eBay & Co.: Ein Kommafehler bei Überweisungen kann teuer werden....

(1 Bewertung, 5.00 von 5)

Ein misslicher Fehler bei der Kommasetzung hatte zur Folge, dass eine Käuferin bei eBay 1.000 Euro anstatt 10 Euro überweist. Das Amtsgericht Trier musste sich in diesem Zusammenhang fragen, ob sie die zu viel gezahlten 990 Euro zurückverlangen kann.

Anzeige

Käuferin überweist 1.000 Euro statt 10 Euro

Was war passiert? Eine Nutzerin des Internetauktionshauses „eBay“ kaufte bei einer Privatverkäuferin eine gebrauchte Kinderhose für 9,50 Euro. Aus Nettigkeit wollte sie der Verkäuferin aber 10 Euro überweisen. Dabei passierte ihr beim handschriftlichen Ausfüllen des Überweisungsträgers ein unangenehmer Fehler: Das Komma, welches Sie beim Ausfüllen einfügte (10,00 €) setzte sie zu tief, sodass es sich nicht mehr in der Betragszeile befand. Dies hatte zur Folge, dass die automatische Einlesung bei der Bank das Komma nicht erfassen konnte, sodass 1.000 Euro an die Verkäuferin überwiesen wurde. Die Verkäuferin, welche zugleich Studentin war, freute sich zwar über den Geldsegen, schrieb aber zugleich an die Käuferin eine E-Mail. Wörtlich hieß es in dieser:

"Hallo, die Zahlung ist eingegangen, allerdings haben sie sich vertan. Sie haben mir statt 9,50 Euro, sage und schreibe 1000 Euro überwiesen. Wenn ich das nicht als Trinkgeld verstehen soll, schicken Sie mir doch bitte Ihre Bankverbindungsdaten, damit ich Ihnen das Geld zurücküberweisen kann ;-) Liebe Grüße"

Die Käuferin,  die die E-Mail anscheinend nicht gründlich gelesen hatte und daher vermutlich  davon ausging, dass sich die Verkäuferin für die zu viel gezahlten 50 Cent bedanken wollte, antwortete daraufhin nur: "Nein, das passt schon so ;-)"

Daraufhin schrieb die Verkäuferin in einer letzten E-Mail:

Anzeige

"Hallo nochmal, Ich bin gerade ein wenig sprachlos über soviel Großzügigkeit. Ich meine, ich will mich nicht beklagen, ich bin eine arme Studentin und kann das Geld wirklich gut gebrauchen. Aber darf ich den Grund für ihre Großzügigkeit erfahren? Liebe Grüße"

Erst als die Käuferin einen Kontoauszug holte, bemerkte sie, dass anstatt 10,00 Euro insgesamt 1.000 Euro überwiesen wurden. Sie verlangte nun die Rückzahlung von 990 Euro von der Studentin. Diese weigerte sich jedoch, da sie aufgrund des E-Mail-Verkehrs davon ausging, dass sie die 1.000 Euro behalten dürfe. Der Fall landete dann vor dem Amtsgericht Trier.

Parteien einigen sich auf teilweise Rückzahlung

Das  Amtsgericht Trier (Az. 31 C 422/13) musste den Fall jedoch nicht entscheiden. Die Richterin stellte zwar klar, dass die Käuferin aufgrund der Vorschriften im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) über die sogenannte ungerechtfertigte Bereicherung den zu viel gezahlten Betrag grundsätzlich zurückverlangen kann. Allerdings brachte die Studentin vor, dass sie einen Teil des Geldes bereits in den auf die Überweisung folgenden Tagen für außergewöhnliche Dinge wie z.B. Kleidung, Pflegeprodukte und Essen ausgegeben habe und berief sich somit auf den sogenannten "Entreicherungseinwand", welcher in § 818 Absatz 3 BGB geregelt ist. Danach scheidet eine Rückzahlung von zu viel gezahltem Geld aus, wenn der Empfänger des Geldes nicht mehr bereichert ist.

Die Richterin wies die Parteien in diesem Zusammenhang darauf hin, dass für die Frage, inwieweit die Studentin entreichert ist, eine u.U. umfangreiche Beweisaufnahme erforderlich ist. Aufgrund dessen einigten sich die Käuferin und die Verkäuferin gütlich auf die Rückzahlung von ungefähr 50% des zu viel gezahlten Betrages.

Fazit:

Grundsätzlich können Fehlbeträge zurückverlangt werden. Betroffenen ist zu raten, sich umgehend an den Empfänger des Geldes zu wenden, sobald der Fehler erkannt wird.

