BGH-Urteil: Reiseanbieter dürfen Kunden keine Versicherungen unterjubeln

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Einige Reise- und Flugportale bieten den Nutzern mit immenser Hartnäckigkeit nicht nur Reisen und Flüge an, sondern vor allem jede Menge Versicherungen. Die Nutzer sind davon oft genervt. Nun hat der BGH klar gestellt, dass die Tricks vieler Anbieter nicht erlaubt sind.

BGH: Kunde darf nicht in die Irre geführt werden

Nach einer aktuellen Entscheidung des Bundesgerichtshofs können Kunden auf mehr Klarheit und Eindeutigkeit bei der Reisebuchung im Internet hoffen: Grafische und gestalterische Tricks beim Aufbau der Webseiten dürfen nicht dazu führen, dass am Ende der Buchung ein höherer Preis gezahlt wird, als ursprünglich angegeben.

Freiwillige Zusatzleistungen wie zum Beispiel eine Reiserücktrittsversicherung für eine Flugbuchung müssen in Online-Angeboten klar gekennzeichnet sein. Außerdem darf der angezeigte Preis nicht nur für die Zahlung mit einer bestimmten Kreditkarte gelten.

Zusatzbuchung durch komplizierten und irreführenden Seitenaufbau

Geklagt hatte der Bundesverband Verbraucherzentrale gegen die Webseite opodo.de. Auch wenn sich ein opodo-Kunde bereits gegen die Reiserücktrittsversicherung entschieden hatte, wurde sie ihm im nächsten Buchungsschritt gleich wieder angeboten. Mit dem Hinweis, dass ohne die RRV ja im Notfall hohe Stornokosten entstehen könnten.

Um zum nächsten Schritt zu gelangen, gab es zwei Möglichkeiten, von denen aber nur eine sofort ins Auge fiel: Unten rechts – genau dort, wo Online-Buchungen üblicherweise fortgesetzt werden - konnte ein orangefarbenes Feld angeklickt werden. Darin zu lesen waren groß das Wort „Weiter“ und in kleinerer Schrift die Angabe „Ich möchte abgesichert sein“.

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Das Kästchen führte allerdings nun doch zu der Buchung mit kostenpflichtiger Versicherung, die der Kunde auf der vorigen Seite bereits abgelehnt hatte. Lediglich ein farbloser, leicht zu übersehender Satz „Weiter ohne Versicherung“ auf der linken unteren Seite ermöglichte den reinen Abschluss der Flugreise.

Preis nur bei Verwendung bestimmter Kreditkarte

Bei der Wahl des Zahlungsmittels erwarteten opodo-Kunden unter Umständen noch mehr unerwünschte Kosten. Denn der zunächst angegebene günstigste Preis galt nur bei Benutzung einer Kreditkarte von American Express. Durch Ankreuzen einer anderen Methode wurde eine Servicepauschale erhoben.

Ein effektiver Preisvergleich, so die Richter, sei so aber nicht möglich. Der BGH bezog sich bei dem Urteil auf die EU-Verordnung für die Durchführung von Luftverkehrsdiensten in der Gemeinschaft . Darin heißt es, dass die Kosten für Flugreisen klar, transparent und eindeutig dargelegt werden müssen.

Der Verbraucher darf nicht dazu verleitet werden, zusätzliche Leistungen zu buchen, die nicht notwendig sind.

Sören Siebert
Sören SiebertRechtsanwalt

Fazit:

Der BGH betont das Recht der Verbraucher auf übersichtliche und eindeutige Buchungsangebote ohne Tricks und versteckte Kosten. Nur so ist überhaupt ein Vergleich von Leistungen und Preisen möglich.

Das Urteil gilt natürlich für alle Reiseportale. Ob damit aber wirklich das Ende der Preistrickserei in dieser Branche eingeläutet wird muss man wohl bezweifeln.

 

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Autor Sören SiebertSören Siebert ist Rechtsanwalt mit Kanzleien in Berlin und Potsdam.

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