Lehrer zahlt 10.000 Euro Schadenersatz an Musikindustrie

(0 Bewertungen, 0 von 5)

Die rechtlichen Streitigkeiten der deutschen Musikindustrie mit Nutzern von Online-Tauschbörsen gehen in eine weitere Runde. Ein 57jähriger Realschullehrer hat sich in einem Vergleich mit der Musikindustrie verpflichtet, 10.000 Euro Schadenersatz zu zahlen. Bei dem Lehrer waren bei einer Hausdurchsuchung ca. 2.000 Musiktitel gefunden wurden, die dieser in Online-Tauschbörsen angeboten hatte. Der Lehrer besaß jedoch nur 20 Original-CDs. Deshalb, so die Vertreter der Musikindustrie, müsse die überwiegende Anzahl der gefundenen Lieder aus illegalen Quellen stammen.


Anzeige

Gerade diese Argumentation verwundert jedoch, da zwischenzeitlich zahlreiche legale Download-Angebote im Internet verfügbar sind. Auch ein Strafverfahren gegen den Lehrer ist anhängig, die Ermittlungen sollen sich kurz vor dem Abschluss befinden. Dies wäre dann der 2. Fall, in dem sich ein Onlinetauschbörsen-Nutzer vor einem deutschen Strafgericht verantworten muss.

Der Bundesverband der Phonographischen Wirtschaft feiert dies auf seiner Website als weiteren großen Erfolg im Kampf gegen die illegale Musikpiraterie. Unabhängig von den rechtlichen Hintergründe verwundert jedoch die teilweise gehässige Sprachwahl der Berichterstattung durch die Musikindustrie.

Da ist die Rede davon, dass der 57jährige Realschullehrer in seinem Beruf „offenbar nicht völlig ausgelastet“ sei. Dass dieser die Tauschbörsen in seiner Freizeit genutzt haben kann, scheint nicht den Verfassern des Beitrages nicht in den Sinn gekommen zu sein. Auch die Berufsbezeichnung Pädagoge ist in dem Beitrag in Anführungsstriche gesetzt. Der Lehrer wird, noch bevor das Strafverfahren überhaupt begonnen hat, als Rechtsbrecher dargestellt. Zu guter letzt konnten sich die Vertreter der Plattenindustrie die Bemerkung nicht verkneifen, dass dem „Pädagogen“ wohl nun auch noch ein Disziplinarverfahren drohen wird, da er sich durch den Bruch des Urheberrechtes nach seiner Treuepflicht fragen zu lassen habe. Als wenn dies nicht Sache des jeweiligen Dienstherren wäre.

Bereits die Kinowerbespots der Musikindustrie waren auf heftige Kritik gestoßen. In einem dieser Spots wurden jugendliche Tauschbörsen-Nutzer mit Schwerverbrechern gleichgesetzt, die im Gefängnis mit ihrer Vergewaltigung rechnen müssten. In einem anderen Spot sucht ein verstörtes Kind seinen Vater. Die Mutter sitzt in der Küche und weint, das Kind fragt „Wo ist Papi?“ Es erscheint ein Schriftzug, der darauf hin weißt, dass Raubkopieren nun mit Gefängnisstrafe bedroht ist.

Dass jeder Jurist in diesem Zusammenhang darauf verweist, dass der Durchschnittsnutzer von Tauschbörsen wohl kaum jemals mit Gefängnisstrafen rechnen muss, scheint nicht weiter zu stören. Dies zeigt auch die erste Verurteilung eines Tauschbörsen-Nutzers zu 80 Tagessätzen a 5 Euro (www.e-recht24.de/news/mp3/234.html). Spiegel-Online spricht in diesem Zusammenhang davon, dass hier die alte Strafmaßnahme des Pranger hervorgeholt wird, um die Nutzer von P2P-Börsen auf möglichst öffentlichkeitswirksame Weise zu kriminalisieren.

Rechtsanwalt Sören Siebert
www.Kanzlei-Siebert.de

Quellen:
www.ifpi.de
www.heise.de
www.spiegel-online.de

 


Anzeige

Vorsicht bei selbst modifizierten Unterlassungserklärungen!

Liegt eine Abmahnung im Briefkasten, ist der erste Schock groß. Viele Abgemahnte suchen dann schnelle Hilfe im Internet. Manche Vorschläge und Tipps aus Internetforen können für die Abgemahnten aber teuer werden.

Rechtsanwalt Sören Siebert erklärt, was Sie zur modifizierten Unterlassungserklärung wissen müssen und wie Sie Fehler vermeiden.

