Tuifly und Airberlin: So bekommen Sie Entschädigung nach einem Flugausfall

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Bei Tuifly und Airberlin kam es in den vergangenen Tagen aufgrund interner Streitigkeiten zu zahlreichen Flugannullierungen. Viele Mitarbeiter meldeten sich krank, um gegen Umstrukturierungsvorhaben zu protestieren. Die Leidtragenden waren die Passagiere. Tuifly verkündet: „Entschädigungs- beziehungsweise Schadensersatzansprüche der Kunden entstehen daraus nicht“. Stimmt das?

Ausgleichsanspruch gegenüber Airlines: Wie funktioniert das? 

Wird ein Flug annulliert oder verspätet sich der Flug um mehr als drei Stunden, haben die Passagiere gegenüber der Fluggesellschaft einen Ausgleichsanspruch. Die Höhe des Ausgleichsanspruchs richtet sich nach der Entfernung (Luftlinie) zwischen Start- und Zielflughafen. Die Kosten für den Flug spielen hingegen keine Rolle. Die folgende Tabelle zeigt, bei welcher Strecke welche Entschädigung zu zahlen ist:

Flugstrecke Höhe des Ausgleichsanspruchs
0 – 1.500 Kilometer 250,00 €
1.500 – 3.500 Kilometer 400,00 €
über 3.500 Kilometer 600,00 €

Wann gibt es keinen Ausgleichsanspruch?

Es gibt einige Fälle, in denen der Ausgleichsanspruch nicht besteht und ein so genannter „außergewöhnlicher Umstand“ vorliegt. Dies ist beispielsweise der Fall, wenn ein technischer Defekt infolge von Vogelschlag auftritt oder die Mitarbeiter der Fluggesellschaft streiken.

Tuifly wird sich darauf berufen, dass die massenhaften Krankmeldungen einen Streik darstellen, der den Ausgleichsanspruch ausschließt. Dasselbe gilt für AirBerlin, da ein großer Teil der Tuifly-Flotte für AirBerlin im Einsatz ist. Rechtlich gesehen handelt es sich jedoch um keinen Streik, der einen außergewöhnlichen Umstand darstellt.

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Vielmehr haben sich die Mitarbeiter aufgrund von internen Streitigkeiten arbeitsunfähig gemeldet. Für das Bestehen dieser Streitigkeiten ist Tuifly zumindest mitverantwortlich, so dass kein Fall von höherer Gewalt in Form eines Streiks vorliegt. Die betroffenen Passagiere haben daher einen Ausgleichsanspruch. Die eingangs genannte Aussage ist unzutreffend.

Ihre Ansprüche verjähren erst am 31.12.2019. Es ist damit zu rechnen, dass bis dahin einige Urteile vorliegen.

Sören Siebert
Sören SiebertRechtsanwalt

Wie mache ich meinen Ausgleichsanspruch gegenüber Tuifly geltend?

Wenn Sie Ihren Anspruch selber geltend machen möchten, sollten Sie ein Schreiben verfassen, in dem Sie die Flugnummer, den Start- und Zielflughafen, die Flugzeit und die Flugstrecke angeben und Tuifly unter Fristsetzung zur Zahlung der jeweiligen Ausgleichsleistung auffordern. Zur Bestimmung der Flugstrecke finden Sie zahlreiche Internetseiten, die Ihnen kostenlos die Luftlinie zwischen zwei Orten ausrechnen.

Sollte Tuifly Ihre Forderung zurückweisen und das Vorliegen eines außergewöhnlichen Umstands behaupten, haben Sie die Möglichkeit, Klage zu erheben. Die Erfolgsaussichten der Klage werden unsererseits als sehr gut eingeschätzt.

Alternativ können Sie abwarten bis der erste betroffene Passagier ein Klageverfahren durchgeführt hat und das Urteil vorliegt. In Ihrem Anspruchsschreiben können Sie sich dann auf die Urteilsgründe beziehen.

 

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Kommentare  
Wolfgang
+1 # Wolfgang 12.10.2016, 16:05 Uhr
Als sinnvoll und kostengünstigsten hat sich bei mir der Weg über die Fluggesellschaft und dann über die offizielle Schlichtungsstelle herausgestellt. Ich hatte einen solchen Fall kürzlich bei Condor. Ich habe meine Beschwerde erst über die Condorwebsite abgegeben und dann erwartungsgemäß eine Absage kassiert.
Damit bin ich dann auf die Seite http://www.soep-online.de/ (die offizielle Schlichtungsstelle), habe ein längeres Formular ausgefüllt und hatte nach recht kurzer Zeit einen Verrechnungscheck in der Hand. Keine Diskussionen, keine Anwälte beauftragen, keine Gerichtsverhandlung usw.
Hätte das nicht geklappt, hätte mir immer noch der Weg über die Gerichte offen gestanden. So war aber alles schnell und einfach erledigt.
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Dirk
0 # Dirk 17.10.2016, 00:19 Uhr
Ergänzend zu den hilfreichen Informationen in Ihrem Artikel wären noch Einschätzungen über Mehrfachausfälle / -Verschiebungen wünschenswert. Im vorliegenden Fall von AirBerlin und TuiFly ist er bei vielen Passagieren vorgekommen, dass der gebuchte Flug ausfiel, worauf eine Umbuchung erfolgte. Kurz vor diesem umgebuchten Flug (teilweise erst am Flughafen) wurde dann die Absage des umgebuchten Fluges bekanntgegeben. Es erfolgte wieder eine neue Umbuchung auf Maschinen teils 7 Stunden später, die dann auch noch weitere 8 Stunden Verspätung hatten. Würde dieser Sachverhalt zu einer Entschädigungszahlung führen, oder wäre jede Umbuchung / Verspätung gesondert zu betrachten?
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