Urheberrecht: YouTube erkennt Copyright auf Weißes Rauschen

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Ein kurioser Fall hat wieder einmal die Funktionsweise von YouTubes Content-ID-System zur Erkennung von geschütztem Material in Frage gestellt. Es geht um zehn Stunden Weißes Rauschen, hochgeladen von einem Soundkünstler. Der soll nun zahlen, weil seine Aufnahme angeblich das Urheberrecht von anderen Anbietern verletzt.

Wer hat’s erfunden?

Würde sich irgendjemand freiwillig zehn Stunden weißes Rauschen am Stück anhören? Sebastian Tomczak, Dozent für elektronische Musik an der Universität Adelaide, hat sich darüber bisher keine Gedanken gemacht. Er experimentiert gerne mit Sounds. In seinem YouTube-Kanal „littlescale“ [https://www.youtube.com/user/littlescale] finden sich neben diversen selbst kreierten Songs auch gefühlt endlose Aufnahmen von Gameboy-Geräuschen oder einzelnen elektronisch erzeugten Klängen.

Die hat ihm auch bisher keiner streitig gemacht. Doch das Urheberrecht seines Videos „Low Level White Noise“ wird inzwischen für fünf andere Aufnahmen beansprucht. Unter anderem von Anbietern von Entspannungstherapien, die das Weiße Rauschen in ihre Aufnahmen integriert haben. Denn das monotone, über alle Frequenzen gleichmäßig verteilte Geräusch kann Menschen mit Schlafstörungen helfen, störende Nebengeräusche auszublenden.

Software ermöglicht Urheberrechtsbeschwerden

Aufmerksam wurden die Konkurrenten auf Tomczak durch das YouTube-Programm Content ID. Es soll verhindern, dass Kunstwerke berühmter oder auch völlig unbekannter Künstler von anderen verwendet werden, um daran zu verdienen. Wer schon einmal versucht hat, ein Urlaubsvideo mit musikalischer Untermalung von Beyoncé hochzuladen, kennt das Problem: Ein Upload ist entweder unmöglich, oder die Aufnahme wird nach kurzer Zeit gesperrt.

Anders bei Sebastian Tomczak, der sein Weißes Rauschen schon 2015 auf seinen Kanal stellte: Er bekam erst später die Mitteilung, dass die fünf angeblichen Urheber von nun an die Erlöse für sich beanspruchen, die er durch Werbung im Umfeld des Videos erzielt. Der Soundtüftler und Uniprofessor ist von dem Vorgang gleichzeitig verblüfft und frustriert. Nachgeben will er aber nicht: Er könne beweisen, wann und auf welche Weise er die Aufnahmen selbst erzeugt habe.

Fazit:

Die Idee hinter dem Content-ID-System ist nachvollziehbar: Die Einnahmen für Musik und Videos sollen nicht Kopierern und Nachahmern, sondern den Künstlern selbst zugutekommen. Der vorliegende Fall zeigt jedoch die Grenzen einer automatisierten Erkennung auf und liefert Kritikern des Systems neuen Zündstoff.

Kommentare  
Leo Wattenberg
0 # Leo Wattenberg 24.01.2018, 11:08 Uhr
Moin.

Ein paar Sachen: Hier hat nicht die automatische Erkennung versagt, sondern Menschen. Es wurde weißes Rauschen als Referenzdatei hochgeladen, offensichtlich mehrfach. Da Rauschen nicht schützbar ist, sind es eigentlich nicht als Referenz zugelassen (siehe https://support.google.com/youtube/answer/2605065?hl=de). Die Referenzdateien wurden zeitnah entfernt, das Video sollte jetzt wieder anspruchsfrei sein.
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