Kauf aus Versehen? – eBay-Kunde muss angebliche Handy-Fehlfunktion nachweisen

(1 Bewertung, 5.00 von 5)

Ist die Tastensperre nicht aktiviert, dann tätigt ein Smartphone in Hosentasche oder Rucksack gelegentlich Anrufe, von denen der Besitzer nichts ahnt. Konsequenzen hat das in der Regel nicht. Das Amtsgericht Aschaffenburg musste nun einen komplizierteren Fall verhandeln: Ein angeblich fehlerhaftes Smartphone sollte einen Rolls Royce bei eBay ersteigert haben; doch der Besitzer des Geräts wollte nicht zahlen.

Drei, zwei, eins – Deins!

19.999,- Euro war der „Rolls Royce Silver Shadow Serie 1“ laut Gutachten eines Sachverständigen wert. Für diesen Preis bot der Eigentümer das Fahrzeug deshalb zum Direktkauf bei eBay an. Die Summe sollte bei Übergabe des Wagens bezahlt werden. Am 10. April 2016 um 12.11 Uhr erhielt der Verkäufer eine eBay-Mitteilung über den erfolgreichen Abschluss. Nur elf Minuten später meldete sich der vermeintliche Käufer – allerdings nur, um mitzuteilen, dass er niemals den „Sofort kaufen“-Button gedrückt habe. Er wolle den Wagen deshalb nicht abholen und schon gar nicht bezahlen.

Das Smartphone als Autokäufer?

Trotz mehrfacher Aufforderung weigerte sich der eBay-Kunde, den Kauf abzuwickeln. Schließlich erklärte der Rolls-Royce-Besitzer seinen Rücktritt vom Vertrag und inserierte das Fahrzeug auf mehreren anderen Online-Plattformen. Vier Wochen später wechselte der Wagen den Besitzer, allerdings nur für 17.500,- Euro. Die Differenz forderte der Verkäufer nun als Schadensersatz. Die Sache landete vor dem Amtsgericht Aschaffenburg (Az. 130 C 60/17). Dort argumentierte der vermeintliche eBay-Käufer, dass ein Fehler seines Handys für den Sofortkauf verantwortlich gewesen sei. Die Sperrfunktion habe nicht funktioniert, obwohl er die entsprechende Taste gedrückt habe.

Sofortkauf nur in 3 Schritten möglich

Aus Sicht des Gerichts ist dennoch ein wirksamer Kaufvertrag zwischen den beiden Kontrahenten zustande gekommen. Ob der Beklagte das Angebot tatsächlich habe abgeben wollen, sei nämlich zweitrangig. Aus Sicht des Empfängers der Kauferklärung habe er den Sofortkauf nun einmal getätigt. Auch das nachträgliche Anfechten des Handels hält das Gericht für unwirksam. Der Käufer behauptete zwar, dass eine Fehlfunktion seines Handys für den Deal verantwortlich gewesen sei. Die Gegenpartei habe aber gezeigt, dass der Sofortkauf erst nach zweifacher Bestätigung abgeschlossen werden kann. Wie es zu diesen zusätzlichen Schritten habe kommen können, ließ der Beklagte allerdings offen. Er muss deshalb für den entstandenen Schaden in Höhe von 2500,- Euro und die Rechtsanwaltskosten der Gegenseite aufkommen.

Fazit

Ein Handy, das sich verselbstständigt, ist keine Seltenheit. Wer das Gerät allerdings für einen Sofortkauf im Internet verantwortlich macht, muss eine entsprechende Fehlfunktion genauer belegen. Schwierig dürfte das das vor allem dann sein, wenn der Abschluss erst nach zweifacher Bestätigung wirksam wird.

Anzeige
Sagen Sie uns Ihre Meinung zum Thema.
Diese Beiträge könnten Sie ebenfalls interessieren:
Weiterlesen...
BGH: Sind „unverbindliche Flugzeiten“ in AGB von Reiseveranstaltern zulässig? Gerade bei Flugreisen hat der Kunde ein großes Interesse daran, verbindliche Informationen zu erhalten. Dies hielt den Reiseveranstalter „TUI“ dennoch nicht d...
Weiterlesen...
Smart Contracts: Automatisieren Online-Dienste das Schreiben von Verträgen? Bisher steckt eine Menge Arbeit darin, Verträge aufzusetzen. Das könnte bald jedoch vorbei sein. Mehrere Unternehmen arbeiten daran, das Schreiben von Verträgen...
Weiterlesen...
Unzulässige Zusatzkosten: Nach Eventim-Urteil Ticketgebühren zurückfordern Veranstaltungskarten selbst ausdrucken und dafür auch noch Service-Entgelt bezahlen? Teuren Premiumversand buchen und die Tickets dann frankiert mit einer 60-Ce...
Weiterlesen...
Urheberrecht: Sind Buy-Out-Verträge in Deutschland zulässig? Der Urheber kann einzelne oder alle Nutzungsrechte an seinem Werk gem. § 31 Abs. 1 UrhG übertragen. Das Landgericht Mannheim hatte in einem aktuellen Fall zu ...
Weiterlesen...
Reisebuchung online: Kein wirksamer Vertrag, wenn der Name des Passagiers noch nicht feststeht? Bei der Online-Buchung einer Reise muss der Name der Fluggäste angegeben werden. Steht der Name eines Fluggastes bei der Buchung jedoch noch nicht fest, fragt...
Anzeige DSGVO
Anzeige

