Virus legt Firmenserver lahm: Wer muss haften?

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Ein „falscher“ Klick – und man hat sich auf seinem Rechner ein Virus, einen Trojaner oder Ähnliches eingefangen. Der Täter hat nun unter Umständen freien Zugriff auf z. B. Kontodaten oder kann den Computer lahmlegen. Für Unternehmen kann das zu einem finanziellen Desaster führen. Aus diesem Grund dürfen viele Beschäftigte keine Programme oder Software über den Dienstrechner downloaden. Doch was kann ein Arbeitgeber tun, wenn er einen (ehemaligen) Angestellten verdächtigt, für den Virenbefall verantwortlich zu sein?

Virus beschädigt Serverfestplatten

Nachdem das Arbeitsverhältnis mit einem Informatikkaufmann beendet worden war, entdeckte dessen ehemaliger Arbeitgeber im firmeneigenen Datensystem ein Virus. Der legte in der Folge die gesamte Computeranlage lahm und konnte nur durch eine Spezialfirma wieder entfernt werden. Die wiederum stellte für ihre Arbeit rund 15.000 Euro in Rechnung.

Diesen Betrag sollte der Informatikkaufmann vollständig ersetzen. Schließlich habe er vor seinem Ausscheiden aus dem Betrieb darauf hingewiesen, ein Virus auf dem firmeneigenen Server hinterlassen zu wollen. Tatsächlich habe der Arbeitgeber kurz darauf das betreffende Virus gefunden. Einige Zeit später habe der ausgeschiedene Mitarbeiter darüber hinaus eine E-Mail an den Arbeitgeber geschickt, die mit dem gleichen Virus verseucht gewesen sei. Allein aufgrund einer Warnung des Virenscanners sei die Nachricht nicht geöffnet worden. Der Informatikkaufmann habe sich daher schadenersatzpflichtig gemacht. Der Streit der Parteien endete vor Gericht.

Schadenersatz nur bei bewiesener Pflichtverletzung

Nach Ansicht des Landesarbeitsgerichts (LAG) Mecklenburg-Vorpommern durfte der Arbeitgeber keinen Schadenersatz verlangen.

Schließlich hat er nur pauschal behauptet, dass allein der Informatikkaufmann als Täter infrage komme, weil er sich vor Kollegen gebrüstet habe, die Computeranlage des Arbeitgebers mit einem Virus lahmzulegen. Zudem hatte er eine E-Mail an den Chef verschickt, die mit dem gleichen Virus verseucht war.

Weil der Informatikkaufmann jedoch sämtliche Vorwürfe bestritt, wären handfeste Beweise für dessen Beteiligung am Schädlingsbefall nötig gewesen – die der Arbeitgeber aber nicht vorlegen konnte.

Um eine Täterschaft des Informatikkaufmanns zu belegen, hätte der Arbeitgeber z. B. den PC bzw. das Notebook des früheren Beschäftigten durchsuchen können, um herauszufinden, ob das Virus tatsächlich von ihm in das Datensystem des Unternehmens eingeschleust worden ist.

Zwar hat er kurz zuvor geprahlt, die firmeneigene Computeranlage mittels eines Virus lahmzulegen – dass er deshalb für den späteren Schädlingsbefall aber tatsächlich verantwortlich war, darf daraus nicht geschlussfolgert werden. Denn das Virus könnte auch versehentlich verbreitet worden sein. Das wäre etwa der Fall, wenn der Rechner verseucht war, der Informatikkaufmann das jedoch nicht wusste, und er daher E-Mails samt Schädling verschickt hat. Mangels Nachweis einer Pflichtverletzung des ausgeschiedenen Angestellten lehnten die Richter einen Schadenersatzanspruch des Arbeitgebers ab. (LAG Mecklenburg-Vorpommern, Urteil v. 27.04.2016, Az.: 3 Sa 115/15)

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