Marketing: Wann ist übertriebene Werbung für einen Vibrator verboten?

(0 Bewertungen, 0 von 5)

Ab und an müssen sich deutsche Gerichte auch mal mit Fragen rund um das Thema Sex beschäftigen. Das Landgericht Bielefeld musste z.B. entscheiden, ob ein Online-Händler einen Vibrator mit einer bestimmten Werbeaussage bewerben durfte.

Konkurrent befürchtet Täuschung des Kunden

Ein Händler, der Erotikzubehör und Sexspielzeug im Internet anbot, bewarb einen Vibrator mit den Worten „für schnellere, intensivere und multiple Orgasmen“. Ein Konkurrent war mit der Werbung nicht einverstanden. Er bemängelte, dass es an Nachweisen fehle, worauf sich diese „vollmundige“ Behauptung stütze. Die Werbung täusche die Kunden, da sie bei ihnen den unrichtigen Eindruck erzeuge, dass nur der beworbene Vibrator schnellere, intensiviere und multiple Orgasmen ermögliche. Der Fall landete vor dem Landgericht Bielefeld, das vor Kurzem ein Urteil gefällt hat.

Werbeaussage war nur eine „reklamehafte Übertreibung“

Das Landgericht Bielefeld (Urteil vom 11. April 2017, Az. 12 O 82/16) hatte mit der Werbung kein Problem. Das Gericht entschied, dass es sich bei der Werbeaussage nur um eine „reklamehafte Übertreibung“ handelte.

Smarte Händler wissen: Reklamehafte Übertreibungen sind wettbewerbsrechtlich zulässig, weil diese den Kunden nicht täuschen. Das liegt daran, dass bei dieser Art der Werbung ungenaue Werbeaussagen zum Einsatz kommen, die entweder keine nachprüfbaren Tatsachen enthalten oder der angesprochene Kundenkreis die Übertreibung erkennt und deswegen nicht ernst nimmt.

Das Landgericht Bielefeld zweifelte daran, ob die Zeitspanne bis zum Erreichen eines Orgasmus und die Intensität desselben überhaupt objektiv nachprüfbar ist. Jedenfalls ist dem Kunden klar, dass es nicht allein vom Vibrator abhängt, wie schnell man zum Orgasmus kommt und wie intensiv und häufig dieser dann ausfällt. Außerdem gehen die Adressaten der Werbung nicht ernsthaft davon aus, dass der Händler solche Untersuchungen und Testreihen tatsächlich durchgeführt hat.

Praxis-Tipps:

1.    Ausnahmsweise dürfen Händler in der Werbung auch einmal übertreiben. Doch Vorsicht: Die Grenze des Erlaubten ist bei sogenannten Alleinstellungsbehauptungen erreicht. Das sind Werbeaussagen, bei denen Händler z.B. behaupten, dass ihre Produkte in allen oder bestimmten Eigenschaften besser sind als die Konkurrenzprodukte. Da diese Aussagen nachprüfbar sind, müssen sie natürlich auch wahr sein. Außerdem muss der Vorsprung gegenüber der Konkurrenz deutlich und nicht nur von vorübergehender Dauer sein.

2.    Strenge Vorgaben für die Werbung gelten auch bei Kondomen. Beispielsweise durfte ein Unternehmen nicht mit dem Werbeslogan „1 Tüte a 7 Stück entspricht bis zu 21 Orgasmen“ werben. Unseren Beitrag zu diesem Urteil finden Sie hier: https://www.e-recht24.de/news/wettbewerbsrecht/10014-sex-sells-wie-viele-orgasmen-stecken-in-7-kondomen.html

Praxis-Tipp
Für mehr Informationen nehmen Sie einfach an unserem kostenlosen Webinar "Die 7 häufigsten Abmahnfallen auf Webseiten" teil:

