Telemedizin: Streit um Krankschreibung per WhatsApp

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Wer eine Erkältung zu Hause auskurieren möchte, braucht seit einigen Wochen nicht mehr zum Arzt zu gehen. Das Hamburger Unternehmen AU-Schein bietet das Erstellen einer Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung über Messenger an. Die Online-Diagnose ist allerdings nicht unumstritten: Ärztekammern warnen vor rechtlichen Unsicherheiten und mangelndem Datenschutz

Attest ohne persönliche Vorstellung

Verstopfte Nase, schmerzender Hals, Husten. Dass es sich bei diesen Symptomen um eine Erkältung handelt, erkennen die meisten Erkrankten selbst. Trotzdem fordern viele Arbeitgeber schon am ersten Fehltag die Bescheinigung eines Mediziners. Statt sich in überfüllte Wartezimmer zu schleppen, können Patienten ihre Beschwerden nun den Fachleuten eines Telemedizin-Start-ups schildern. Für geübte Social-Media-Nutzer ist das Vorgehen denkbar einfach.

Zunächst müssen die Symptome im Online-Formular angekreuzt werden. Deutet alles auf eine unkomplizierte Erkältung hin, dann erfolgt die weitere Kommunikation über WhatsApp. Dazu müssen die Erkrankten allerdings ein Foto der Versichertenkarte und weitere sensible Daten über den Messenger versenden. Im Gegenzug schickt der Arzt dann den gelben Schein als Foto über WhatsApp. Als Sicherheit für kritische Arbeitgeber kommt das Original außerdem zusätzlich mit der Post.

Kosten für Online-Diagnose: 9,- Euro

Das privatrechtliche Unternehmen ist von der medizinischen und juristischen Sicherheit seines Angebots überzeugt. Schließlich erfülle man alle Vorgaben der DSGVO. Telemedizin sei außerdem seit 2018 „im Einzelfall erlaubt“, das gelte auch für Krankschreibungen. Mithilfe der Checkliste könnten Erkältungen leicht diagnostiziert werden. Wer andere Symptome wie beispielsweise hohes Fieber ankreuze, sei von dem Dienst ausgeschlossen. Und ein Missbrauch durch notorische Blaumacher? Der sei unmöglich, weil ein Patient pro Jahr höchstens zwei Atteste erhalte, so das Unternehmen.

Ärztevertreter warnen vor mangelhaftem Datenschutz

Dass Informationen zum Gesundheitszustand ausgerechnet über die Facebook-Tochter WhatsApp übermittelt werden, halten Medizinerkreise aber auch für gefährlich. Der Geschäftsführer der Ärztekammer Schleswig-Holstein beispielsweise wünscht sich zwar einen Ausbau der Telemedizin. Voraussetzung seien allerdings ausreichende Sicherheitsmaßnahmen. Auch die rechtliche Grundlage Krankschreibung per Messenger hält er für fragwürdig. Wie die Arbeitgeber reagieren, ist außerdem noch nicht absehbar. Sollte sich ein Personalchef weigern, ein solches „WhatsApp-Attest“ anzuerkennen, müsse wohl ein Arbeitsgericht entscheiden, heißt es bei der Ärztekammer Hamburg.

Fazit

Bisher hat lediglich ein Dutzend Patienten von dem kostenpflichtigen Krankschreibungsdienst Gebrauch gemacht. Ob das am geringen Bekanntheitsgrad oder an Bedenken der Patienten liegt, muss sich zeigen. Sollte das WhatsApp-Attest auf größeres Interesse stoßen, wird es sicherlich auch noch die Gerichte beschäftigen.

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