Tierisches Urheberrecht: Streit um Affen-Selfie geht weiter

(1 Bewertung, 5.00 von 5)

Wenn die Makakendame Naruto im indonesischen Busch Internetempfang hat, grinst sie jetzt wahrscheinlich bis über beide Ohren. Denn obwohl der Rechtsstreit um ihr Selbstporträt bereits beigelegt schien, wird sich ein Gericht nun erneut damit befassen. Der Richter fürchtet nämlich, dass die Tierschützer von PETA nur deswegen für eine Einstellung des Verfahrens plädieren, weil sie ein richtungsweisendes Urteil vermeiden wollen.

Primatenweibchen drückt auf den Auslöser

Sechs Jahre ist es bereits her, dass sich Tierfotograf David Slater mit seiner Kameraausrüstung mitten in das Lebensgebiet der wilden Makakenäffchen begab. Von den Tausenden Fotos, die dabei entstanden, ist eines um die Welt gegangen. Aufgenommen wurde es von einem der Tiere selbst, als der Brite seine Kamera einmal aus der Hand legte. Und weil der ehrliche Fotograf erzählte, dass er das technisch einwandfreie Bild nicht selbst geschossen hat, kämpft er seitdem um das Urheberrecht: zunächst gegen Wikimedia Commons und seit 2015 gegen die Tierschutzorganisation PETA. Die nämlich hatte sich zum Vertreter Narutos ernannt und forderte in ihrem Namen Erlöse aus Slaters Buchverkäufen.

Richter lehnen Einigung ab

Die jahrelangen gerichtlichen Auseinandersetzungen trieben den Fotografen fast in den Ruin. Im vergangenen Herbst dann trafen beide Parteien eine Vereinbarung: Slater würde 25 Prozent seiner künftigen Einnahmen aus dem Foto für den Schutz des indonesischen Urwalds spenden. Damit hätte der Fall beendet sein können. Doch nun, mehr als ein halbes Jahr später, lehnt das Gericht in San Francisco den Antrag auf Abweisung der Klage ab.

Wollte PETA mit Vergleich nur tricksen?

Dass die Richter unbedingt zu einem Urteil kommen wollen, hat zwei Gründe. So weisen sie zum einen darauf hin, dass die Frage nach der Vertretung von Tierrechten in Justizsachen kein Einzelfall ist. Sie müsse deshalb eindeutig geklärt werden. Darüber hinaus hält das Gericht für möglich, dass PETA mit der Abweisung der Klage taktische Ziele verfolgt. Dafür spreche ein Hinweis der Tierschützer in der gemeinsamen Erklärung: Naruto selbst, heißt es da, sei nicht als Partei an der Einigung beteiligt gewesen. Dass aber irgendwann noch einmal jemand im Namen der Affendame klagt, will das Gericht den Steuerzahlern ersparen.

Fazit:

Der Fall Naruto gegen David Slater ist noch nicht zu Ende. Seit Jahren bringt der Streit um das Urheberrecht der tierischen Fotografin Menschen in aller Welt zum Schmunzeln. Den Richtern in Kalifornien dagegen ist es ernst: Sie wollen ein eindeutiges Urteil finden, damit das Affen-Selfie nicht noch weiter die Justiz beschäftigt.

Kommentare  
Gerd
0 # Gerd 08.05.2018, 15:11 Uhr
Natürlich wollte PETA tricksen
Antworten | Antworten mit Zitat | Zitieren | Dem Administrator melden
Sagen Sie uns Ihre Meinung zum Thema.
Diese Beiträge könnten Sie ebenfalls interessieren:
Weiterlesen...
Veröffentlichung eigener Passphotos im Internet kann rechtswidrig sein Zur Zeit sorgt eine etwas ältere Entscheidung des Landgericht (LG) Köln (Az.: 28 O 468/06, Urteil vom 20.12.2006) im Internet für Aufregung. Es g...
Weiterlesen...
Urheberrecht: Wie hoch ist eine Vertragsstrafe beim Bilder-Klau? Das OLG München beschäftigte sich mit der interessanten Frage, welche Kriterien bei der Bemessung der Höhe von Vertragsstrafen nach Verletzungen gegen strafbewe...
Weiterlesen...
CDs, Vinyl & MP3: Bundestag verlängert Schutzdauer von Tonaufnahmen Der Bundestag verabschiedete am 18. April den umstrittenen Regierungsentwurf des Urheberrechts. Somit wurde die bisherige Schutzdauer von Tonaufnahmen von 50 ...
Weiterlesen...
Wikimedia: Fotos von Gemälden müssen gelöscht werden Wikimedia ist ein Projekt, das freie Inhalte ins Netz stellt. Circa 70.000 Beteiligte stellen hierfür die freien Inhalte ins Netz und auch die dazugehörige Soft...
Weiterlesen...
Pixelio-Urteil: Endlich Wende in Abmahnfällen Die Bilddatenbank Pixelio stellte bislang eine ergiebige Geldquelle für einige skrupellose Hobbyfotografen und ihre Anwälte dar. Mit einem aktuellen Beschluss l...
Anzeige Datenschutz-Kit
Anzeige
Anzeige

