Online-Banking: Kein Schadensersatz bei Herausgabe von PIN und TAN

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Insgesamt dreimal konnte sich ein geschickter Online-Betrüger Geld von einem fremden Bankkonto überweisen. Als der Geschädigte die Abbuchungen bemerkte, forderte er die 21.000 Euro von seinem Geldinstitut zurück. Vergeblich. Denn wie sich herausstellte, hatte der Kernphysiker in Rente dem Dieb vorher selbst Zugriff auf sein Konto erteilt.

 

Aus Angst vor Betrug dem Betrüger aufgesessen

Als persönlicher Kundenberater der Sparkasse hatte der freundliche Herr am Telefon sich vorgestellt. Seine Aussagen klangen offenbar glaubhaft, zumal er Konto-Nummer, Adresse und Geburtsdatum des Angerufenen kannte. Das Konto des Kunden sei möglicherweise gefährdet, denn eine einschlägige ausländische Firma habe versucht, Geld abzubuchen, sagte der Mann. Im Zuge einer besonderen Absicherung der Bankverbindung wolle er einen neuen Zugang einrichten. Die Credentials teilte der Betrüger gleich mit. Nun fehle nur noch die Eröffnungs-TAN, die der Mann nach Erhalt an den angeblichen Bankberater weitergeben sollte.

Alle Anweisungen des falschen Bankers befolgt

Wenige Tage später meldete sich der selbst ernannte Kundenbetreuer erneut. Er benötige eine weitere TAN, um die Geldkarten für das Konto abzusichern. Diese TAN sendete die Bank mit einem gedruckten Warnhinweis: Der Kunde sei gerade im Begriff, einer neuen Mobilfunknummer Zugriff auf sein Konto zu erteilen. Dennoch gab der ehemalige Physiker die Nummer weiter. Nun besaß der Online-Betrüger nicht nur die Zugangsdaten für das Online-Banking, sondern konnte auch TAN-Nummern auf sein Smartphone erhalten. Noch immer kamen dem Konto-Besitzer keine Zweifel. Und das, obwohl er jetzt bei seinen Buchungen angeben musste, auf welches Handy die Transaktionsnummer gesendet werden sollte.

Kunde: Die Sparkasse trägt die Verantwortung

Zwei Wochen nach dem letzten Telefonat mit seinem angeblichen Berater wurden innerhalb von drei Tagen insgesamt 21.800 Euro vom Konto des Mannes abgebucht. Das Geld forderte er umgehend von seiner Bank zurück. Schließlich biete sie offenbar keinen Schutz vor typischen Phishing-Angriffen. Auch sei nicht nachvollziehbar, wieso nicht jedes Konto mit einem Überweisungslimit ausgestattet sei.

LG sieht grobe Fahrlässigkeit

Das Landgericht Köln (Az. 21 O 116/19) hingegen machte deutlich, dass der Betrug nicht auf Phishing zurückzuführen sei. Schuld trage ganz allein der Kunde, der die Abbuchungen erst ermöglicht habe: indem er TANs weitergab und den Warnhinweis des Geldinstituts ignorierte. Nicht einmal die Tatsache, dass ein unbekannter Nutzer sein Konto für Überweisungen nutzen konnte, machte ihn misstrauisch. Damit, so das Gericht, habe der Mann seine vertragliche Sorgfaltspflicht verletzt und grob fahrlässig gehandelt.

Fazit

Die Richter gaben zu, dass es sich bei dem Betrüger zweifellos um einen psychologisch geschulten Täter handele, der äußerst perfide vorging. Trotzdem habe es eine Vielzahl von Auffälligkeiten gegeben, die das Opfer hätte misstrauisch machen müssen. Dies gelte besonders für einen Mann, der bis zum Renteneintritt als Kernphysiker gearbeitet habe und offensichtlich überdurchschnittlich intelligent sei.

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