Filesharing: Können sich Abgemahnte 13jährige mit dem Jugendschutz rausreden?

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Abgemahnte haben es teils schwer, sich aus Filesharing-Vorwürfen rauszureden. Vor dem Landgericht Bielefeld fühlte sich jetzt ein minderjähriger Junge besonders clever, der ein indiziertes Computerspiel für Erwachsene in einer Tauschbörse teilte.


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Minderjähriger Junge lädt Computerspiel „Dead Island“ herunter

Eine Produzentin von Computerspielen mahnte eine Anschlussinhaberin wegen des unerlaubten Teilens des Spiels „Dead Island“ in einer Tauschbörse ab. Das Spiel richtet sich an Erwachsene und wird in der Liste jugendgefährdender Medien geführt. Die Abgemahnte wies die Schuld von sich. Sie verteidigte sich damit, dass ihr damals 13-jähriger Sohn für den Urheberrechtsverstoß verantwortlich war.

Die Rechtinhaberin mahnte dann den Sohn ab. Auch er verteidigte sich. Und jetzt wird es kurios: Der Junge wies darauf hin, dass das Spiel jugendgefährdend sei. Die klagende Produzentin (!) hätte deswegen dafür Sorge tragen müssen, dass das Spiel Minderjährigen wie ihm nicht zugänglich sei. Das Landgericht Bielefeld musste sich nun fragen, ob sich der Junge damit rausreden konnte.

Gericht: Jugendschutz ist keine plausible Ausrede  

Das Landgericht Bielefeld (Urteil vom 30. Juni 2016, Az. 4 O 363/15) ließ die Ausrede nicht gelten. Es spielte keine Rolle, dass das Spiel jugendgefährdend war. Die Produzentin war nicht verpflichtet, Maßnahmen zu ergreifen, damit der Minderjährige nicht illegal an das Spiel gelangte. Es reichte für die Haftung des Jungen grob gesagt aus, dass er wusste, was er tut.

Das Gericht ging davon aus, dass 13-Jährige wissen, dass illegale Kopien von z.B. Spielen im Internet kursieren. Ihnen ist auch bewusst, dass sie diese Kopien nicht herunterladen dürfen. Der Junge musste nun Schadensersatz zahlen und die Abmahnkosten erstatten.

Praxis-Tipp:

1. Eltern oder Abgemahnte Kinder können den Jugendschutz nicht vorschieben. Der Abgemahnte kann aber plausible Gründe vortragen, die einen anderen Internetnutzer als Täter in Betracht kommt. 

2. Dabei sollten Eltern aber darauf achten, ihre Kinder nicht leichtfertig ans Messer zu liefern.

3. Wenn Minderjährige die nötige Verstandesreife haben, haften sie ggf. selbst für Filesharing.


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