eBay: Muss der Inhaber eines gehakten Accounts die ersteigerte Ware bezahlen?

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Wird der Account eines eBay-Mitglieds gehackt und in der Folge damit Missbrauch betrieben, indem beispielsweise teure Waren gekauft werden, stellt sich die Frage, ob der Inhaber des Accounts für den Schaden haften muss. Einen solchen Fall hatte das OLG Bremen vor kurzem zu entscheiden.

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Was war geschehen?

Im vorliegenden Fall bot eine Person auf der beliebten Auktionsplattform eBay eine Harley Davidson zum Verkauf an. Eine andere Person bot über einen eBay Account  auf das Motorrad und gab dabei sogar das Höchstgebot ab. Nach Beendigung der Auktion wandte sich der Verkäufer an den Höchstbietenden, um die Auktion abzuwickeln.

Dieser weigerte sich jedoch, den Kaufpreis für die Ware zu begleichen. Vielmehr brachte er vor, dass eine andere Person seinen Account gehackt hatte und damit nicht er, sondern der Hacker das Gebot abgegeben hatte. Der Verkäufer hingegen bestand auf Erfüllung und Begleichung des Kaufpreises.

Nachdem die Vorinstanz des Landgerichts Bremen die Klage abwies, legte der eBay-Verkäufer Berufung ein.

Entscheidung des Gerichts

Aber auch nach der Berufungsentscheidung des Oberlandesgericht Bremen (Beschluss vom 21.06.2012 – Az.: 3 U 1/12) können Gebote oder sonstige rechtsverbindliche Erklärungen, die über ein eBay Konto abgegeben werden, nicht eindeutig dem dahinterstehenden Accountinhaber zugerechnet werden.

Nach Ansicht der Richter ist nicht nachgewiesen, dass im vorliegenden Fall tatsächlich ein wirksamer Vertrag zustande gekommen ist. Jedenfalls besteht im Falle eines eBay-Gebots keine Beweiserleichterung durch einen sog. Anscheinsbeweis dafür, dass eine Willenserklärung, die über ein bestimmtes eBay-Mitgliedskonto abgegeben wurde, auch eindeutig von dem jeweiligen Inhaber des eBay-Kontos abgegeben wurde.

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Dies ist darauf zurückzuführen, dass der Sicherheitsstandard im Internet von den Richtern als nicht ausreichend angesehen wird  und damit der Missbrauch eines eBay-Accounts nicht mit hinreichender Sicherheit ausgeschlossen werden kann. Insbesondere durch Verwendung eines geheimen Passworts kann nicht darauf geschlossen werden, dass auch die Person, welcher das Passwort ursprünglich zugeteilt wurde, tatsächlich gehandelt hat. Jedenfalls aber konnte dem eBay-Verkäufer im konkreten Fall die Abgabe des Höchstgebots dem beklagten Account-Inhaber nicht nachgewiesen werden.

Schließlich scheitert eine Haftung des Account-Inhabers auch im Wege der Anscheinsvollmacht, da der Missbrauch durch einen Dritten nach Ansicht der Bremer Richter regelmäßig unerkannt bleibt. Auch eine Duldungsvollmacht muss ausscheiden, weil im konkreten Fall keine Anhaltspunkte für eine stillschweigende Duldung des Missbrauchs durch den Dritten gegeben waren.

Fazit

Nach der Entscheidung des OLG Bremen haften Inhaber eines eBay Kontos nicht, wenn ein Dritter dessen Account rechtsmissbräuchlich verwendet. Trotz Abgabe des Höchstgebots musste der Account-Inhaber also nicht zahlen. 

Auch nach einer Entscheidung des Bundesgerichtshofs von Mai 2011 haften Account-Inhaber für die missbräuchliche Verwendung des eBay-Kontos nur dann, wenn die Nutzung des Accounts mit Vertretungsmacht erfolgt, nachträglich genehmigt wurde oder wenn die Grundsätze der Duldungs- oder Anscheinsvollmacht eingreifen.

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