Garantiert echt: Was Sie über Werbung mit Kundenbewertungen wissen müssen

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Unzählige Portale und Webseiten bieten für Händler Bewertungsfunktionen an. Teilweise besteht sogar der alleinige Zweck von Portalen darin, Bewertungen für interessierte Nutzer bereitzustellen. Das OLG Düsseldorf hatte in diesem Zusammenhang zu klären, ob und wie mit den Bewertungen geworben werden darf.

Dentallabor warb mit „Garantiert echte Kundenmeinungen“

Ausgangspunkt des Urteils war die Geschäftspraxis einer Dentalhandelsgesellschaft, die mehrere Labore unterhielt. In den Laboren wurde Zahnersatz für den deutschen Markt hergestellt. Dies wurde auf den Internetseiten der Labore auch mit den von Kunden abgegebenen Bewertungen beworben. Hierbei konnte eine bestimmte Anzahl von Sternen vergeben werden, die dann für die Bewertung angezeigt wurden. Zusätzlich wurde die Sternenanzahl und die Bewertung mit „Garantiert echte Kundenmeinungen“ beworben. Die Bereitstellung der Bewertungsfunktion erfolgte dabei über das Portal von eKomi.

Kunden der Dentallabore erhielten nach Abschluss der Geschäfte eine E-Mail in der sie über einen Bewertungslink die Dienste des Labors bewerten konnten. Auch direkt über das eKomi Portal konnten die Bewertungen abgegeben werden. Dabei wurden gute Bewertungen mit vier bzw. fünf Sternen von eKomi sofort freigeschaltet. Bei neutralen und negativen Bewertungen wurden die Kommentare erst nach einer Prüfung von eKomi freigeschaltet. Stellte sich bei der Überprüfung heraus, dass die Bewertung rechtwidrige Inhalte hatte, wurde der entsprechende Kommentar sofort gelöscht. eKomi gab den bewerteten Unternehmen aber auch die Möglichkeit, bei negativen Bewertungen ein Schlichtungsverfahren einzuleiten. Gegen dieses Verfahren ging die Wettbewerbszentrale vor, da sie eine Werbung mit solchermaßen erlangten Bewertungen für irreführend hielt.

OLG Düsseldorf bejaht Irreführung

Das OLG Düsseldorf gab der Wettbewerbszentrale mit Urteil vom 19.02.2013 (Az.: I- 20 U 55/12) Recht. Die Richter des Oberlandesgerichts stellten dabei vor allem auf die Besonderheiten im Zusammenhang mit Heilberufen ab. In § 11 I Nr. 11 des Heilmittelwerbegesetzes heißt es: "Außerhalb der Fachkreise darf für Arzneimittel, Verfahren, Behandlungen, Gegenstände oder andere Mittel nicht geworben werden (…) 11.mit Äußerungen Dritter, insbesondere mit Dank-, Anerkennungs- oder Empfehlungsschreiben oder mit Hinweisen auf solche Äußerungen, wenn diese in missbräuchlicher, abstoßender oder irreführender Weise erfolgte."

Da die Dentallabore die Bewertungen ihrer Kunden zur Werbung einsetzten, lag eine Werbung mit einer Äußerung einer dritten Person vor. Diese Werbung war nach Ansicht des Gerichts auch irreführend, da durch die Überprüfung und Einleitung von Schlichtungsverfahren, die Veröffentlichung negativer oder neutraler Bewertungen erschwert und verzögert wurde. Dieser Vorgang beschönigte den Bewertungsprozess. Hierbei war vor allem beachtlich, dass mit der Aussage „Garantiert echte Kundenmeinungen“ der Eindruck über das Unternehmen beim Kunden noch verstärkt werden musste. Dem stand auch nicht entgegen, dass die Dentallabore bisher auf die Einleitung von Schlichtungsverfahren verzichtet hatten. Da eine Veröffentlichung der neutralen und negativen Bewertungen erst nach 5 Tagen erfolgte, wurden die abgegebenen positiven Bewertungen stark übergewichtet. Die Richter nahmen außerdem an, dass sich Kunden von einem Schlichtungsverfahren abschrecken lassen würden und um dem aus dem Weg zu gehen, eine positive Bewertung abgeben würden. Das Verfahren von eKomi war daher unzulässig.

Fazit:

Das Urteil zeigt, dass Bewertungen nicht beschönigt werden dürfen. Bewerben Unternehmen ihre Leistungen oder Waren mit Kundenbewertungen, müssen daher sowohl positive als auch negative Einträge berücksichtigt werden. Rechtsverletzende Kommentare können jedoch entfernt werden, da ein Rechtsverstoß nicht hingenommen werden muss.

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