Verbraucherschutz: Werbung für Displayschutz „Protectpax“ ist irreführend

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Einmal nicht aufgepasst und schon ist das Display des schönen Smartphones zersplittert. Damit das nicht passiert, bieten zahlreiche Hersteller einen Displayschutz an. Der flüssige Displayschutz „Protectpax“ versprach jedoch zu viel, weshalb das Landgericht (LG) Hagen die Werbung für das Produkt als irreführend einstufte. Was erachteten die Richter als wettbewerbswidrig?

So funktioniert „Protectpax“

Ein Wundermittel gegen Displaybruch: „Protectpax“ des Herstellers Westfalia Werkzeugcompany, das durch die TV-Show „Die Höhle der Löwen“ bekannt wurde, soll Handydisplays vor Schäden schützen. Verbraucher müssen dazu den transparenten Lack aus diamanthartem Titanoxid auf den Smartphone-Bildschirm auftragen und mit einem Lappen einreiben. Die Nano-Partikel härten dann das Glas. So soll „Protectpax“ den Bildschirm sechsmal widerstandsfähiger machen als andere Schutzfolien.

„Protectpax“ wirbt mit „Hält bis zu 12 Monate“

Der Hersteller war so überzeugt von seinem Produkt, dass er auf der Verpackung einen Hammer abbildete und mit dem Versprechen „Hält bis zu 12 Monate“ warb. Auf der Rückseite der Verpackung wies der Hersteller in Kleingedrucktem jedoch daraufhin, dass der Hammer nur symbolisch gemeint sei. Der Displayschutz beeindruckte Verbraucher jedoch, so dass sich dieser über eine Million Mal verkaufte.

Verband Sozialer Wettbewerb bemängelt Werbung

Der Verband Sozialer Wettbewerb hielt die mutige Werbung für irreführend und stufte sie als „Verbrauchertäuschung“ ein. Der Verband ging davon aus, dass das gemachte Versprechen nicht durch Langzeittests abgesichert sei.

Hersteller wehrt sich mit eigenen Testergebnissen

Westfalia Werkzeugcompany wehrte sich gegen diese Vorwürfe. Das Unternehmen verwies darauf, dass sie das Produkt entsprechenden Abriebtests unterzogen hätten und danach keine Kratzspuren auf den Handydisplays erkennbar gewesen seien.

LG Hagen stuft Werbung als irreführend ein

Das LG Hagen entschied jetzt, dass die Werbung irreführend und damit wettbewerbswidrig ist (Az. 21 O 90/17). Die Richter führten dazu aus, dass Kunden das Versprechen „Hält bis zu 12 Monate“ als eine Art Gewährleistungszusage verstehen könnten. Wie lange genau der Displayschutz jedoch hält, geht aus der Werbung nicht hervor, so dass das „Bis-Versprechen“ nichtssagend ist.

„Protectpax“ passt Werbung an

„Protectpax“ hat auf die Entscheidung des Gerichts reagiert und die Verpackung überarbeitet. Der Hersteller hat die Bezeichnung „Displayschutz“ in „Displaybeschichtung“ umbenannt und den Hammer aus dem Verpackungsdesign entfernt. Statt des bemängelten Werbeversprechens finden Verbraucher jetzt die Aussage „einfach anzuwenden“. Zudem fügte der Hersteller in der näheren Beschreibung den Hinweis „Die Beschichtung nutzt sich ab und sollte regelmäßig erneuert werden“ hinzu.

Praxis-Tipp

Hersteller sollten in ihrer Werbung auf „Bis-zu-Versprechen“ verzichten. Zudem sollten sie nur mit Versprechen werben, die das Produkt in der Praxis tatsächlich auch halten kann.

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Autor Sören SiebertSören Siebert ist Rechtsanwalt mit Kanzleien in Berlin und Potsdam.

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