Zalando.de: Werbung mit Double von Rainer Langhans zulässig?

(0 Bewertungen, 0 von 5)

In einem aktuellen TV-Werbespot für zalando.de, den die Agentur Jung von Matt/Pulse (heute Jung von Matt/Fleet) produziert hat, wird ein Doppelgänger des ehemaligen Kommune1-Bewohners Rainer Langhans gezeigt, der miterleben muss, wie ein weibliches Mitglied der Kommune ein bei zalando.de bestelltes Paar Schuhe freudestrahlend entgegen nimmt.

Rainer Langhans wurde vorab nicht gefragt

Dass Langhans vor Ausstrahlung des Spots nicht gefragt wurde, ob er einverstanden ist, berichtet die Abendzeitung aus München, in der die Symbolfigur der 68er-Bewegung mit den Worten “Die verdienen Geld mit meinem Bild. Dafür müssen sie zahlen.” Zitiert wird. Meldungen des Magazins Werben und Verkaufen und der Kollegen Dr. Damm & Partner zufolge, konnte allerdings zwischenzeitig eine außergerichtliche Einigung erzielt werden. Es wird sogar berichtet, dass Langhans im kommenden Werbefilm für zalando.de selbst auftreten soll.

Auch wenn eine Einigung erzielt werden konnte, stellt sich die Frage, wie das Vorgehen rechtlich zu bewerten ist. Dreh- und Angelpunkt ist das aus  Art. 1 Abs. 1 GG in Verbindung mit Art. 2 Abs. 1 GG abgeleitete allgemeine Persönlichkeitsrecht, dessen Verletzung Schadensersatz- sowie Schmerzensgeldforderungen nach sich ziehen kann. Langhans sah sein Persönlichkeitsrecht durch den Einsatz des Schauspielerdoubles verletzt und empfand die Darstellung seiner Person als “ranzig und verblödet”.

Sind Promibilder in der Werbung zulässig?

Altbekannt sind Konstellationen, in denen ungefragt Bildnissen Prominenter zu Zwecken der Werbung verwendet werden. Entsprechende Darstellungen waren bereits Gegenstand teils höchstrichterlicher Entscheidungen, die allerdings wegen im Einzelfall weit ausgelegter Pressefreiheit für die zu Werbezwecken vereinnahmten Prominenten unterschiedlich ausgingen. Unstrittig ist jedoch, dass das Persönlichkeitsrecht durch die nicht genehmigte Verwendung von Bildnissen verletzt werden kann. Bekannt sind die Fälle zur Verwendung der Bildnisse von Oskar Lafontaine (BGH, Urteil vom 26.10.2006, Az.: I ZR 182/04) und Ernst August Prinz von Hannover (BGH, Urteil vom 05.06.2008, Az.: I ZR 96/07) sowie Joschka Fischer (LG / OLG Hamburg, Urteil vom 05.06.2009, Az.: 324 O 381/06 - 7 U 152/06 (OLG)).

Vorliegend wurde jedoch nicht ein Bildnis einer bekannten Persönlichkeit selbst, sondern lediglich ein Doppelgänger benutzt. Man könnte meinen, hierin einen Ausweg gefunden zu haben, um ungefragt mit Prominenten werben zu können, ohne deren Rechte zu verletzen. Dem ist allerdings nicht so. Bereits das OLG Karlsruhe hatte einen Fall entschieden, in dem ein Schauspieler als Werbefigur für ein Milchgetränk aus dem Hause Müller auftrat, der dem Sänger Ivan Rebroff zum Verwechseln ähnlich sah und der ein Kostüm trug, das der Sänger in dem Film "Der letzte Walzer" getragen hatte. Bereits damals hatte das Gericht eine Verletzung des allgemeinen Persönlichkeitsrechts von Ivan Rebroff angenommen (AfP 1996, 282, 283). Insofern ist die Frage, ob durch die Verwendung eines Schauspielerdoubles das Persönlichkeitsrecht des dargestellten Prominenten verletzt werden kann, geklärt.

Fazit:

Es ist bedauerlich, dass die Werbetreibenden offenbar kein Einverständnis des Betroffenen eingeholt und stattdessen einen Werbespot produziert haben, durch den das Persönlichkeitsrecht der dargestellten Person verletzt werden kann. Selbst wenn die Kosten für eine spätere Auseinandersetzung bereits von Anfang an in den Produktionskosten einkalkuliert wurden, kann dem Verhalten nichts Positives abgewonnen werden. Es steht zu befürchten, dass auch die Medienberichte über die Auseinandersetzung zwischen dem Prominenten und dem Werbetreibenden bewusst genutzt wurden, um dem Spot erhöhte Aufmerksamkeit und Medienwirkung zuteil werden zu lassen. Es mag sein, dass Werbung so funktioniert, rechtlich einwandfrei ist das darüber hinaus riskante Vorgehen jedoch nicht."

