Werbung und Shops: Dürfen Händler Waren als „preiswerte Alternativen“ zu Markenprodukten bewerben?

(1 Bewertung, 5.00 von 5)

Vergleichende Werbung ist in Deutschland zwar erlaubt, aber schwierig. Wenn Händler eigene Waren mit Konkurrenzprodukten vergleichen wollen stehen Sie oft vor rechtlichen Problemen. Das Oberlandesgericht Frankfurt am Main musste in einem aktuellen Urteil entscheiden, ob Unternehmen ihre Waren als „preiswerte Alternativen“ zu einem teureren Produkt bewerben dürfen.

Händler nennt eigene Kosmetik „preiswerte Alternative“ zu hochwertigen Produkten der Konkurrenz

Ein Händler verglich seine kosmetischen Produkte mit denen der Konkurrenz. Auf seiner Internetseite hieß es in den zwei Werbeaussagen:

„X-Skin Care-System – die neue Aloe Vera Systempflege bietet eine funktionelle gleichwertige und preiswerte Alternative zu der Pflegeserie ‚Aloe Vera System I von Y‘“

„das X-Aloe Vera Systempflegeset Classic biete eine funktionell gleichwertige und preiswerte Alternative zu den Pflegeserien ‚Aloe Vera System I von Y‘“

Der Konkurrent des Händlers war mit der Werbung nicht einverstanden und klagte. Das Landgericht verbot die Werbung. In der Berufung hat sich nun das Oberlandesgericht Frankfurt am Main mit dem Fall beschäftigt.

Anzeige

Gericht: Vergleichende Werbung erlaubt, wenn Vergleichbarkeit nachprüfbar ist

Das Oberlandesgericht (Urteil vom 22. September 2016, Az. 6 U 103/15) hat für Händler nun Klarheit geschaffen.

Vergleichende Werbung ist dann erlaubt, wenn die Vergleichbarkeit nachprüfbar ist. Der Vergleich muss sich also immer auf nachprüfbare Eigenschaften der Produkte beziehen. Nicht nötig ist es, dass die Werbung selbst schon die Nachprüfbarkeit für den Kunden ermöglicht. Es reicht aus, wenn die Werbeaussage durch weitere Nachforschungen auf ihre Wahrheit überprüft werden kann.

Hier hatte der Händler die beiden Vergleichsprodukte ausreichend gekennzeichnet. Der Kunde konnte so durch eine einfache Internet-Recherche die Preise und auch die Gleichwertigkeit der beiden Produkte nachprüfen.  

Es gab aber noch ein weiteres Problem: Eine der Werbeaussagen befand sich unter einem Bild, auf dem weitere Kosmetikprodukte des Händlers zu sehen waren. Diese gehörten aber nicht zu der Pflegeserie, auf die der Händler sich in der Werbung bezog. Das Oberlandesgericht meinte, dass die angesprochenen Kunden davon ausgehen, dass die in dem Bild gezeigten Produkte auch zu der Werbung dazugehören. Aus diesem Grund war die Werbung des Händlers nicht erlaubt.

Praxis-Tipps für vergleichende Werbung:

  1. Generell gilt für Händler: Vorsicht bei vergleichender Werbung. Insbesondere dürfen Händler nicht Äpfel mit Birnen vergleichen. Im Klartext: Die Produkte müssen auch wirklich vergleichbar sein.
  2. Eigenschaften, die nicht objektiv vergleichbar sind, haben in vergleichender Werbung nichts verloren (z.B. „das Auto X sieht schöner aus als das Auto Y“).
  3. Bei Verstößen gegen die Grundsätze der vergleichenden Werbung müssen Händler mit Abmahnungen rechnen. Deshalb sollten solche Werbekampagnen besser vorher rechtlich geprüft werden.
Praxis-Tipp
Für mehr Informationen nehmen Sie einfach an unserem kostenlosen Webinar "Die 7 häufigsten Abmahnfallen auf Webseiten" teil:

Sagen Sie uns Ihre Meinung zum Thema.

