreiber: Versteckte Datenschutzerklärung kann abgemahnt werden Dass ein Impressum für Webseiten und Fanseiten in sozialen Netzwerken Pflicht ist, hat sich bereits herumgesprochen. Weniger bekannt ist bisher, dass die Datens...
Weiterlesen...
Verjährung Die Mängelgewährleistungsfristen für das alte Schuldrecht betrugen zwischen 6 Monaten und 30 Jahren. Diese weite Spanne war einer der wesentlichen Kritikp...
 
Anzeige

Der eRecht24 Newsletter

Immer bestens informiert

Bleiben Sie mit unseren kostenlosen Updates zum Internetrecht auf dem neuesten Stand. Infos, Urteile, Checklisten, Sonderangebote.

Prüfen Sie, ob Ihre Widerrufsbelehrung aktuell ist.

Geben Sie die URL Ihrer Widerrufsbelehrung ein.
Beispiel Shop: http://www.shopxyz.de/widerruf.html
Beispiel eBay: http://www.ebay.de/usr/EBAYUSER

loading...
Jetzt Premium-Mitglied werden

Ab Heute gestalten Sie Ihre Website ohne Angst vor Abmahnwellen und ohne teuren Anwalt abmahnsicher.

Alle Videos, Live-Webinare, E-Books, Tools und zahlreiche Rabatte.

Jetzt Mitglied werden

Mehr Informationen zu eRecht24 Premium

Impressum-Generator

Keine Chance für Abmahner

Erstellen Sie kostenlos ein rechtssicheres Impressum für Ihre Website.

Jetzt Kostenlos Impressum generieren

Rechtsberatung vom Anwalt

Haben Sie ein konkretes rechtliches Problem? Dann wenden Sie sich bitte einen Anwalt. Auf unseren Seiten finden Sie zahlreiche allgemeine Informationen zum Internetrecht. Fundierte Rechtsberatung im Einzelfall kann allerdings nur ein spezialisierter Rechtsanwalt leisten.

Inhalte kostenlos übernehmen

Der eRecht24 Newsticker

kostenfreie aktuelle Inhalte zum Internetrecht

Individuell für Ihre Website angepasst!

 

SSL-Zertifikate

Steigern Sie das Vertrauen Ihrer Kunden. Für Betreiber von Onlineshops und kommerziellen Webseiten unabdingbar:

SSL-Verschlüsselung, SSL-Zertifikate und Trust-Logos

Rechnungen online erstellen

Erstellen Sie Ihre Rechnungen gemäß den Anforderungen des Finanzamts doch einfach online!

Mit easybill bequem ordnungsgemäße Rechnungen schreiben inkl. digitaler Signatur und Datenexport zum Steuerberater. Anforderungen an korrekte Rechnungen mit Mustern und Beispielen.

IT-Recht endlich verständlich

Autor Sören SiebertSören Siebert ist Rechtsanwalt mit Kanzleien in Berlin und Potsdam.

Er berät Unternehmer, Shops und Seitenbetreiber in allen Fragen des Rechts der neuen Medien.
www.kanzlei-siebert.de

Als Betreiber von eRecht24 ist er seit mehr als 15 Jahren auch als Internet-Unternehmer tätig. Deshalb finden Sie auf eRecht24 Tipps und Tricks eines spezialisierten Rechtsanwalts, aber verständlich und praxisnah erklärt.        

eRecht24 - Unsere praktischen Tools und hilfreichen Tutorials

mitgliederbereich teaser

Exklusiv für unsere Mitglieder

Alles was Webseitenbetreiber, Agenturen und Selbständige wirklich brauchen: Videos und E-Books, Musterverträge und Erstberatung, Tools und Live-Webinare.

Mehr Informationen

video tutorials teaser

eRecht24-Videos: IT-Recht verständlich

IT-Recht, endlich verständlich: Jetzt können auch Sie Ihre Website einfach und schnell abmahnsicher gestalten, wenn Sie richtig vorgehen!

Mehr Informationen

webinar teaser

Online Schulung mit Rechtsanwalt Siebert

Die 7 häufigsten Abmahnfallen auf Webseiten und wie Sie diese schnell, einfach und ohne teuren Anwalt vermeiden. So haben Abmahner bei Ihnen keine Chance!

Mehr Details
Support