Anzeige
Sagen Sie uns Ihre Meinung zum Thema.
Diese Beiträge könnten Sie ebenfalls interessieren:
Weiterlesen...
Achtung eBay Händer: Bei Werbung mit „geprüftes eBay Mitglied“ drohen Abmahnungen Bei der Werbung mit Test- und Gütesiegeln müssen Händler viele Vorgaben beachten. Das LG Essen musste entscheiden, ob Händler mit einem Siegel „geprüftes eBay...
Weiterlesen...
Online-Auktionen: Kein Widerrufsrecht bei Sex-Dienstleistungen Besteht bei der Ersteigerung von Sex-Dienstleistungen im Internet vor Ausführung dieser ein Widerrufsrecht für den Käufer, sollte ihm etwa die Lust vergangen ...
Weiterlesen...
Verkaufen bei eBay: Gewerblich oder privat?  Wer bei eBay & Co verkaufen will muss darauf achten, wie er auftritt: als privater Anbieter oder Unternehmer? Der Privatanbieter braucht dem Käufer ke...
Weiterlesen...
eBay: Wie können sich Händler gegen die unberechtigte Löschung von Angeboten wehren? Die Angebotsgestaltung bei eBay unterliegt verschiedenen Vorgaben. Aufgrund des VeRI-Programms haben es einige eBay-Händler jedoch schwer, insbesondere wenn das...
Weiterlesen...
Internet-Auktionen: Ab wann sind Verkäufer auf eBay umsatzsteuerpflichtig? Erreichen die Verkaufs- und Erlöszahlen eines Händlers auf eBay einen bestimmten Umfang, so besteht ggf. die Pflicht zu Einreichung einer Umsatzsteuererklärung....
 
Anzeige

Der eRecht24 Newsletter

Immer bestens informiert

Bleiben Sie mit unseren kostenlosen Updates zum Internetrecht auf dem neuesten Stand. Infos, Urteile, Checklisten, Sonderangebote.

Prüfen Sie, ob Ihre Widerrufsbelehrung aktuell ist.

Geben Sie die URL Ihrer Widerrufsbelehrung ein.
Beispiel Shop: http://www.shopxyz.de/widerruf.html
Beispiel eBay: http://www.ebay.de/usr/EBAYUSER

loading...
Jetzt Premium-Mitglied werden

Ab Heute gestalten Sie Ihre Website ohne Angst vor Abmahnwellen und ohne teuren Anwalt abmahnsicher.

Alle Videos, Live-Webinare, E-Books, Tools und zahlreiche Rabatte.

Jetzt Mitglied werden

Mehr Informationen zu eRecht24 Premium

Impressum-Generator

Keine Chance für Abmahner

Erstellen Sie kostenlos ein rechtssicheres Impressum für Ihre Website.

Jetzt Kostenlos Impressum generieren

Rechtsberatung vom Anwalt

Haben Sie ein konkretes rechtliches Problem? Dann wenden Sie sich bitte einen Anwalt. Auf unseren Seiten finden Sie zahlreiche allgemeine Informationen zum Internetrecht. Fundierte Rechtsberatung im Einzelfall kann allerdings nur ein spezialisierter Rechtsanwalt leisten.

Inhalte kostenlos übernehmen

Der eRecht24 Newsticker

kostenfreie aktuelle Inhalte zum Internetrecht

Individuell für Ihre Website angepasst!

 

SSL-Zertifikate

Steigern Sie das Vertrauen Ihrer Kunden. Für Betreiber von Onlineshops und kommerziellen Webseiten unabdingbar:

SSL-Verschlüsselung, SSL-Zertifikate und Trust-Logos

Rechnungen online erstellen

Erstellen Sie Ihre Rechnungen gemäß den Anforderungen des Finanzamts doch einfach online!

Mit easybill bequem ordnungsgemäße Rechnungen schreiben inkl. digitaler Signatur und Datenexport zum Steuerberater. Anforderungen an korrekte Rechnungen mit Mustern und Beispielen.

IT-Recht endlich verständlich

Autor Sören SiebertSören Siebert ist Rechtsanwalt mit Kanzleien in Berlin und Potsdam.

Er berät Unternehmer, Shops und Seitenbetreiber in allen Fragen des Rechts der neuen Medien.
www.kanzlei-siebert.de

Als Betreiber von eRecht24 ist er seit mehr als 15 Jahren auch als Internet-Unternehmer tätig. Deshalb finden Sie auf eRecht24 Tipps und Tricks eines spezialisierten Rechtsanwalts, aber verständlich und praxisnah erklärt.        

eRecht24 - Unsere praktischen Tools und hilfreichen Tutorials

mitgliederbereich teaser

Exklusiv für unsere Mitglieder

Alles was Webseitenbetreiber, Agenturen und Selbständige wirklich brauchen: Videos und E-Books, Musterverträge und Erstberatung, Tools und Live-Webinare.

Mehr Informationen

dsgvo teaser

DSGVO Schnellstarter-Paket

Das Datenschutzrecht ändert sich ab Mai 2018 vollständig. Sind Sie bereit für die DSGVO? Mit unserem Schnellstarter-Paket sichern Sie Ihre Webseite ab.

Jetzt absichern

webinar teaser

Online Schulung mit Rechtsanwalt Siebert

Die 7 häufigsten Abmahnfallen auf Webseiten und wie Sie diese schnell, einfach und ohne teuren Anwalt vermeiden. So haben Abmahner bei Ihnen keine Chance!

Mehr Details
Support