Sagen Sie uns Ihre Meinung zum Thema.
Diese Beiträge könnten Sie ebenfalls interessieren:
Weiterlesen...
Google+: Ist ein automatischer Eintrag bei Google Local unerlaubte Werbung? Google bietet sowohl bei Google Maps als auch bei Google+ die Möglichkeit, dass Unternehmen sich ihren Kunden präsentieren können. Aber auch Google selbst ers...
Weiterlesen...
Achtung Abmahnung: Sind Bewertungsanfragen per E-Mail erlaubt oder Spam? Kundenbewertungen sind immens wichtig für Händler, die online Produkte oder Dienstleistungen anbieten. Käufer und Kunden bekommen in der Folge immer häufiger Ma...
Weiterlesen...
Achtung Abmahnung: Dürfen automatische Antwort-Mails Werbung enthalten? Händler, die Werbung an ihre Kunden ohne deren Einwilligung hierzu verschicken, verstoßen gegen geltendes Recht. Doch gilt dies auch, wenn es sich um eine sog...
Weiterlesen...
Werbung: Wann ist die Bezeichnung „Sachverständiger“ erlaubt? Viele Händler und Dienstleister können auf Grund ihrer langjährigen Erfahrung auf ausgeprägtes Fachwissen zurückgreifen. Doch wann dürfen sie sich als „Sachvers...
Weiterlesen...
E-Mail-Marketing: Kann man für das einmalige Versenden einer Werbemail abgemahnt werden? Das mehrmalige Versenden von Werbemails ohne vorherige Einwilligung des Empfängers ist unzulässig. Doch wie verhält es sich  beim Versand eines einzigen Ne...
Anzeige Datenschutz-Kit
Anzeige
Anzeige

Der eRecht24 Newsletter

Immer bestens informiert

Bleiben Sie mit unseren kostenlosen Updates zum Internetrecht auf dem neuesten Stand. Infos, Urteile, Checklisten, Sonderangebote.

Prüfen Sie, ob Ihre Widerrufsbelehrung aktuell ist.

Geben Sie die URL Ihrer Widerrufsbelehrung ein.
Beispiel Shop: http://www.shopxyz.de/widerruf.html
Beispiel eBay: http://www.ebay.de/usr/EBAYUSER

loading...
Jetzt Premium-Mitglied werden

Ab Heute gestalten Sie Ihre Website ohne Angst vor Abmahnwellen und ohne teuren Anwalt abmahnsicher.

Alle Videos, Live-Webinare, E-Books, Tools und zahlreiche Rabatte.

Jetzt Mitglied werden

Mehr Informationen zu eRecht24 Premium

Impressum-Generator

Keine Chance für Abmahner

Erstellen Sie kostenlos ein rechtssicheres Impressum für Ihre Website.

Jetzt Kostenlos Impressum generieren

Rechtsberatung vom Anwalt

Haben Sie ein konkretes rechtliches Problem? Dann wenden Sie sich bitte einen Anwalt. Auf unseren Seiten finden Sie zahlreiche allgemeine Informationen zum Internetrecht. Fundierte Rechtsberatung im Einzelfall kann allerdings nur ein spezialisierter Rechtsanwalt leisten.

Inhalte kostenlos übernehmen

Der eRecht24 Newsticker

kostenfreie aktuelle Inhalte zum Internetrecht

Individuell für Ihre Website angepasst!

 

SSL-Zertifikate

Steigern Sie das Vertrauen Ihrer Kunden. Für Betreiber von Onlineshops und kommerziellen Webseiten unabdingbar:

SSL-Verschlüsselung, SSL-Zertifikate und Trust-Logos

Rechnungen online erstellen

Erstellen Sie Ihre Rechnungen gemäß den Anforderungen des Finanzamts doch einfach online!

Mit easybill bequem ordnungsgemäße Rechnungen schreiben inkl. digitaler Signatur und Datenexport zum Steuerberater. Anforderungen an korrekte Rechnungen mit Mustern und Beispielen.

IT-Recht endlich verständlich

Autor Sören SiebertSören Siebert ist Rechtsanwalt mit Kanzleien in Berlin und Potsdam.

Er berät Unternehmer, Shops und Seitenbetreiber in allen Fragen des Rechts der neuen Medien.
www.kanzlei-siebert.de

Als Betreiber von eRecht24 ist er seit mehr als 15 Jahren auch als Internet-Unternehmer tätig. Deshalb finden Sie auf eRecht24 Tipps und Tricks eines spezialisierten Rechtsanwalts, aber verständlich und praxisnah erklärt.        

eRecht24 - Unsere praktischen Tools und hilfreichen Tutorials

mitgliederbereich teaser

Exklusiv für unsere Mitglieder

Alles was Webseitenbetreiber, Agenturen und Selbständige wirklich brauchen: Videos und E-Books, Musterverträge und Erstberatung, Tools und Live-Webinare.

Mehr Informationen

dsgvo teaser

DSGVO Schnellstarter-Paket

Das Datenschutzrecht ändert sich ab Mai 2018 vollständig. Sind Sie bereit für die DSGVO? Mit unserem Schnellstarter-Paket sichern Sie Ihre Webseite ab.

Jetzt absichern

webinar teaser

Online Schulung mit Rechtsanwalt Siebert

Die 7 häufigsten Abmahnfallen auf Webseiten und wie Sie diese schnell, einfach und ohne teuren Anwalt vermeiden. So haben Abmahner bei Ihnen keine Chance!

Mehr Details