Diese Beiträge könnten Sie ebenfalls interessieren:
Weiterlesen...
Gesamturteil sehr gut: Werbung mit Testergebnissen kann irreführend sein Händler bewerben ihre Waren gern mit Testergebnissen. Der Kunde wird durch gute Testergebnisse auf das Produkt aufmerksam, gute Testergebnisse sind ein starke...
Weiterlesen...
Achtung Abmahnung: Sind Bewertungsanfragen per E-Mail erlaubt oder Spam? Kundenbewertungen sind immens wichtig für Händler, die online Produkte oder Dienstleistungen anbieten. Käufer und Kunden bekommen in der Folge immer häufiger Ma...
Weiterlesen...
Facebook: PR-Kampagne gegen Rivalen Google aufgedeckt Der Konkurrenzkampf zwischen den IT-Giganten Google und Facebook wurde bereits in den letzten Jahren zunehmend härter. Der erste Höhepunkt wurde nun jedoch durc...
Weiterlesen...
Wir helfen Helfen: Darf der ADAC mit Polizei- und Krankenwagen werben? Der ADAC (Allgemeiner Deutscher Automobil-Club e.V.) ist Deutschlands größter Automobilclub. Nun musste er sich vor dem Landgericht Stuttgart für die verwende...
Weiterlesen...
Händler aufgepasst: Werbe-Einwilligungen müssen vor Gericht nachweisbar sein Die meisten Händler und Internetunternehmer wissen: Werbung darf nur per Double Opt In (DOI) mit Zustimmung der Empfänger verschickt werden. Aber wie weist man ...
 
Anzeige

Der eRecht24 Newsletter

Immer bestens informiert

Bleiben Sie mit unseren kostenlosen Updates zum Internetrecht auf dem neuesten Stand. Infos, Urteile, Checklisten, Sonderangebote.

Prüfen Sie, ob Ihre Widerrufsbelehrung aktuell ist.

Geben Sie die URL Ihrer Widerrufsbelehrung ein.
Beispiel Shop: http://www.shopxyz.de/widerruf.html
Beispiel eBay: http://www.ebay.de/usr/EBAYUSER

loading...
Jetzt Premium-Mitglied werden

Ab Heute gestalten Sie Ihre Website ohne Angst vor Abmahnwellen und ohne teuren Anwalt abmahnsicher.

Alle Videos, Live-Webinare, E-Books, Tools und zahlreiche Rabatte.

Jetzt Mitglied werden

Mehr Informationen zu eRecht24 Premium

Impressum-Generator

Keine Chance für Abmahner

Erstellen Sie kostenlos ein rechtssicheres Impressum für Ihre Website.

Jetzt Kostenlos Impressum generieren

Rechtsberatung vom Anwalt

Haben Sie ein konkretes rechtliches Problem? Dann wenden Sie sich bitte einen Anwalt. Auf unseren Seiten finden Sie zahlreiche allgemeine Informationen zum Internetrecht. Fundierte Rechtsberatung im Einzelfall kann allerdings nur ein spezialisierter Rechtsanwalt leisten.

Inhalte kostenlos übernehmen

Der eRecht24 Newsticker

kostenfreie aktuelle Inhalte zum Internetrecht

Individuell für Ihre Website angepasst!

 

SSL-Zertifikate

Steigern Sie das Vertrauen Ihrer Kunden. Für Betreiber von Onlineshops und kommerziellen Webseiten unabdingbar:

SSL-Verschlüsselung, SSL-Zertifikate und Trust-Logos

Rechnungen online erstellen

Erstellen Sie Ihre Rechnungen gemäß den Anforderungen des Finanzamts doch einfach online!

Mit easybill bequem ordnungsgemäße Rechnungen schreiben inkl. digitaler Signatur und Datenexport zum Steuerberater. Anforderungen an korrekte Rechnungen mit Mustern und Beispielen.

IT-Recht endlich verständlich

Autor Sören SiebertSören Siebert ist Rechtsanwalt mit Kanzleien in Berlin und Potsdam.

Er berät Unternehmer, Shops und Seitenbetreiber in allen Fragen des Rechts der neuen Medien.
www.kanzlei-siebert.de

Als Betreiber von eRecht24 ist er seit mehr als 15 Jahren auch als Internet-Unternehmer tätig. Deshalb finden Sie auf eRecht24 Tipps und Tricks eines spezialisierten Rechtsanwalts, aber verständlich und praxisnah erklärt.        

eRecht24 - Unsere praktischen Tools und hilfreichen Tutorials

mitgliederbereich teaser

Exklusiv für unsere Mitglieder

Alles was Webseitenbetreiber, Agenturen und Selbständige wirklich brauchen: Videos und E-Books, Musterverträge und Erstberatung, Tools und Live-Webinare.

Mehr Informationen

video tutorials teaser

eRecht24-Videos: IT-Recht verständlich

IT-Recht, endlich verständlich: Jetzt können auch Sie Ihre Website einfach und schnell abmahnsicher gestalten, wenn Sie richtig vorgehen!

Mehr Informationen

webinar teaser

Online Schulung mit Rechtsanwalt Siebert

Die 7 häufigsten Abmahnfallen auf Webseiten und wie Sie diese schnell, einfach und ohne teuren Anwalt vermeiden. So haben Abmahner bei Ihnen keine Chance!

Mehr Details
Support