eBay-Sofortkauf: Klage wegen entgangenem Schnäppchen zurückgewiesen

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Drei, zwei, eins – doch nicht meins. Wenn ein Verkäufer unmittelbar nach dem Ende eines Angebots merkt, dass er den Preis falsch angegeben hat, kann er den Kauf anfechten. Der Schnäppchenjäger hat in diesem Fall das Nachsehen, auch wenn er beim Ersteigern eigentlich alles richtig gemacht hat. So hat das Amtsgericht München entschieden, und damit für große Erleichterung seitens des Verkäufers gesorgt.

Statt 700,- nur 1,- Euro

Beim Anblick dieses Angebots dachte der Käufer nicht lange nach: Ein hochwertiger Koffer zum Sofort-Kaufen-Preis von einem Euro - da kann man eigentlich nicht daneben liegen! So wollte er auch umgehend nach dem abgeschlossenen Geschäft zu Zahlung und Kaufabwicklung übergehen. Statt der Einzelheiten zum Versand des Koffers erhielt er vom Verkäufer allerdings diese Mail: „Sorry, das war als eine Auktion gedacht! Leider waren Sie schneller, wie ich den Fehler merkte! Ich werde es von meiner Seite Annulieren, da sie die Zeit der geboten haben wie es bearbeitet wurden ist.“ Dass der Verfasser kein deutscher Muttersprachler ist, lässt sich ahnen. Wie es zu dem ungewollten Ein-Euro-Deal kam, erklärte er vor Gericht.

Unübersichtliches Verkaufsformular

Ursprünglich hatte der erfahrene eBay-Verkäufer nur eine Vorschau des Kaufangebots erstellen wollen. Dabei hatte er allerdings versehentlich den falschen von zwei genau nebeneinanderliegenden Buttons angeklickt. Und schon wenige Minuten später wurde der Mann durch ein Vibrieren des Handys über das abgeschlossene Geschäft informiert. Eilig formulierte er also die Mail, um den Fehler aufzuklären. Doch der Käufer verlangte Schadensersatz. Denn der Koffer, für den er einen Euro bezahlen wollte, war seiner Meinung nach 700,- Euro wert.

Juristendeutsch für Anfechtung nicht vorgeschrieben

Tatsächlich hat der ursprüngliche Besitzer den Artikel inzwischen in einer Auktion für 361,- Euro verkauft. Obendrein bekam er vor dem Amtsgericht München Recht. Die Angebotsseite auf eBay sei tatsächlich anfällig für einen solchen Fehler. Darüber hinaus ändere das Auktionshaus die Gestaltung so häufig, dass auch professionelle Händler die Übersicht verlieren könnten. Seine sofortige Reaktion auf die Kaufnachricht mache die Schilderung des Mannes glaubwürdig. Zwar sei der Verkauf zunächst wirksam geschlossen, dann aber durch die Mail wieder angefochten worden. Dass dabei die Worte „Fehler“ statt Irrtum“ und „annullieren“ statt „anfechten“ verwendet worden seien, habe für die Wirksamkeit der Kaufanfechtung keine Bedeutung.

Fazit:

Wer ein Schnäppchen schon fast in Händen hält, ist verständlicherweise sauer, wenn er am Ende leer ausgeht. Aber auch eBay-Händler können einmal irren. Wenn sie den Fehler schnellstmöglich aufklären und dabei glaubhaft machen können, dass es sich um ein Versehen handelt, ist auch eine Anfechtung des Verkaufs möglich.

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Autor Sören SiebertSören Siebert ist Rechtsanwalt mit Kanzleien in Berlin und Potsdam.

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