Optisch zu alt: Klage wegen Ausschluss von Party-Event geht zum BGH

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Ein Mann Mitte vierzig will mit zwei Freunden eine Veranstaltung besuchen. Doch die Türsteher weisen das Trio ab. „Zu alt“, heißt es als Begründung. Das will der unwillkommene Gast nicht auf sich sitzen lassen. Er klagt auf Entschädigung – und wird erneut abgewiesen. Rund drei Jahre später wird sich nun der Bundesgerichtshof mit dem Fall auseinandersetzen müssen.

Diskriminierung aufgrund des Aussehens?

Drei Dance-Floors, 30 DJs und 15 Stunden Techno-Musik. Das „Isarrauschen“ auf der Münchner Praterinsel im August 2017 versprach Besuchern jede Menge Attraktionen. Doch ein 44-Jähriger und seine beiden Begleiter scheiterten schon am Türsteher. Auf Nachfrage erfuhr der Mann, er sei schlicht zu alt für das Samstag-Abend-Event. Wegen Verstoßes gegen das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz AGG verklagte er daraufhin den Veranstalter auf 1.000,- Euro Entschädigung. Vor Gericht (Az. 122 C 5020/18) wiederholte das Party-Unternehmen seine Einschätzung.

Türsteher verweigern Einlass

Wegen der großen Nachfrage hätte das Personal „nicht passende Gäste“ abweisen müssen, erläuterten die Beklagten. Dazu zähle man zunächst einmal alkoholisierte oder anderweitig berauschte Personen. Außerdem erwarten die Besucher ein Publikum, das „angemessen gekleidet“ sei und „vom Alter her optisch in die Zielgruppe“ passe. Die läge zwischen 18 und 28 Jahren. Das bedeute nicht, dass grundsätzlich niemand über 35 Zutritt habe, so die Veranstalter. Der Kläger und seine Freunde allerdings hätten wegen ihres „optischen Alters“ einfach nicht zu den übrigen Gästen gepasst.

Persönliche Kränkung

Der Kläger gab vor Gericht an, dass er die Ablehnung als besonders kränkend empfunden habe. Er selbst war der Meinung, er sähe „nicht so alt“ aus. Auch seine deutlich jüngere Partnerin sei dafür ein Beleg. Denn die wäre sicher nicht mit ihm zusammen, wenn er „wie ihr Vater“ aussähe. Doch das Amtsgericht München gab den Organisatoren des „Isarrauschen“ recht. Bei einer derartigen Veranstaltung sei eine Unterscheidung nach dem optischen Anlass üblich und vernünftig. Denn ob ein solcher Abend ein Erfolg werde, hänge entscheidend von der Interaktion unter den Gästen ab.

Fazit

Die erfahrene Benachteiligung sei durchaus hinnehmbar, urteilte das Gericht. In München gebe es schließlich zahlreiche ähnliche Ereignisse, die sich nicht ausschließlich an ein jüngeres Publikum richteten. Auch der beklagte Veranstalter habe solche Events im Programm. Doch der Kläger sieht das anders. Nachdem das Landgericht seine Berufung zurückgewiesen hat, zieht er nun vor den Bundesgerichtshof.

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