Reisebuchungen im Netz: Gibt es hier ein Widerrufsrecht?

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Lassen sich auch im Internet gebuchte Reisen widerrufen? Falls ja, wäre das eine Alternative zum Reiserücktritt. So leicht ist es aber leider oft nicht. Aber es gibt Fälle, in denen sich auch im Netz gebuchte Reisen widerrufen lassen. Man muss nur wissen wie.

Pauschalreisen sind vom Widerruf ausgenommen

Verbrauchern steht bei vielen Fernabsatzverträgen, wozu insbesondere übers Internet geschlossene Verträge zählen, ein Widerrufsrecht zu – allerdings nicht bei allen. Vom Widerrufsrecht ausgenommen sind insbesondere Fernabsatzverträge über Pauschalreisen – Reiseverträge also über ein Bündel von Reiseleistungen, zu dem regelmäßig Beförderung, Unterkunft und Verpflegung gehört. Diese Ausnahme wird damit begründet, dass die im BGB ab dessen § 651a zu Reiseverträgen enthaltenen Regeln Verbraucher bereits ausreichend schützen.

Wichtig im Reiserecht: Das Rücktrittsrecht vor Reisebeginn

Eine dieser Regeln, der § 651i BGB, betrifft den Reiserücktritt. Vor Reisebeginn können Reisende demnach jederzeit ohne Angabe von Gründen vom Reisevertrag zurücktreten. Der Reisevertrag wird dann rückabgewickelt. Einen bereits bezahlten Reisepreis muss der Veranstalter zurückzahlen. Denn durch den Rücktritt verliert er seinen Anspruch auf den Reisepreis. Bis zu diesem Punkt ergibt sich kein großer Unterschied zum Widerrufsrecht.

Auch der Widerruf bedarf laut § 355 BGB keiner Begründung und verpflichtet zur beiderseitigen Rückgewähr der jeweiligen Leistungen. Anders als beim Widerrufsrecht darf ein Reiseveranstalter beim Reiserücktritt aber eine angemessene, pauschalierte Entschädigung verlangen. Er muss sich dabei lediglich anrechnen lassen, was er sich durch die nicht durchgeführte Reise erspart hat.Veranstalter von Pauschalreisen müssen dabei obendrein nicht über das fehlende Widerrufsrecht belehren. Denn eine Vorschrift, nach der auf ein fehlendes Widerrufsrecht stets hinzuweisen ist, gibt es nicht.

Widerruf anderer "reisetypischer Leistungen"

Das fehlende Widerrufsrecht bei online geschlossenen Reiseverträgen darf jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass für unabhängig davon im Rahmen per Fernabsatzgeschäft gebuchte Reiseleistungen ein Widerrufsrecht bestehen kann. Zu beachten ist allenfalls, dass gemäß § 312g Abs. 2 Nr. 9 BGB kein Widerrufsrecht für Dienstleistungen in den Bereichen Beherbergung, Kfz-Vermietung und im Zusammenhang mit Freizeitbetätigungen besteht, wenn der zugrunde liegende Vertrag für die Leistungserbringung einen spezifischen Termin oder Zeitraum vorsieht.

Entsprechende Anbieter wie Hotels, Autovermieter oder Eventanbieter sollen so davor geschützt werden, dass sie aufgrund eines Widerrufs ihre Kapazitäten nicht mehr anderweitig nutzen können. Über dieses fehlende Widerrufsrecht müssen sie allerdings dann – anders als bei Reiseverträgen –vorab gemäß Art. 246a § 1 Abs. 3 Nr. 1 EGBGB belehren. Für das Widerrufsrecht in solchen Fällen bedeutet das wiederum: Fehlt ein fester Termin oder Zeitraum, lässt sich der Vertrag widerrufen.

So lässt sich beispielsweise ein ohne festen Zeitpunkt erworbener Gutschein für ein Wochenende im Hotel oder den Besuch einer regelmäßigen Freizeitveranstaltung gegebenenfalls noch widerrufen.

Lesen Sie mehr Rechtstipps zum Thema „Reiserücktritt“ auf anwalt.de:

BGH zu Reiseanzahlungen und Rücktrittspauschalen
 
Online-Flugbuchung: Kreditkartengebühren und Hinweis auf Reiseversicherungen unzulässig
 
Urlaubszeit: Kein Reisebeginn durch Online-Check-in

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Kommentare  
Simone
0 # Simone 11.09.2019, 18:06 Uhr
Würde mich auch interessieren, soll auch zahlen, für 15 min.
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Wegner
0 # Wegner 04.10.2018, 15:19 Uhr
Online Buchung bei booking, eine wachende Trip kostet unter 400E jeztz will das hotel 302E Storno Gebühren , in eine stunde wurde die Buchung storniert, ist das legal? Oder abzoke ! Wegner
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