Datenschutz: Patientenakten in Deutschland unzureichend gesichert

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Im Darknet lassen sich die Zugangsdaten von 60 Prozent der deutschen Kliniken finden. Kein Wunder: Als Passwörter verwenden Mediziner immer noch gerne leicht zu merkende Worte wie „Behandlung“ oder den Namen der Praxis. Eine Untersuchung im Auftrag von Versicherern zeigt: Die IT-Systeme von niedergelassenen Ärzten und Krankenhäusern sind alles andere als sicher.

Passwort „Praxis“ funktioniert in jedem zweiten Fall

25 niedergelassene Mediziner hat Cybersecurity-Experte Michael Wiesner für den Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft GDV untersucht. 22 von ihnen pflegten einen riskanten Umgang mit Patienteninformationen. Beispielsweise nutzten mehrere Mitarbeiter dieselben Zugangsdaten. Als Passwort dienten unter anderem der Name des Arztes oder des Softwareprogramms; teilweise wurde auch völlig darauf verzichtet. Sämtliche Nutzer verfügten außerdem über Administratorenrechte. Keine einzige der untersuchten Praxen hatte überprüft, ob ehemalige Mitarbeiter noch alte Admin-Rechte besaßen.

Phishing-Mails werden bedenkenlos geöffnet

Dabei sind sich die Mediziner der Risiken für die eigene Arbeit durchaus bewusst. Drei Viertel der Befragten gaben an, dass die Existenz der Praxis durch eine Cyberattacke bedroht wäre. Allerdings: Nur 17 Prozent halten einen solchen Vorfall im eigenen Haus für wahrscheinlich. Und das, obwohl im Praxis-Test die Hälfte der Mitarbeiter potenziell gefährliche Mails öffnete. Jeder Fünfte klickte außerdem auf Links oder öffnete Anhänge. Trotzdem glauben Mediziner, durch Firewalls uns Sicherheitsprogramme ausreichend geschützt zu sein. Darüber hinaus bezeichnen sie die eigenen Daten schlicht als unattraktiv für Hacker und Betrüger.

Gesundheitsdaten ohne ausreichende Verschlüsselung übermittelt

Mithilfe des Analysetools Cysmo wurden außerdem die Sicherheitsstandards beim Mailversand von 1200 Ärzten und je 250 Apotheken und Kliniken überprüft. Auch hier zeigt sich Nachholbedarf: Lediglich 5 Prozent der Praxen verwenden eine aktuelle Verschlüsselungstechnik wie vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnologie BSI empfohlen. Das heißt auch: 95 Prozent der Ärzte sowie sämtliche Kliniken und Apotheken arbeiten mit veralteter Verschlüsselung. Werden so versandte Mails abgefangen, können Fremde problemlos Namen und Adressen von Patienten und Informationen zu deren Gesundheitszustand lesen. Der GDV rät deshalb Verbrauchern, intime oder vertrauliche Daten lieber nicht auf elektronischem Weg an Krankenhäuser und Praxen zu verschicken.

Fazit

Deutschlands Mediziner scheinen mit der aktuellen Entwicklung in Sachen Cybersicherheit überfordert. Der leichtfertige Umgang mit Sicherheitsrisiken gefährdet nicht nur den Betrieb von Praxen und Krankenhäusern selbst. Auch Patienten erwarten ausreichenden Schutz für ihre sensiblen Daten. Die Studie der Versicherungswirtschaft wird hoffentlich zu einem Umdenken führen.

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