Urteil: Ist das Versenden von fremden Nackt Selfies strafbar?

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Der Beschuldigte fand auf dem Laptop einer Bekannten intime Selbstportraits einer Fremden und sendete sich diese per E-Mail zu. Ob er sich damit strafbar gemacht hat musste aktuell das Amtsgericht Berlin Tiergarten entscheiden.

Selfies können niemals "unbefugt" erstellt werden

In einem Fall vor dem Amtsgericht Berlin Tiergarten ging es um den Versand von fremden, intimen Selbst-Portraits, umgangssprachlich auch Selfies genannt, über E-Mail. Der Beschuldigte hatte auf einem Laptop der Zeugin N. intime Bilder der geschädigten J. gefunden. Er war berechtigt, den Laptop mitzubenutzen. Nach dem Fund der Bilder sendete er sich diese Bilder selbst per E-Mail zu.

Allgemein gilt: Wer nach Paragraf 201a des Strafgesetzbuch den höchstpersönlichen Lebensbereich durch Bildaufnahmen verletzt, macht sich Strafbar. Hierbei gilt, dass die Bilder weder unbefugt, noch innerhalb einer Wohnung oder geschützten Räumen hergestellt oder übertragen werden dürfen. Es drohen bis zu einem Jahr Freiheitsstrafe oder eine Geldstrafe. In diesem Fall hat das Gericht jedoch festgehalten, das Selfies niemals unbefugt erstellt werden können, und somit kein Verstoß gegen § 201a StGB vorliegt. Zwar wurden die Fotos innerhalb einer Wohnung gemacht, jedoch eindeutig nicht durch den Beschuldigten.

Nur Live-Aufnahmen verstoßen gegen §201a StGB

Selbst mit der Übertragung der Bilder über E-Mail hat sich der Beschuldigte nicht strafbar im Sinne des § 201a gemacht, da als Übertragung nur Live-Aufnahmen strafbar sind. "Bei den Bildern handelte es sich aber gerade nicht um Live-Aufnahmen. Sie waren bereits fixiert und hergestellt", argumentiert das Gericht. Der Beschuldigte fand die Bilder bereits gespeichert auf dem Computer der Zeugin N. und hat somit keine unberechtigten Aufnahmen erstellt, noch live übertragen. Eine Beschwerde dagegen, dass die Anklage nicht zugelassen wurde, hat die Staatsanwaltschaft nicht eingelegt.

Fazit:

Wer intime Selbstportraits von sich anfertigt, sollte sich vorher im Klaren sein, dass auch Fremde diese Bilder möglicherweise entdecken könnten. Vor allem wenn die Bilder anderen überlassen werden, verliert man die Kontrolle darüber, was mit den Aufnahmen passiert. Eine Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs hebelt man durch die Selbstaufnahmen aus. Sollten jedoch die Aufnahmen unerlaubt veröffentlicht oder verbreitet werden, sollte man einen Anwalt kontaktieren und die Sachlage prüfen lassen.

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