Online-Betrug: Europäisches Netzwerk prellt Internethändler um 10 Mio. Euro

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Eine bestens durchorganisierte kriminelle Organisation hat in großem Stil bei Verkäufern von Elektroartikeln mit gestohlenen Kreditkartendaten eingekauft. Mehr als 1000 Täter müssen sich nun wegen Geldwäsche und Betrug verantworten. Die meisten handelten in gutem Glauben: Laut ihren Arbeitsverträgen kamen sie einer Tätigkeit als „Verzollungsassistent“ nach.

Mittätern wird ehrliche Arbeit vorgegaukelt

Auf Portalen für Arbeitssuchende fanden die Köpfe der Betrügerbande ihre späteren Warenagenten: Rentner, Studenten oder Schüler, die ein paar Euro nebenbei verdienen wollten. War der Vertrag erst unterschrieben, wurden mit den persönlichen Daten der ahnungslosen Bewerber falsche Accounts bei Online-Händlern eingerichtet. Bestellungen zahlten die Hintermänner mit Kreditkartennummern, die sie sich an anderer Stelle über Phishing-Mails erschlichen hatten.

Aufgabe der sogenannten „Verzollungsassistenten“ war es, Pakete anzunehmen und mit neuem Etikett an die Drahtzieher im Ausland weiterzuleiten. Dazu hatte das Netzwerk eigens eine Webseite eingerichtet, über die vorfrankierte Versandmarken ausgedruckt werden konnten. Die ahnungslosen Nebenjobber aus Deutschland, der Schweiz und den Niederlanden erhielten dafür einen Stundenlohn von rund 20,- Euro.

Wenn Opfer zu Tätern werden

Der größte Schritt in den Ermittlungen gegen das europaweit agierende Netzwerk gelang der Taskforce Cybercrime durch den Zugang zum Server der Betrüger. Hier liefen Informationen über Täter und Warenströme zusammen.

Wie sich herausstellte, waren die 1068 Mittelsmänner in diesem Szenario gleichzeitig Opfer und Täter: Nach § 261 des Strafgesetzbuches wird das Weiterleiten von Waren, die widerrechtlich erworben wurden, als Geldwäsche eingestuft.
Wegen mehr als 18.000 Einzelfällen wird nun strafrechtlich gegen die Warenagenten ermittelt. Und nicht nur das: Auch zivilrechtliche Konsequenzen drohen den „Verzollungsassistenten“. Denn für die betrogenen Elektronik-Händler sind sie es, die Waren bestellt und – dank gestohlener Kreditkartendaten – nie wirklich bezahlt haben. Die Ermittlungen gegen die Hintermänner des Netzwerks sind noch nicht abgeschlossen.

Fazit:

Auf die Spur gekommen ist dem Betrügerring die Taskforce Cybercrime bei der Polizei Göttingen. Vor einem Jahr eingerichtet, kümmert sich die 16 Mann starke Einheit um Straftaten, die im Internet oder mittels Informationstechnik begangen werden. Ähnliche Sonderermittler kommen deutschlandweit immer häufiger zum Einsatz.

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