Kraftwerk vs. Pelham: EuGH erlaubt Sampling

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Nach immerhin 20 Jahren Prozessdauer hat der Europäische Gerichtshof (kurz: EuGH) im sogenannten Sampling-Verfahren ein Urteil gefällt. Demnach ist die Verwendung von einzelnen Tonsequenzen aus fremden Songs zulässig – auch ohne Zustimmung des anderen Künstlers. Allerdings ist das Sampling an bestimmte Voraussetzungen gebunden: Diese sind zwingend einzuhalten, damit der neue Track auch juristisch nicht zu beanstanden ist.

Sampling als Stilmittel in der Musikbranche

Ob Hip-Hop oder Rap – beide Musikarten bauen auf dem Sampling als Stilmittel auf. Dabei wird eine Sequenz aus einem anderen Track ausgeschnitten und in veränderter Form in einen neuen Song eingebaut. Oft ist die Sequenz dann so stark verändert, dass der Wiedererkennungswert faktisch nicht mehr gegeben ist.

Im Ausgangsfall ging es um einen Song der Elektro-Bank Kraftwerk. Aus dem Track „Metall auf Metall“ hatte nun der Hip-Hop-Produzent Moses Pelham eine Sequenz von zwei Sekunden Länge herausgeschnitten und 1997 in Endlosschleife für einen Song der Künstlerin Sabrina Setlur verwendet.

„Metall auf Metall“ oder „Nur mir“?

Bevor das höchste europäische Gericht auf den Plan gerufen wurde, ging dem Grundsatzurteil ein Instanzenlauf vor den deutschen Gerichten voraus. Hier hatte der Bundesgerichtshof bereits 2012 der Gruppe Kraftwerk Recht gegeben und eine Verletzung des Urheberrechts bejaht. 2015 wurde das Urteil durch das Bundesverfassungsgericht aufgehoben – nun galt es, den Gang bis nach Luxemburg anzutreten, um endgültig Klarheit in der Frage rund ums Sampling zu erlangen.

EuGH sieht Sampling nicht generell als Kopie

Die Richter am Europäischen Gerichtshof hatten gleich mehrere Fragen zu klären – allen voran betraf die Vorlage an den EuGH aber die Problematik rund um die Übernahme und den Einbau von kürzesten Sequenzen. Hier stellte sich der EuGH auf den Standpunkt, dass das Sampling nicht als Kopie zu sehen ist, wenn die Sequenz beim Hören überhaupt keinen Wiedererkennungswert aufweist.

Wichtig dabei: Die ursprüngliche Sequenz muss so abgeändert werden, dass sich tatsächlich keine Möglichkeit der Zuordnung ergibt – genau dann ist nämlich das Argument der Kunstfreiheit einschlägig.

Fazit

Der Produzent Moses Pelham hat mit dem EuGH-Urteil nach Jahren des Prozessierens Recht bekommen – die Leistung der Elektro-Band Kraftwerk schmälert das jedoch nicht. Entscheidend ist, dass mit dem Verändern der Sequenz etwas grundlegend Neues geschaffen wird und in diesem Moment das Urheberrecht nicht mehr herangezogen werden kann.

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