Operation Onymous: 414 illegale Webseiten des Tor-Netzwerks wurden weltweit durch Behörden abgeschaltet

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In einer globalen Aktion Namens "Operation Onymous" wurden hunderte Webseiten mit illegalen Angeboten gesperrt. Allesamt sollten eigentlich durch das Tor-Projekt als anonym und unauffindbar gelten. Nun wird die Sicherheit des Tor-Netzwerks in Frage gestellt.

Operation Onymous

Eigentlich sollte das Tor-Netzwerk Anonymität und Sicherheit versprechen. Webseiten und Benutzer dieses Netzwerks werden über verschiedene andere Server als auch Clients geleitet und können nicht zurückverfolgt werden, da nicht feststellbar ist, wer sich wirklich hinter einem Server oder Nutzer verbirgt. Nun scheint diese Sicherheit jedoch gekippt worden zu sein. Weltweit wurden durch die Behörden der jeweiligen Länder 414 Webseiten mit illegalen Angeboten vom Netz genommen.

Es handelte sich hierbei um sogenannte .onion-Domains die auch "hidden services" genannt werden. Unter "hidden services" versteht man Webseiten, die ausschließlich über das Tor-Netzwerk erreichbar sind. Durch Tor werden die IP-Adressen der Server und deren Besucher verschleiert. Jedoch haben die Behörden es trotz allem geschafft, dieses Netzwerk zu infiltrieren und die betreffenden Webseiten und Betreiber hochzunehmen.

Alles was man für Geld bekommen konnte

Ursprünglich war das primäre Ziel die Webseite "Silk Road 2.0" sowie dessen Betreiber. Weitere betroffene Seiten waren Silk Road, Cloud 9 und Hydra. Bei den genannten Webseiten handelte es sich unter anderem um Drogenhandel und Tauschbörsen für Software. Bei weiteren Seiten und Foren sind aber auch Plattformen mit hoher krimineller Energie dabei – Geldwäsche, Waffenhandel und sogar Auftragsmorde sind nur Beispiele für das, was man dort bekommen konnte.

Im Zuge dieser Operation wurden in 17 Ländern die Wohnungen von mutmaßlichen Betreibern der Seiten durchsucht. Hierbei wurden die Behörden auch fündig: Große Mengen Drogen, Gold, Silber, Waffen und Computer wurden beschlagnahmt. Bei den Durchsuchungen wurde laut einer Pressemitteilung von Europol auch Bargeld in Höhe von 180.000 Euro sowie über eine Million Bitcoins festgestellt. Auch in Deutschland wurden vier Webseiten abgeschaltet. Hierbei handelte es sich um Online-Shops für Drogen. Die fünf dazugehörigen Server wurden sichergestellt und zwölf Einzelverfahren gegen die Betreiber wurden eingeleitet. "Es gibt keine absolute Anonymität im Internet" sagte die LKA-Präsidentin Thurau.

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Ratlosigkeit bei Fachleuten und Entwicklern

Zurzeit kann jedoch nicht gesagt werden, wie die Behörden diese Operation so erfolgreich durchführen konnten. Aufgrund der Technik hinter dem Tor-Netzwerk ist es extrem schwer, die echte IP-Adresse heraus zu finden. In der Vergangenheit gab es Techniken mittels infiltrierten Servern, um die IP zu ermitteln, jedoch ist selbst hier die Erfolgsquote nicht sehr hoch gewesen. Fachleute und die Entwickler des Tor-Projekts Rätzeln gleichermaßen, wie die Serverstandorte von so vielen Seite auf einmal lokalisiert werden konnte. "Wir wissen es nicht" heißt es seitens der Tor-Entwickler auf deren Blog.

Es wird vermutet, dass viele Webseiten aufgrund eigener Fehler aufgedeckt werden konnten. Viele Seiten und Shops sind schlecht programmiert worden und haben viele Sicherheitslücken heißt es von Entwicklerseite. Auch seien manche Betreiber fahrlässig mit ihren Daten umgegangen. Bekannt ist auch, dass, wie im Fall von "Silk Road 2", verdeckte Ermittler eingeschleust wurden um an Informationen zu gelangen. Dennoch kann dadurch nicht die hohe Zahl betroffener Webseiten erklärt werden. Vielmehr glauben die Entwickler an einer verdeckten Sicherheitslücke, die von den Behörden ausgenutzt wurde. Bis genau geklärt ist, wie die genaue Vorgehensweise der Ermittler war, tappen sowohl die Nutzer als auch die Entwickler von Tor im Dunkeln und müssen davon ausgehen, dass das Tor-Netzwerk nicht mehr so anonym und sicher ist, wie gedacht.

Fazit:

Die Welle an Hausdurchsuchungen und Ermittlungen gegen illegale Webseiten reißt nicht ab. Erst kürzlich wurden kinox.to und die Betreiber von boerse.bz sowie viele Uploader festgenommen oder haben eine Hausdurchsuchung hinter sich. Nun dringen die Entwickler tiefer vor und heben das sogenannte "Darknet" aus, das Internet im Internet. Das Tor-Netzwerk ist aber seit einigen Jahren das Ziel von Behörden aus aller Welt, da sich hier jeder anonym aufhalten und Handel betreiben kann.

Bisher gab es zwar Ansätze, um das Tor-Netzwerk zu knacken, jedoch ohne nennenswerte Erfolge. Je nachdem wie die Behörden es geschafft haben, die Mechanismen auszuhebeln, könnte dies das Aus für das Tor-Netzwerk bedeuten. Vermutlich werden sich die Ermittler über ihre Vorgehensweise bedeckt halten, damit diese Lücke – falls es eine gibt – lange Bestand hat und weitere illegale Webseiten auch aus diesem Teil des Internets verschwinden werden.

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