Bierwerbung: Darf Bier aus Rosenheim als „Chiemseer“ beworben werden?

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Viele Kunden kaufen Waren aus bestimmten Gebieten gern. Deswegen dürfen auch keine Herkunftsorte angegeben werden, die nicht der Wahrheit entsprechen. Das Oberlandesgericht München hatte jetzt zu entscheiden, ob Bier aus Rosenheim als „Chiemseer“ bezeichnet werden darf.

Rosenheim liegt 16 km vor dem Chiemsee

In diesem Fall druckte ein Bierhersteller auf das Brust- und Bauchetikett auf der Bierflasche das Wort „Chiemseer“. Auch auf dem Bierkasten stand „Chiemseer“. Auf dem Bauchetikett war außerdem ein Landschaftsbild gezeichnet, das die Fraueninsel im Chiemsee darstellte. Der Himmelstreifen war mit dem bayrischen blauen Rautenmuster gezeichnet.

Auf dem Etikett stand noch „Chiemgauer Brauhaus – Rosenheim – Chiemseer“. Der Ort Rosenheim, wo das Bier tatsächlich gebraut wurde, befindet sich aber 16 km vor dem Chiemsee. Er liegt am Grenzfluss zum Chiemgau (Inn). Die Wettbewerbszentrale hielt das für irreführend. Sie argumentierte, dass der Kunde erwartet, dass ein Chiemseer Bier auch direkt vom Chiemsee stammt.

„Chiemseer“ war irreführend

Das Oberlandesgericht München gab der Wettbewerbszentrale mit Urteil vom 17.03.2016 (Az. 29 U 3187/15) Recht. Das Gericht untersagt der Brauerei, ihr Bier als „Chiemseer“ zu verkaufen, wenn es in Rosenheim gebraut wird. Durch die Gesamtgestaltung des Bieres mit den Etikettenbeschriftungen und der Bemalung erwartet der Kunde, dass das Bier tatsächlich direkt am Chiemsee gebraut wird. Die Nähe zum Chiemsee war aber bei der Brauerei aus Rosenheim nicht gegeben.

Die Richter argumentierten, dass auch der Aufdruck „Chiemgauer Brauhaus – Rosenheim – Chiemseer“ keine andere Bewertung zulässt. Hierdurch wurde der Kunde nämlich auch nicht darüber aufgeklärt, dass das Bier nicht vom Chiemsee stammte. Dafür müsste der Kunde genaue Ortkenntnisse der Orte am Chiemsee haben. Das ist aber bei den meisten Kunden außerhalb Bayerns nicht der Fall. Die Gestaltung des Etiketts wird die meisten Kunden sogar eher zu dem Schluss führen, Rosenheim liege am Chiemsee.

Fazit:

Bei der Bezeichnung mit Herkunftsangaben sollten Händler stets Vorsicht walten lassen. Den nächstliegenden berühmten Ort auf sein Produkt zu schreiben, kann eine Irreführung darstellen. So lag der Fall auch hier.

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Kommentare  
mumpel
0 # mumpel 04.05.2016, 10:51 Uhr
Endlich mal Richter die den Mut haben gegen den Missbrauch von Regionalbezeichnungen vorzugehen. Es müsste in ganz Deutschland solche Richter geben. Z.B. bei Lebensmittel auf denen "Gut ABC" steht obwohl es in Wirklichkeit aus einer Großfleischerei 5 Kilometer weiter weg stammt.
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