Online-Flugbuchung: Und führe Kunden bei Extras nicht in Versuchung

(3 Bewertungen, 5.00 von 5)

Flüge buchen, das machen die meisten online. Und ärgern sich dabei, dass sie oft dies oder jenes „Extra“ gegen Aufpreis – wie etwa eine Reiseversicherung – mitbuchen sollen. Anbieter, die hier Kunden zu arg drängen, handeln jedoch rechtswidrig, wie der BGH entschied.

Opt-in statt Opt-out bei Extras

Das oberste Zivilgericht musste sich dabei mit der Luftverkehrsdienste-Verordnung (VO (EG) 1008/2008) beschäftigen. Diese EU-Verordnung regelt neben der Betriebsgenehmigung für Flugunternehmen und dem Zugang zu Strecken auch die Preisfestsetzung und das Angebot von Zusatzleistungen. Solche Extras betreffen beispielsweise den Transport sperrigen Gepäcks, von Haustieren oder besondere Essenswünsche. Häufige Zusatzleistung ist auch der Abschluss einer Reiserücktrittsversicherung im Rahmen der Buchung. Dagegen ist grundsätzlich nichts einzuwenden.

Zusatzleistungen dürfen aber, wie der Europäische Gerichtshof bereits 2012 mit Verweis auf die Verordnung entschied, nicht voreingestellt sein (EuGH, 19.07.2012, Az.: C-112/11). Statt eines „Opt-out“ – also der Abwahl einer Leistung – besteht eine „Opt-in“-Pflicht. Kunden müssen danach Leistungen, die für den Flug weder verpflichtend noch unerlässlich sind, aktiv bei der Buchung auswählen.

Mit der Beachtung der „Opt-in“-Pflicht ist es jedoch nicht getan, wie der BGH nun entschied. Auch auf die Gestaltung des Buchungsvorgangs kommt es an. Ein Verbraucherverband hatte einen Flugvermittler deshalb abgemahnt und Unterlassung verlangt (BGH, Urteil v. 29.09.2016, Az.: I ZR 160/15).

Auf Reiseversicherung optimierter Bestellprozess

Wer die im Rahmen von Flugbuchungen über sein Portal angebotene Reiserücktrittsversicherung nicht buchte, bekam ein Pop-up angezeigt. Mit eindringlichen Worten und Zahlen verwies ein Text nochmals auf finanzielle Risiken bei einem Flug ohne Versicherung, falls ein Kunde diesen nicht antreten kann. Unter dem Hinweis waren zudem zwei Links eingebunden, mittels derer Kunden sich nochmals für oder gegen die Versicherung entscheiden mussten. Sonst ging es mit der Buchung nicht weiter.

Dabei war die Schaltfläche, die zum Versicherungsabschluss führte, grafisch auffallend dargestellt. Vergleichsweise unauffällig war dagegen die Alternative: ein kleinerer, mit den Worten „Weiter ohne Versicherung“ bezeichneter Textlink.

Außerdem war die zum Versicherungsabschluss mit „Weiter Ich möchte abgesichert sein“ beschriftete Schaltfläche rechts unten eingebunden – also dort, wo Internetnutzer typischerweise klicken, um bei Online-Bestellungen fortzufahren. Der unscheinbare, mit „Weiter ohne Versicherung“ benannte Textlink befand sich dagegen links unten.

BGH: Flugreisende müssen sich bewusst entscheiden können

Aus Sicht des BGH ist eine solche Gestaltung rechtswidrig und deshalb unzulässig. Denn unabhängig von der Art einer Zusatzleistung muss ihr Angebot klar, transparent und eindeutig erfolgen, wenn sie Zusatzkosten verursacht. Kunden müssen sich bewusst dafür oder dagegen entscheiden können.

Davon ausgenommen sind nur solche Leistungen, die für die Beförderung verpflichtend und unerlässlich sind. Das ist bei einer Reiseversicherung aber gerade nicht der Fall. In der Konsequenz sind Fluganbieter und -vermittler deshalb nicht frei in der Gestaltung des Buchungsvorgangs. Der beklagte Reise- und Flugvermittler hat seinen Bestellablauf inzwischen angepasst.

Lesen Sie mehr Rechtstipps zum Thema „Online-Flugbuchung“ auf anwalt.de

BGH entscheidet: Muss man das Flugticket sofort bei Flugbuchung bezahlen?