Anzeige
Sagen Sie uns Ihre Meinung zum Thema.
Diese Beiträge könnten Sie ebenfalls interessieren:
Weiterlesen...
eBay: Darf der Verkäufer eine Auktion jederzeit abbrechen? Immer wieder beschäftigt die Gerichte die Frage, ob ein Verkäufer bei eBay eine Auktion vorzeitig beenden darf. In diesem Zusammenhang hat das Amtsgericht Dar...
Weiterlesen...
Rücklastschriftengebühr: Mobilfunkanbieter versucht gerichtliches Verbot zu umgehen Mobilfunkanbieter stehen oft wegen undurchsichtiger Allgemeiner Geschäftsbedingungen oder ihrer Preispolitik in der Kritik. Nun hat das Schleswig-Holsteinisch...
Weiterlesen...
Existenzgründer: Erfolgsfaktor Kooperation und deren rechtliche Stolpersteine Gerade Existenzgründer und Jungunternehmer, die sich im und rund um das Internet selbstständig machen sind nicht selten Fachexperten in einer ganz bestimmten Ni...
Weiterlesen...
Impressumspflicht: Was muss im Impressum einer Aktiengesellschaft (AG) stehen? Allgemeine Angaben Betreibt eine Aktiengesellschaft eine Website, müssen zunächst der Name des Unternehmens sowie der Rechtsformzusatz „AG“ oder „Aktiengesells...
Weiterlesen...
Online Shops: Reicht das Anklicken eines Links für Ausübung des Widerrufs? Kunden steht bei Vertragsabschlüssen im Internet ein Widerrufsrecht zu. Durch dessen Ausübung kann der Vertrag innerhalb von 14 Tagen ohne Weiteres rückgängig...
Anzeige Datenschutz-Kit
Anzeige
Anzeige

Der eRecht24 Newsletter

Immer bestens informiert

Bleiben Sie mit unseren kostenlosen Updates zum Internetrecht auf dem neuesten Stand. Infos, Urteile, Checklisten, Sonderangebote.

Prüfen Sie, ob Ihre Widerrufsbelehrung aktuell ist.

Geben Sie die URL Ihrer Widerrufsbelehrung ein.
Beispiel Shop: http://www.shopxyz.de/widerruf.html
Beispiel eBay: http://www.ebay.de/usr/EBAYUSER

loading...
Jetzt Premium-Mitglied werden

Ab Heute gestalten Sie Ihre Website ohne Angst vor Abmahnwellen und ohne teuren Anwalt abmahnsicher.

Alle Videos, Live-Webinare, E-Books, Tools und zahlreiche Rabatte.

Jetzt Mitglied werden

Mehr Informationen zu eRecht24 Premium

Impressum-Generator

Keine Chance für Abmahner

Erstellen Sie kostenlos ein rechtssicheres Impressum für Ihre Website.

Jetzt Kostenlos Impressum generieren

Rechtsberatung vom Anwalt

Haben Sie ein konkretes rechtliches Problem? Dann wenden Sie sich bitte einen Anwalt. Auf unseren Seiten finden Sie zahlreiche allgemeine Informationen zum Internetrecht. Fundierte Rechtsberatung im Einzelfall kann allerdings nur ein spezialisierter Rechtsanwalt leisten.

Inhalte kostenlos übernehmen

Der eRecht24 Newsticker

kostenfreie aktuelle Inhalte zum Internetrecht

Individuell für Ihre Website angepasst!

 

SSL-Zertifikate

Steigern Sie das Vertrauen Ihrer Kunden. Für Betreiber von Onlineshops und kommerziellen Webseiten unabdingbar:

SSL-Verschlüsselung, SSL-Zertifikate und Trust-Logos

Rechnungen online erstellen

Erstellen Sie Ihre Rechnungen gemäß den Anforderungen des Finanzamts doch einfach online!

Mit easybill bequem ordnungsgemäße Rechnungen schreiben inkl. digitaler Signatur und Datenexport zum Steuerberater. Anforderungen an korrekte Rechnungen mit Mustern und Beispielen.

IT-Recht endlich verständlich

Autor Sören SiebertSören Siebert ist Rechtsanwalt mit Kanzleien in Berlin und Potsdam.

Er berät Unternehmer, Shops und Seitenbetreiber in allen Fragen des Rechts der neuen Medien.
www.kanzlei-siebert.de

Als Betreiber von eRecht24 ist er seit mehr als 15 Jahren auch als Internet-Unternehmer tätig. Deshalb finden Sie auf eRecht24 Tipps und Tricks eines spezialisierten Rechtsanwalts, aber verständlich und praxisnah erklärt.        

2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10
eRecht24 - Unsere praktischen Tools und hilfreichen Tutorials

mitgliederbereich teaser

Exklusiv für unsere Mitglieder

Alles was Webseitenbetreiber, Agenturen und Selbständige wirklich brauchen: Videos und E-Books, Musterverträge und Erstberatung, Tools und Live-Webinare.

Mehr Informationen

dsgvo teaser

DSGVO Schnellstarter-Paket

Das Datenschutzrecht ändert sich ab Mai 2018 vollständig. Sind Sie bereit für die DSGVO? Mit unserem Schnellstarter-Paket sichern Sie Ihre Webseite ab.

Jetzt absichern

webinar teaser

Online Schulung mit Rechtsanwalt Siebert

Die 7 häufigsten Abmahnfallen auf Webseiten und wie Sie diese schnell, einfach und ohne teuren Anwalt vermeiden. So haben Abmahner bei Ihnen keine Chance!

Mehr Details