Wegen Indizierung: Rockband „Rammstein“ verklagt die Bundesrepublik Deutschland

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Die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften hatte ein Album der deutschen Rockband bereits 2009 wegen „verrohender“ und „sittenwidriger“ Texte und Darstellungen für den Verkauf an Minderjährige gesperrt. Ein halbes Jahr später hob ein Gericht die Entscheidung auf. Erst jetzt fordern „Rammstein“ Schadensersatz in Höhe von 66.000 Euro für den Verlust, der durch die Indizierung entstanden sein soll.

Song und Booklet als jugendgefährdend eingestuft

Till Lindemann und seine Band sind bekannt für einen rauen Sound, jede Menge Pyrotechnik und Texte, die vor keinem Tabu Halt machen. In dem Song „Ich tu Dir weh“, der im Oktober 2009 auf dem Album „Liebe ist für alle da“ erschien, wurde in sehr offenen Worten über sadomasochistische Sexualpraktiken gesungen, in „Pussy“ über Geschlechtsverkehr. Die passenden Abbildungen dazu zeigte das Booklet des Albums.

Die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften stufte das Album aufgrund der beiden Stücke und der beigefügten Bilder als „verrohend“ und „sittenwidrig“ ein, so dass es an Jugendliche unter 18 Jahren nicht mehr verkauft werden durfte. Nach zwei Wochen auf Platz Eins der deutschen Charts rutschte das Album in der Folge auf den zehnten Rang ab.

Verwaltungsgericht Köln: „Gewalt nur als Stilmittel genutzt“

Doch nach einer Klage der Plattenfirma Universal hob das Verwaltungsgericht Köln die Entscheidung ein halbes Jahr später vorläufig auf; im Oktober 2011 entschied es endgültig zugunsten der Band. Die Bundesprüfstelle habe nicht in ausreichendem Maß zwischen Jugendschutz und Kunstfreiheit abgewogen, so das Urteil. Martialische und übertriebene Darstellung von Gewalt sei ein Stilmittel der Musikgruppe, sie würde inszeniert und nicht etwa wirklichkeitsnah dargestellt. Die Songs durften somit auf Konzerten wieder gespielt und das Album frei verkauft werden.

Trotzdem beziffert Rammstein den damals entstandenen Schaden auf rund 66.000 Euro. Nach der Indizierung habe man knapp 85.000 Tonträger vernichten oder einlagern müssen. Statt des Originals war eine zensierte und gekürzte Version produziert und in den Handel gebracht worden. Warum die Band erst jetzt beim Landgericht Bonn Klage einreicht, ist nicht bekannt.

Fazit:

Die Frage, wo künstlerische Freiheit endet, ruft immer wieder die Gerichte auf den Plan. Steht ein Werk auf dem Index für jugendgefährdende Schriften, bringt das auch finanzielle Einbußen mit sich. Die Rockgruppe „Rammstein“ fordert nun vor Gericht eine Entschädigung für Verluste, die durch die zeitweilige Indizierung ihres Albums „Liebe ist für alle da“ entstanden sind. Um 66.000 Euro geht es bei dem Prozess, der im Sommer beginnen soll.

 

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Autor Sören SiebertSören Siebert ist Rechtsanwalt mit Kanzleien in Berlin und Potsdam.

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