eBay Abbruchjäger: Legal oder illegale Abzocke?

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Von Abbruchjägern bei eBay hörte man immer wieder: Sie bieten 1 Euro auf Artikel wie Autos oder Motorräder und warten darauf, dass die Verkäufer ihre Auktionen wegen zu geringer Gebote abbrechen. Dann verlangen sie Schadensersatz vom Verkäufer. Bisher verloren die Verkäufer oft vor Gericht gegen die Abbruchjäger. Das könnte sich aber ändern: dem BGH liegt ein neuer Fall vor.

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Motorrad für 1 Euro bei eBay eingestellt

In dem Fall geht es um ein Motorrad, was auf eBay verkauft werden sollte. Der Verkäufer stellte es in einer 1-Euro Auktion ein. Der Wert des Motorrads betrug aber 4.900 Euro. Der Verkäufer brach die Auktion 10 Tage später ab. Zum Zeitpunkt des Auktionsabbruchs gab es nur einen Bieter. Dieser hatte 1 Euro geboten.

Der Käufer verlangte dann zuerst die Herausgabe des Motorrads und stützte sich dabei auf die eBay-Regeln. Nach denen darf nämlich eine Auktion nur in bestimmten Fällen abgebrochen werden. Wird die Auktion unberechtigt abgebrochen, kommt also trotzdem ein Vertrag mit dem Höchstbietenden zustande. Der Verkäufer wollte und konnte das Motorrad nicht an den Käufer herausgeben. Er hatte es bereits anderweitig verkauft. Deswegen forderte der Käufer dann später 4.899 Euro Schadensersatz von dem Verkäufer, also die Differenz von Gebot und Wert der Maschine.

Abbruchjäger: Handeln kann rechtsmissbräuchlich sein

Nachdem der Abbruchjäger in erster Instanz Recht bekam, wurde die Klage in der Berufungsinstanz vollumfänglich abgewiesen. Der BGH muss jetzt noch über die Sache abschließend entscheiden. Es spricht viel dafür, dass der Abbruchjäger hier rechtsmissbräuchlich gehandelt hat und der BGH deswegen dem Verkäufer Recht geben wird.

Anwalts-Tipp: Laufende Auktionen sollten Sie nicht einfach so abbrechen. eBay hat dafür strenge Regeln aufgestellt.

Sören Siebert
Sören SiebertRechtsanwalt

Im vorliegenden Fall verbarg der Abbruchjäger seine Identität hinter mehreren Accounts und E-Mail-Adressen und versuchte mehrfach, Schadensersatz von den eBay-Nutzern zu bekommen. Außerdem hatte er bei eBay zeitweise Angebote von einem Gesamtwert von 215.000 Euro abgegeben. Diese hohe Summe lässt daran zweifeln, ob er wirklich alle Artikel kaufen wollte, auf die er Gebote abgab.

Fazit:

Das Urteil des Bundesgerichtshofs ist für den 24. August 2016 angekündigt. Wenn der BGH das Verhalten des Käufers als rechtsmissbräuchlich einstuft, wird dem Geschäftmodell "Abbruchjäger" ein Riegel vorgeschoben.

Kommentare  
Clemens M. Hürten
-1 # Clemens M. Hürten 28.06.2016, 17:11 Uhr
Hallo!
Das Thema ebay und missbräuchliches Bieten habe ich selbst erlebt und verzichte seither auf ebay. Ich hatte einen Farblaserdrucker im Zeitwert von rund 3.000 Euro angeboten, ebenfalls mit Mindestgebot 1 Euro. Nach kurzer Zeit stand der Preis überraschender Weise schon bei 2.800 Euro.
Sehr kurz vor Auktionsende zog der bis dahin immer noch Höchstbietende sein Gebot zurück. Der teure Drucker ging dann für lediglich 520 Euro an den direkt darunter Bietenden! Ich konnte nichts dagegen tun. Ich habe den Verdacht, dass sich hier zwei Bieter abgesprochen hatten oder dass ein und derselbe Bieter zwei Accounts bei ebay hatten.
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p.k.
0 # p.k. 12.08.2016, 21:37 Uhr
das nennt man Gebotsabschirmung und ist zwischenzeitlich lt. eBay AGB nicht mehr möglich , man muss nicht liefern!
Es ist nicht illegal, aber man könnte es als rechtsmissbräuchlich bezeichnen. jedoch immer schwer zu beweisen, weil bei Ihnen zivilrechtlich die Beweislast liegt.
eBay hat reagiert, ein seltener Fall, dass eBay reagiert, ansonsten pennen die da gewaltig und unterstützen fast jeden Betrug in Zusammenhang mit eBay und PayPal.
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