Der eRecht24 Newsletter

Immer bestens informiert

Bleiben Sie mit unseren kostenlosen Updates zum Internetrecht auf dem neuesten Stand. Infos, Urteile, Checklisten, Sonderangebote.

loading...
Jetzt Premium-Mitglied werden

Ab Heute gestalten Sie Ihre Website ohne Angst vor Abmahnwellen und ohne teuren Anwalt abmahnsicher.

Alle Videos, Live-Webinare, E-Books, Tools und zahlreiche Rabatte.

Jetzt Mitglied werden

Mehr Informationen zu eRecht24 Premium

Impressum-Generator

Keine Chance für Abmahner

Erstellen Sie kostenlos ein rechtssicheres Impressum für Ihre Website.

Jetzt Kostenlos Impressum generieren

Rechtsberatung vom Anwalt

Haben Sie ein konkretes rechtliches Problem? Dann wenden Sie sich bitte einen Anwalt. Auf unseren Seiten finden Sie zahlreiche allgemeine Informationen zum Internetrecht. Fundierte Rechtsberatung im Einzelfall kann allerdings nur ein spezialisierter Rechtsanwalt leisten.

Inhalte kostenlos übernehmen

Der eRecht24 Newsticker

kostenfreie aktuelle Inhalte zum Internetrecht

Individuell für Ihre Website angepasst!

 

SSL-Zertifikate

Steigern Sie das Vertrauen Ihrer Kunden. Für Betreiber von Onlineshops und kommerziellen Webseiten unabdingbar:

SSL-Verschlüsselung, SSL-Zertifikate und Trust-Logos

Rechnungen online erstellen

Erstellen Sie Ihre Rechnungen gemäß den Anforderungen des Finanzamts doch einfach online!

Mit easybill bequem ordnungsgemäße Rechnungen schreiben inkl. digitaler Signatur und Datenexport zum Steuerberater. Anforderungen an korrekte Rechnungen mit Mustern und Beispielen.

IT-Recht endlich verständlich

Autor Sören SiebertSören Siebert ist Rechtsanwalt mit Kanzleien in Berlin und Potsdam.

Er berät Unternehmer, Shops und Seitenbetreiber in allen Fragen des Rechts der neuen Medien.
www.kanzlei-siebert.de

Als Betreiber von eRecht24 ist er seit mehr als 15 Jahren auch als Internet-Unternehmer tätig. Deshalb finden Sie auf eRecht24 Tipps und Tricks eines spezialisierten Rechtsanwalts, aber verständlich und praxisnah erklärt.

SSL-Zertifikate, Code-Signing, S/MIMEOrdnungsgemäße Rechnungen einfach online erstellen!Suchmaschienoptimierung & OnlinemarketingRechtsschutzversicherungRechtliche OnlineShop-PrüfungFairness im Handel
Anzeige
eRecht24 - Unsere praktischen Tools und hilfreichen Tutorials

mitgliederbereich teaser

Exklusiv für unsere Mitglieder

Alles was Webseitenbetreiber, Agenturen und Selbständige wirklich brauchen: Videos und E-Books, Musterverträge und Erstberatung, Tools und Live-Webinare.

Mehr Informationen

dsgvo teaser

DSGVO Schnellstarter-Paket

Das Datenschutzrecht ändert sich ab Mai 2018 vollständig. Sind Sie bereit für die DSGVO? Mit unserem Schnellstarter-Paket sichern Sie Ihre Webseite ab.

Jetzt absichern

webinar teaser

Online Schulung mit Rechtsanwalt Siebert

Die 7 häufigsten Abmahnfallen auf Webseiten und wie Sie diese schnell, einfach und ohne teuren Anwalt vermeiden. So haben Abmahner bei Ihnen keine Chance!

Mehr Details
Support