Kunsturhebergesetz: Bild-Online muss Flirt-Fotos von Nationalspieler löschen

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In der Unterlassungsklage von DFB-Kicker Julian Draxler und seiner Freundin hat das Oberlandesgericht Köln eine klare Unterscheidung zwischen Wort- und Bildberichterstattung vorgenommen. Während die Informationen über eine vermeintliche Urlaubsaffäre des damaligen Mannschaftskapitäns von öffentlichem Interesse seien, unterlägen entsprechende Fotos dem Schutz der Privatsphäre. Insbesondere Draxlers Freundin müsse eine Veröffentlichung persönlicher Aufnahmen nicht hinnehmen.

Klicks für Bilder von der „Knutsch-Affäre“

Die fraglichen Bilder zeigten Draxler und seine weibliche Bekleidung an Bord einer Yacht vor Ibiza. Beide trugen Badekleidung, hielten sich im Arm und küssten sich. In süffisanten Worten informierte Bild-Online darüber, dass es sich bei der Frau nicht um die langjährige Freundin des Fußballers handele. Die war ebenfalls abgebildet, und zwar auf einem Archivfoto, das sie beim Besuch eines Länderspiels auf der Stadiontribüne zeigte.

Landgericht: Privatleben ist tabu

In erster Instanz hatte das Landgericht Köln (Az. 28 O 340/17) die Unterlassungsklagen von Draxler und seiner Freundin als berechtigt eingestuft. Bericht und Fotos verletzten die Privatsphäre der beiden. Das öffentliche Interesse an der Person des Nationalspielers beziehe sich nur auf seine fußballerische Tätigkeit. Abseits des Platzes gebe es kein Berichterstattungsinteresse. Nicht gelten ließ das Gericht einen Einwand der Verteidigung: Man habe das widersprüchliche Verhalten des damaligen Mannschaftskapitäns aufdecken wollen. Der hatte nämlich statt Urlaub auf Ibiza einen Arztbesuch in München angekündigt. Genau dieser Widerspruch allerdings sei in der Online-Berichterstattung mit keinem Wort erwähnt werden, so der Richter.

OLG: Text gestattet, Fotos unzulässig

In der Revision billigte das Oberlandesgericht Köln (Az. 15 U 96/18) jetzt den Text der Onlineseiten: Wie der Kapitän der DFB-Elf die Tage vor einem wichtigen Länderspiel verbringe, sei für die Öffentlichkeit durchaus von Interesse. Das Gericht berücksichtigte auch, dass Draxler selbst regelmäßig in den sozialen Medien und großen Illustrierten über sein Privatleben berichte. Für Fotos allerdings seien strengere Maßstäbe anzulegen. Die heimlich gemachten Aufnahmen des Paars auf einer Yacht vor Ibiza dienten nicht der ernsthaften und sachlichen Information. Deshalb sei hier der Schutz der Privatsphäre schwerer zu gewichten. Gleiches gelte für das Foto der Freundin. Die habe zwar offensichtlich einmal der Aufnahme im Stadion zugestimmt. Das rechtfertige aber nicht die Wiederveröffentlichung des Bildes in einem völlig anderen Zusammenhang.

Fazit

Personen, die in der Öffentlichkeit stehen, müssen ein gewisses Ausmaß an Berichterstattung zulassen. Feste Grenzen gibt es dabei nicht. Für jeden Einzelfall muss entschieden werden, ob die Beeinträchtigung der Privatsphäre tatsächlich durch das öffentliche Interesse gerechtfertigt ist. In diesem Fall hat das OLG noch eine weitere Abstufung vorgenommen. Demnach kann die Veröffentlichung von privaten Fotos eines Prominenten auch dann verboten sein, wenn die reine Wortberichterstattung angemessen erscheint.

Kommentare  
Stefan Marchhart
0 # Stefan Marchhart 11.12.2018, 19:55 Uhr
"Die fraglichen Bilder zeigten Draxler und seine weibliche Bekleidung an Bord einer Yacht vor Ibiza"
Trug er einen Bikini oder Badeanzug?

LG, Stefan M.
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