Online-Flugbuchung – Reiseschutz nicht erzwingbar

Flugbuchung im Internet mit fehlerhaften Daten

 

Sagen Sie uns Ihre Meinung zum Thema.
Diese Beiträge könnten Sie ebenfalls interessieren:
Weiterlesen...
Handyverträge: Ist ein Vertrag ohne konkrete Preisangabe wirksam? Oft kommt es vor, dass Unternehmen den Kunden bei dem Abschluss von Verträgen nicht über alle Vertragsbestandteile vollständig aufklären. Das AG Winsen musste a...
Weiterlesen...
Autokauf: Kann man ein Auto wegen fehlender Freisprecheinrichtung zurück geben? Autokäufe und –verkäufe sind übers Internet einfach wie nie. Bei der Beschreibung des Wagens sollten die Verkäufer aber sorgfältig sein. Vor einiger Zeit musste...
Weiterlesen...
Verträge im Netz: Dürfen Singlebörsen die Kündigung per E-Mail ausschließen? Viele Nutzungsbedingungen von Internetplattformen enthalten konkrete Vorgaben, was der Kunde bei der Kündigung der Mitgliedschaft beachten muss. Für viele Kunde...
Weiterlesen...
Haftung beim Autokauf: Verkehrsunsicher trotz neuem TÜV? „Augen auf beim Autokauf“ – so zumindest heißt es landläufig. Welche Rechte hat aber der Kunde, wenn der Verkäufer eine neue TÜV-Plakette zusichert, der Gebrauc...
Weiterlesen...
Urheberrecht: Sind Buy-Out-Verträge in Deutschland zulässig? Der Urheber kann einzelne oder alle Nutzungsrechte an seinem Werk gem. § 31 Abs. 1 UrhG übertragen. Das Landgericht Mannheim hatte in einem aktuellen Fall zu ...
 
Anzeige

Der eRecht24 Newsletter

Immer bestens informiert

Bleiben Sie mit unseren kostenlosen Updates zum Internetrecht auf dem neuesten Stand. Infos, Urteile, Checklisten, Sonderangebote.

Prüfen Sie, ob Ihre Widerrufsbelehrung aktuell ist.

Geben Sie die URL Ihrer Widerrufsbelehrung ein.
Beispiel Shop: http://www.shopxyz.de/widerruf.html
Beispiel eBay: http://www.ebay.de/usr/EBAYUSER

loading...
Jetzt Premium-Mitglied werden

Ab Heute gestalten Sie Ihre Website ohne Angst vor Abmahnwellen und ohne teuren Anwalt abmahnsicher.

Alle Videos, Live-Webinare, E-Books, Tools und zahlreiche Rabatte.

Jetzt Mitglied werden

Mehr Informationen zu eRecht24 Premium

Impressum-Generator

Keine Chance für Abmahner

Erstellen Sie kostenlos ein rechtssicheres Impressum für Ihre Website.

Jetzt Kostenlos Impressum generieren

Rechtsberatung vom Anwalt

Haben Sie ein konkretes rechtliches Problem? Dann wenden Sie sich bitte einen Anwalt. Auf unseren Seiten finden Sie zahlreiche allgemeine Informationen zum Internetrecht. Fundierte Rechtsberatung im Einzelfall kann allerdings nur ein spezialisierter Rechtsanwalt leisten.

Inhalte kostenlos übernehmen

Der eRecht24 Newsticker

kostenfreie aktuelle Inhalte zum Internetrecht

Individuell für Ihre Website angepasst!

 

SSL-Zertifikate

Steigern Sie das Vertrauen Ihrer Kunden. Für Betreiber von Onlineshops und kommerziellen Webseiten unabdingbar:

SSL-Verschlüsselung, SSL-Zertifikate und Trust-Logos

Rechnungen online erstellen

Erstellen Sie Ihre Rechnungen gemäß den Anforderungen des Finanzamts doch einfach online!

Mit easybill bequem ordnungsgemäße Rechnungen schreiben inkl. digitaler Signatur und Datenexport zum Steuerberater. Anforderungen an korrekte Rechnungen mit Mustern und Beispielen.

IT-Recht endlich verständlich

Autor Sören SiebertSören Siebert ist Rechtsanwalt mit Kanzleien in Berlin und Potsdam.

Er berät Unternehmer, Shops und Seitenbetreiber in allen Fragen des Rechts der neuen Medien.
www.kanzlei-siebert.de

Als Betreiber von eRecht24 ist er seit mehr als 15 Jahren auch als Internet-Unternehmer tätig. Deshalb finden Sie auf eRecht24 Tipps und Tricks eines spezialisierten Rechtsanwalts, aber verständlich und praxisnah erklärt.        

eRecht24 - Unsere praktischen Tools und hilfreichen Tutorials

mitgliederbereich teaser

Exklusiv für unsere Mitglieder

Alles was Webseitenbetreiber, Agenturen und Selbständige wirklich brauchen: Videos und E-Books, Musterverträge und Erstberatung, Tools und Live-Webinare.

Mehr Informationen

video tutorials teaser

eRecht24-Videos: IT-Recht verständlich

IT-Recht, endlich verständlich: Jetzt können auch Sie Ihre Website einfach und schnell abmahnsicher gestalten, wenn Sie richtig vorgehen!

Mehr Informationen

webinar teaser

Online Schulung mit Rechtsanwalt Siebert

Die 7 häufigsten Abmahnfallen auf Webseiten und wie Sie diese schnell, einfach und ohne teuren Anwalt vermeiden. So haben Abmahner bei Ihnen keine Chance!

Mehr Details
Support