Rechtsschutz gegen negative eBay-Bewertungen?

(0 Bewertungen, 0 von 5)

Positive eBay-Bewertungen sind für viele professionelle und halbprofessionelle Händler zu einem wertvollen Gut geworden. Potentielle Kunden können allein anhand dieser Bewertungen erkennen, ob ein Händler seriös ist oder nicht. Deshalb verwundert es nicht, dass viele negativ bewertete eBay-User versuchen, gerichtlich gegen diese Bewertungen vorzugehen.

So auch im vorliegenden Fall des Amtsgerichts Eggenfelden (Az.: 1 C 196/04), welches einen Streit über die Abgabe von negativen Bewertungen beim online-Auktionshaus eBay zu klären hatte. Hier stritten sich die Parteien zunächst über die Höhe des zu zahlenden Portos. Der Verkäufer verlangte von der Käuferin ausdrücklich 7,50 Euro Porto. Diese hielt jedoch 6,00 Euro für genug. Später forderte der Käufer dann 2,00 Euro Porto nach, was jedoch auf einem Rechenfehler beruhte. Daraufhin gab die Käuferin eine negative Bewertung über den Verkäufer ab, indem sie behauptete, dass dieser nach dem Kauf mehr Porto verlangt hätte. Im Zuge dessen eskalierte die Auseinandersetzung. Während der Verkäufer Ausdrücke wie „Null Ahnung von Porto und Verpackung“, „Gezeter“, „Fast eine Frechheit“ und „Vielleicht liegt es ja auch am Alter“ benutzte, bezeichnete ihn die Käuferin als „unglaublich unverschämt“.

Das Amtsgericht unterschied in seiner Entscheidung zwischen falschen Behauptungen und bloßen Wertungen im Bewertungstext. So handelt es sich bei der Behauptung, der Verkäufer habe nach Vertragsschluss mehr Porto verlangt, um eine falsche Tatsachenbehauptung. Diese war nachweislich nicht vom wirklichen Geschehen gedeckt, da der Verkäufer von Anfang an 7,50 Euro Porto verlangt hatte. Damit war er in seinem allgemeinen Persönlichkeitsrecht beeinträchtigt. Nach Meinung des Gerichts, musste er dies nicht hinnehmen, die betreffende negative Bewertung war damit zu löschen. Auch konnte sich die Käuferin nicht auf das Grundrecht der Meinungsfreiheit berufen, da dieses nicht das Recht gibt, falsche Tatsachenbehauptungen zu verbreiten.

Anzeige

Nicht gelöscht werden musste hingegen der Kommentar "unglaublich unverschämt". Während der Verkäufer in seiner Wortwahl schlicht unhöflich war, blieb die Käuferin mit ihrer Äußerung „unglaublich unverschämt“ durchaus sachlich und gab lediglich eine Wertung ab. Eine solche Äußerung steht unter dem Schutz der Meinungsfreiheit und ist rechtlich nicht zu beanstanden.

Fazit: Das Amtsgericht Eggenfelden gab dem Verkäufer als Kläger damit teilweise Recht. Während die erste Behauptung, er habe nach Vertragsschluss mehr Porto verlangt, zu löschen war, war die zweite Behauptung, er sei „unglaublich unverschämt“ nicht zu entfernen. Das Aufstellen nachweislich falscher Tatsachen im Rahmen von eBay-Bewertungen ist somit nicht vom Grundrecht der Meinungsfreiheit gedeckt. Das Abgeben bloßer Wertungen, die nicht als „Richtig oder Falsch“ eingeordnet werden können, ist jedoch möglich. Allerdings muss hier die Grenze zur Beleidigung oder unsachlichen Schmähkritik beachtet werden.
Autor: Christoph Kurz

Rechtsanwalt Sören Siebert
www.kanzlei-siebert.de

 

Anzeige
Sie dürfen diesen Beitrag gern verlinken.

Klicken Sie einfach auf das Formularfeld und kopieren Sie sich den Link heraus.

Diese Beiträge könnten Sie ebenfalls interessieren:
Weiterlesen...
eBay: Ist eine negative Bewertung mit Kommentar „Abzocker!“ zulässig? Bewertungen bei eBay sind insbesondere für Händler der Plattform von großer Wichtigkeit, da sich andere eBay Nutzer gerade an diesen orientieren, um die Vertr...
Weiterlesen...
Achtung eBay Händer: Bei Werbung mit „geprüftes eBay Mitglied“ drohen Abmahnungen Bei der Werbung mit Test- und Gütesiegeln müssen Händler viele Vorgaben beachten. Das LG Essen musste entscheiden, ob Händler mit einem Siegel „geprüftes eBay...
Weiterlesen...
Gestohlene Ware bei eBay – was Sie wissen sollten Zum Thema "Gestohlene Waren bei eBay" stand Rechtsanwalt Sören Siebert dem Onlinemagazin Planetopia für die Sendung am 17.03.2005 als Gespr&...
Weiterlesen...
Widerrufsrecht: Kann das Widerrufsrecht für alten Cognac ausgeschlossen werden? Das Widerrufsrecht gibt dem Verbraucher die Möglichkeit, einen online geschlossenen Vertrag zu widerrufen. Online-Händler müssen dieses Recht beachten, können ...
Weiterlesen...
Neues Widerrufsrecht: Wird Online Shoppingnach dem 14.06.2014 teurer? Am 13.06.2014 trat das neue Widerrufsrecht in Kraft. Für Shopbeteiber und Händler, aber auch für die Kunden hat sich vieles geändert. Der wichtigste Punkt: Da...
Sagen Sie uns Ihre Meinung zum Thema.