Der eRecht24 Newsletter

Immer bestens informiert

Bleiben Sie mit unseren kostenlosen Updates zum Internetrecht auf dem neuesten Stand. Infos, Urteile, Checklisten, Sonderangebote.

Prüfen Sie, ob Ihre Widerrufsbelehrung aktuell ist.

Geben Sie die URL Ihrer Widerrufsbelehrung ein.
Beispiel Shop: http://www.shopxyz.de/widerruf.html
Beispiel eBay: http://www.ebay.de/usr/EBAYUSER

loading...
Jetzt Premium-Mitglied werden

Ab Heute gestalten Sie Ihre Website ohne Angst vor Abmahnwellen und ohne teuren Anwalt abmahnsicher.

Alle Videos, Live-Webinare, E-Books, Tools und zahlreiche Rabatte.

Jetzt Mitglied werden

Mehr Informationen zu eRecht24 Premium

Impressum-Generator

Keine Chance für Abmahner

Erstellen Sie kostenlos ein rechtssicheres Impressum für Ihre Website.

Jetzt Kostenlos Impressum generieren

Rechtsberatung vom Anwalt

Haben Sie ein konkretes rechtliches Problem? Dann wenden Sie sich bitte einen Anwalt. Auf unseren Seiten finden Sie zahlreiche allgemeine Informationen zum Internetrecht. Fundierte Rechtsberatung im Einzelfall kann allerdings nur ein spezialisierter Rechtsanwalt leisten.

Inhalte kostenlos übernehmen

Der eRecht24 Newsticker

kostenfreie aktuelle Inhalte zum Internetrecht

Individuell für Ihre Website angepasst!

 

SSL-Zertifikate

Steigern Sie das Vertrauen Ihrer Kunden. Für Betreiber von Onlineshops und kommerziellen Webseiten unabdingbar:

SSL-Verschlüsselung, SSL-Zertifikate und Trust-Logos

Rechnungen online erstellen

Erstellen Sie Ihre Rechnungen gemäß den Anforderungen des Finanzamts doch einfach online!

Mit easybill bequem ordnungsgemäße Rechnungen schreiben inkl. digitaler Signatur und Datenexport zum Steuerberater. Anforderungen an korrekte Rechnungen mit Mustern und Beispielen.

IT-Recht endlich verständlich

Autor Sören SiebertSören Siebert ist Rechtsanwalt mit Kanzleien in Berlin und Potsdam.

Er berät Unternehmer, Shops und Seitenbetreiber in allen Fragen des Rechts der neuen Medien.
www.kanzlei-siebert.de

Als Betreiber von eRecht24 ist er seit mehr als 15 Jahren auch als Internet-Unternehmer tätig. Deshalb finden Sie auf eRecht24 Tipps und Tricks eines spezialisierten Rechtsanwalts, aber verständlich und praxisnah erklärt.        

eRecht24 - Unsere praktischen Tools und hilfreichen Tutorials

mitgliederbereich teaser

Exklusiv für unsere Mitglieder

Alles was Webseitenbetreiber, Agenturen und Selbständige wirklich brauchen: Videos und E-Books, Musterverträge und Erstberatung, Tools und Live-Webinare.

Mehr Informationen

dsgvo teaser

DSGVO Schnellstarter-Paket

Das Datenschutzrecht ändert sich ab Mai 2018 vollständig. Sind Sie bereit für die DSGVO? Mit unserem Schnellstarter-Paket sichern Sie Ihre Webseite ab.

Jetzt absichern

webinar teaser

Online Schulung mit Rechtsanwalt Siebert

Die 7 häufigsten Abmahnfallen auf Webseiten und wie Sie diese schnell, einfach und ohne teuren Anwalt vermeiden. So haben Abmahner bei Ihnen keine Chance!

Mehr Details