Leistungsschutzrecht: Axel Springer Verlag knickt ein und unterzeichnet Googles Forderungen

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Als einer der letzten hat sich der Axel Springer Verlag geweigert, die Forderungen von Google zum Verzicht auf Vergütung von Snippets zu unterzeichnen. Als Folge der gekürzten Suchergebnisse mussten die Webseiten des Verlags hohe Einbußen der Besucherzahlen verzeichnen. Nun wurde eingelenkt und die Gratisvereinbarung mit Google unterzeichnet.

Marktmacht von Google zu groß

Als Google angekündigt hatte, die Suchergebnisse aller Webseiten der Verlage radikal zu kürzen, die auf eine Vergütung von Snippets bestehen, reagierte zunächst niemand. Kurz vor Ablauf der Frist zum Unterzeichnen der Gratisvereinbarung von Google, um diesen Kürzungen zu entgehen, schwenkten jedoch so gut wie alle Verlage der Verwertungsgesellschaft (VG) Media ein und unterzeichneten. Nur nicht der Axel Springer Verlag als einer der letzten und lies es darauf ankommen. Somit wurde von Google seit dem 23. Oktober alle Suchergebnisse der Webseiten des Axel Springer Verlags radikal bis auf eine Überschrift gekürzt. Dadurch sank auch sofort das Ranking eben dieser Webseiten dramatisch, wodurch diese in den Suchergebnissen nicht mehr weit oben zu finden waren.

Die Folge: 40 Prozent Besuchereinbußen über die Google Suche und bis zu 80 Prozent weniger Besucher von Google News, so die Aussagen des Verlags. Entsprechend mussten die Umsatzeinbußen bei den Werbeeinnahmen ausgefallen sein, denn nun knickt auch der Axel Springer Verlag ein und unterzeichnet Googles Forderungen auf Verzicht von Zahlungen. Somit kann Google Textausschnitte der betreffenden Webseiten welt.de, computerbild.de, sportbild.de und autobild.de wieder in seinen Suchergebnissen einblenden, ohne Zahlungsaufforderungen in Bezug auf das Leistungsschutzrecht zu befürchten.

Der erfolgreichste Misserfolg

Wie hoch der Ausfall an Besuchern im Detail ist, verriet der Verlag nicht. Auch der entstandene Schaden in Form von entfallenden Werbeeinnahmen wurde nicht kommuniziert. Man kann jedoch davon ausgehen, dass der Ausfall die Webseiten empfindlich getroffen haben muss, wenn man sich einen solchen Misserfolg eingesteht. Ziel der Verweigerung der Unterzeichnung seitens des Springer Verlags war es, die tatsächlichen Umsatzeinbußen zu dokumentieren. Wie auch die VG Media wirft Alex Springer Google den Missbrauch seiner Stellung im Markt vor.

Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner in einer Telefonkonferenz: “Das ist vielleicht der erfolgreichste Misserfolg, den wir je hatten. So traurig es ist, aber wir wissen jetzt sehr präzise, wie massiv die Folgen der Diskriminierung sind, wie sich die Marktmacht von Google tatsächlich auswirkt und wie Google jeden bestraft, der ein Recht wahrnimmt, das der Deutsche Bundestag ihm eingeräumt hat.”

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Google richtet sich nach dem Leistungsschutzrecht

Klar ist jedoch, dass es sich hierbei nicht um eine Diskriminierung seitens Google gehandelt hat, sondern um eine Einhaltung des von der VG Media selbst geschmiedeten Gesetzes. Alle großen Verlage haben das Leistungsschutzgesetz sehr unterstützt und haben nach Verabschiedung des Gesetzes Google verklagt, weil unlizenziert Textausschnitte in der Suche verwendet wurden. Google reagierte daraufhin nicht mit einem "Missbrauch seiner Marktmacht", sondern mit einer logischen Schlussfolgerung: Niemand kann dazu gezwungen werden, etwas zu verwenden, wofür er zahlen muss. Nach der Ankündigung von Google, die Textausschnitte zu streichen, hat auch das Bundeskartellamt angedeutet, dass die VG Media keine guten Aussichten drauf hat, das Vorhaben zu stoppen. Andere Suchmaschinen haben betreffende Webseiten der Verlage gar komplett aus dem Index gestrichen, so dass diese dort gar nicht mehr zu finden sind.

Fazit:

Letztlich ärgern sich die Verlage der VG Media zur Zeit grün und blau. Dass das Leistungsschutzrecht nach hinten los kann haben aber vorher alle - außer Springer - gewusst. Die VG Media udn der Springer Verlag haben in der Sache eine zusätzliche Einnahmequelle gesehen und sich für das Leistungsschutzrecht eingesetzt. Ob und auf welche Art und Weise die Verlage nun weiter vorgehen werden, kann nur spekuliert werden, denn viel Spielraum ist nicht mehr vorhanden.

Ein altes Sprichwort fasst dies Vorkommnisse sehr gut zusammen: Wer anderen eine Grube gräbt, fällt selbst hinein.

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