Sicherheitscode Aktualisieren

Anzeige

Der eRecht24 Newsletter

Immer bestens informiert

Bleiben Sie mit unseren kostenlosen Updates zum Internetrecht auf dem neuesten Stand. Infos, Urteile, Checklisten, Sonderangebote.

Prüfen Sie, ob Ihre Widerrufsbelehrung aktuell ist.

Geben Sie die URL Ihrer Widerrufsbelehrung ein.
Beispiel Shop: http://www.shopxyz.de/widerruf.html
Beispiel eBay: http://www.ebay.de/usr/EBAYUSER

loading...
Jetzt Premium-Mitglied werden

Ab Heute gestalten Sie Ihre Website ohne Angst vor Abmahnwellen und ohne teuren Anwalt abmahnsicher.

Alle Videos, Live-Webinare, E-Books, Tools und zahlreiche Rabatte.

Jetzt Mitglied werden

Mehr Informationen zum Mitgliederbereich

Impressum-Generator

Keine Chance für Abmahner

Erstellen Sie kostenlos ein rechtssicheres Impressum für Ihre Website.

Jetzt Kostenlos Impressum generieren

Rechtsberatung vom Anwalt

Haben Sie ein konkretes rechtliches Problem? Dann wenden Sie sich bitte einen Anwalt. Auf unseren Seiten finden Sie zahlreiche allgemeine Informationen zum Internetrecht. Fundierte Rechtsberatung im Einzelfall kann allerdings nur ein spezialisierter Rechtsanwalt leisten.

Inhalte kostenlos übernehmen

Der eRecht24 Newsticker

kostenfreie aktuelle Inhalte zum Internetrecht

Individuell für Ihre Website angepasst!

 

SSL-Zertifikate

Steigern Sie das Vertrauen Ihrer Kunden. Für Betreiber von Onlineshops und kommerziellen Webseiten unabdingbar:

SSL-Verschlüsselung, SSL-Zertifikate und Trust-Logos

Rechnungen online erstellen

Erstellen Sie Ihre Rechnungen gemäß den Anforderungen des Finanzamts doch einfach online!

Mit easybill bequem ordnungsgemäße Rechnungen schreiben inkl. digitaler Signatur und Datenexport zum Steuerberater. Anforderungen an korrekte Rechnungen mit Mustern und Beispielen.

IT-Recht endlich verständlich

Autor Sören SiebertSören Siebert ist Rechtsanwalt mit Kanzleien in Berlin und Potsdam.

Er berät Unternehmer, Shops und Seitenbetreiber in allen Fragen des Rechts der neuen Medien.
www.kanzlei-siebert.de

Als Betreiber von eRecht24 ist er seit mehr als 15 Jahren auch als Internet-Unternehmer tätig. Deshalb finden Sie auf eRecht24 Tipps und Tricks eines spezialisierten Rechtsanwalts, aber verständlich und praxisnah erklärt.        

eRecht24 - Unsere praktischen Tools und hilfreichen Tutorials

mitgliederbereich teaser

Exklusiv für unsere Mitglieder

Alles was Webseitenbetreiber, Agenturen und Selbständige wirklich brauchen: Videos und E-Books, Musterverträge und Erstberatung, Tools und Live-Webinare.

Mehr Informationen

video tutorials teaser

eRecht24-Videos: IT-Recht verständlich

IT-Recht, endlich verständlich: Jetzt können auch Sie Ihre Website einfach und schnell abmahnsicher gestalten, wenn Sie richtig vorgehen!

Mehr Informationen

webinar teaser

Live-Webinare mit Rechtsanwalt Siebert

Sie fragen, Rechtsanwalt Siebert antwortet. Aktuelle Themen, umfassend und Schritt für Schritt erklärt: So haben Abmahner bei Ihnen keine Chance!

Mehr Informationen
Support
×

8 von 10 Webseiten sind abmahngefährdet. Ihre Seite auch?

×
Sie besuchen eRecht24 öfter?

Dann abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter und erhalten Sie

  • Einfache Lösungen zu den Abmahnfallen im Internet
  • Aktuelle Rechtstipps von Rechtsexperte Sören Siebert
  • 3 exklusive Checklisten zum Internetrecht

Wir halten uns an den .

Wir halten uns an den Datenschutz.