Crowdworking: Arbeitsgericht stuft Internet-Jobber als selbstständig ein

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Auch wenn ein Crowdworker einen Großteil seines Lebensunterhalts über eine einzige Internet-Plattform verdient, lassen sich daraus keine Arbeitnehmer-Schutzrechte ableiten. Das Landesarbeitsgericht München begründet diese Entscheidung damit, dass ein Mikro-Jobber nicht zur Arbeit für den Anbieter verpflichtet ist. Wegen der grundsätzlichen Bedeutung der Frage hat das LAG die Revision zum Bundesarbeitsgericht zugelassen.

Viele prekäre Arbeitsverhältnisse

Rund drei Millionen Crowdworker gibt es in Deutschland. Die meisten von ihnen arbeiten im Medien-, IT- und Kommunikationsbereich. Sie testen Webseiten, recherchieren Adressen, erstellen Bildbeschreibungen oder machen kurze Sprachaufnahmen. Ihre Mikro-Jobs finden sie auf einschlägigen Internet-Plattformen oder in speziellen Apps. Und sie entscheiden selbst, ob sie einen Auftrag zu einem festgelegten Preis ausführen wollen. Das klingt nach jeder Menge Freiheit. Aber: Ein einzelner Job bringt oft nur ein paar Euro ein. Und die Konkurrenz ist groß. Wer als Erster zuschlägt, bekommt den Auftrag. Lehnt man dagegen häufig ab, lässt die Zahl der Angebote schnell nach.

Basisvereinbarung als Arbeitsvertrag?

Mit Unterstützung der Gewerkschaft IG Metall klagte nun ein 52-jähriger Mann gegen eine Crowdworking-Plattform. Über ihre App hatte er in der Vergangenheit regelmäßig Mikro-Jobs angenommen. Unter anderem ging es darum, die Präsentation bestimmter Markenprodukte in Geschäften oder Tankstellen per Foto zu dokumentieren. Dabei galten bestimmte Vorgaben. Unter anderem musste jeder Auftrag innerhalb von zwei Stunden nach Annahme abgearbeitet sein. Mit durchschnittlich 20 Wochenstunden Arbeit kam der Kläger dank der App auf rund 1800,- Euro im Monat. Bis es Unstimmigkeiten gab, und die Plattform die Zusammenarbeit aufkündigen wollte.

Keine Verpflichtung zum Arbeiten

Gewerkschaft und Kläger waren der Meinung, dass zwischen den beiden Parteien ein unbefristetes Arbeitsverhältnis bestanden habe. Die Internetfirma hingegen sah den Crowdworker als Selbstständigen an. Zu diesem Ergebnis kam auch das Landesarbeitsgericht in zweiter Instanz (Az.: 8 Sa 146/19). Die Basisvereinbarung sei kein Arbeitsvertrag, so die Richter. Denn sie enthalte keine Verpflichtung zur Leistung von „weisungsgebundener, fremdbestimmter Arbeit in persönlicher Abhängigkeit“. Zwar habe der Mann einen großen Teil seines Lebensunterhalts bei der Beklagten verdient und sich unter Druck gefühlt, Aufträge anzunehmen. Schutzrechte für Arbeitnehmer ließen sich daraus aber nicht ableiten.

Fazit

Ob Crowdworker als Angestellte oder Selbstständige anzusehen sind, wird von Arbeitsrechtlern unterschiedlich gesehen. Wegen der grundsätzlichen Bedeutung dieser Frage hat das LAG die Revision zum Bundesarbeitsgericht zugelassen. Noch ist offen, ob Gewerkschaft und Kläger von dieser Möglichkeit Gebrauch machen werden.

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