Kammergericht Berlin: Mangelhafte IT-Sicherheit ermöglichte Abfluss sensibler Daten

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Der Trojaner „Emotet“ hat im Netzwerk des Berliner Kammergerichts offenbar größeren Schaden angerichtet, als bisher bekannt. Ein jetzt veröffentlichtes Gutachten kommt zu dem Schluss, dass mit hoher Wahrscheinlichkeit Passwörter und andere sensible Daten ausgelesen wurden. Unzureichender Malware-Schutz und ein schlecht organisiertes IT-System hätten Infektion und Ausbreitung des Schädlings begünstigt.

 

Seit Monaten im Ausnahmezustand

Spätestens am Freitag, dem 20. September, um 17:52 Uhr ist er drin. Wo und wie genau Emotet in das Gerichtssystem eingedrungen ist, lässt sich nicht mehr nachvollziehen. Wahrscheinlich wie immer, vermuten die Experten: über ein per Mail zugesandtes Office-Dokument. Als der ahnungslose Empfänger erlaubt, die darin enthaltenen Makros auszuführen, kann der Trojaner loslegen. Er lädt selbstständig die Malware „TrickBot“ herunter, die dann weitere Schadprogramme installiert. Je nach Programmierung kann TrickBot beispielsweise Passwörter auslesen oder Dateien verschlüsseln, die erst gegen ein Lösegeld wieder freigegeben werden.

Unzureichender Malware-Schutz

Besonders leichtes Spiel hatte Emotet dank der Struktur des Netzwerks am Kammergericht. Laut den IT-Experten war das Sicherheitsprogramm von McAfee veraltet; längst bekannte Schädlinge wurden deshalb nicht identifiziert. Wegen fehlender Segmentierung konnten außerdem befallene Bereiche des Systems nicht frühzeitig abgetrennt werden. Auch bei der Vergabe von Administratoren-Rechten und weiteren Sicherungsaspekten verzeichnet das Gutachten Mängel. Die seien mit dafür verantwortlich, dass ein Standardvorfall zu einem „massiven Incident“ habe werden können.

„Äußerst gefährlich und schwerwiegend“

Die IT-Struktur vor Ort macht es laut dem forensischen Bericht auch unmöglich, das tatsächliche Ausmaß des Schadens zu definieren. Man müsse aber damit rechnen, dass Unbekannte den kompletten Datenbestand des Kammergerichts ausgelesen hätten. Für eine eindeutige Klärung wäre allerdings eine umfangreiche Untersuchung des gesamten Systems notwendig – ein zeitlich und finanziell nicht vertretbarer Aufwand. An die Verantwortlichen geht daher die Empfehlung, das Netzwerk völlig neu aufzusetzen. Dabei sollten allerdings höhere Sicherheitsstandards beachtet werden: eine klare Netzwerksegmentierung, ein fein gegliedertes Berechtigungssystem sowie das systematische Anfertigen von Protokolldateien für künftige Angriffe.

Fazit

Erst auf Druck aus dem Berliner Abgeordnetenhaus wurde der 14-seitige vorläufige Abschlussbericht öffentlich gemacht. Noch im Oktober hatte KG-Präsident Bernd Pickel erklärt, es seien keine Daten verschlüsselt oder ausgelesen worden. Das Expertengutachten wollte das Gericht bis vor Kurzem dennoch nicht freigeben. Begründung: Man dürfe Hackern keine Hilfestellung für künftige Cyberattacken geben.

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