Sagen Sie uns Ihre Meinung zum Thema.
Captcha Aktualisieren
Diese Beiträge könnten Sie ebenfalls interessieren:
Weiterlesen...
Amazon MP3-Shop - Musik ohne Kopierschutz Das US-Online-Versandhaus Amazon.com hat aktuell angekündigt, einen eigenen Shop zum Vertrieb von Online-Musik anzubieten. Noch im Laufe des Jahres sollen Kunde...
Weiterlesen...
Kino.to: Machen sich auch die Nutzer von Internet-Streams strafbar? Nachdem Anfang Juni 2011 mehrere Betreiber der Internetseite kino.to festgenommen wurden, hatte kurz vor Weihnachten das AG Leipzig über die Strafbarkeit der Be...
Weiterlesen...
USA: Nutzung von P2P-Tauschbörse KaZaa kostet 220.000 Dollar Die 30-jährige Jammie Thomas wurde von zwölf Geschworenen eines US-Gerichts in Minnesota wegen der Nutzung einer Tauschbörse durch das Einstellen von 24 Songs f...
Weiterlesen...
Filesharing Abmahnung von Baek Law Rechtsanwälte Das Geschäft mit Abmahnungen wegen Urheberrechtsverletzungen in Internettauschbörsen ist lukrativ und boomt. Auch die Kanzlei Baek Law Rechtsanwälte versendet s...
Weiterlesen...
Filesharing: Sind die IP-Ermittlungen wirklich zuverlässig? Abmahner stützen ihre Abmahnungen in den allermeisten Fällen auf automatisierte IP-Ermittlungen. Die eingesetzten Programme erkennen die Uploads im Internet in ...
Anzeige
loading...
Jetzt Premium-Mitglied werden

Ab Heute gestalten Sie Ihre Website ohne Angst vor Abmahnwellen und ohne teuren Anwalt abmahnsicher.

Alle Videos, Live-Webinare, E-Books, Tools und zahlreiche Rabatte.

Jetzt Mitglied werden

Mehr Informationen zu eRecht24 Premium

Impressum-Generator

Keine Chance für Abmahner

Erstellen Sie kostenlos ein rechtssicheres Impressum für Ihre Website.

Jetzt Kostenlos Impressum generieren

Rechtsberatung vom Anwalt

Haben Sie ein konkretes rechtliches Problem? Dann wenden Sie sich bitte einen Anwalt. Auf unseren Seiten finden Sie zahlreiche allgemeine Informationen zum Internetrecht. Fundierte Rechtsberatung im Einzelfall kann allerdings nur ein spezialisierter Rechtsanwalt leisten.

Inhalte kostenlos übernehmen

Der eRecht24 Newsticker

kostenfreie aktuelle Inhalte zum Internetrecht

Individuell für Ihre Website angepasst!

 

SSL-Zertifikate

Steigern Sie das Vertrauen Ihrer Kunden. Für Betreiber von Onlineshops und kommerziellen Webseiten unabdingbar:

SSL-Verschlüsselung, SSL-Zertifikate und Trust-Logos

Rechnungen online erstellen

Erstellen Sie Ihre Rechnungen gemäß den Anforderungen des Finanzamts doch einfach online!

Mit easybill bequem ordnungsgemäße Rechnungen schreiben inkl. digitaler Signatur und Datenexport zum Steuerberater. Anforderungen an korrekte Rechnungen mit Mustern und Beispielen.

IT-Recht endlich verständlich

Autor Sören SiebertSören Siebert ist Rechtsanwalt mit Kanzleien in Berlin und Potsdam.

Er berät Unternehmer, Shops und Seitenbetreiber in allen Fragen des Rechts der neuen Medien.
www.kanzlei-siebert.de

Als Betreiber von eRecht24 ist er seit mehr als 15 Jahren auch als Internet-Unternehmer tätig. Deshalb finden Sie auf eRecht24 Tipps und Tricks eines spezialisierten Rechtsanwalts, aber verständlich und praxisnah erklärt.

SSL-Zertifikate, Code-Signing, S/MIMEOrdnungsgemäße Rechnungen einfach online erstellen!Suchmaschienoptimierung & OnlinemarketingDatenschutzRechtliche OnlineShop-PrüfungFairness im Handel
Anzeige
eRecht24 - Unsere praktischen Tools und hilfreichen Tutorials

mitgliederbereich teaser

Exklusiv für unsere Mitglieder

Alles was Webseitenbetreiber, Agenturen und Selbständige wirklich brauchen: Videos und E-Books, Musterverträge und Erstberatung, Tools und Live-Webinare.

Mehr Informationen

dsgvo teaser

DSGVO Schnellstarter-Paket

Das Datenschutzrecht ändert sich ab Mai 2018 vollständig. Sind Sie bereit für die DSGVO? Mit unserem Schnellstarter-Paket sichern Sie Ihre Webseite ab.

Jetzt absichern

webinar teaser

Online Schulung mit Rechtsanwalt Siebert

Die 7 häufigsten Abmahnfallen auf Webseiten und wie Sie diese schnell, einfach und ohne teuren Anwalt vermeiden. So haben Abmahner bei Ihnen keine Chance!

Mehr Details
Support