Nacherfüllung: Darf ein Brautmodengeschäft auch kurz vor der Hochzeit nachbessern?

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Grundsätzlich dürfen Unternehmen nachbessern oder Neuware liefern, wenn ein Produkt Mängel aufweist. Gilt das auch, wenn ein Brautkleid wenige Tage vor der Hochzeit der Kundin nicht wie geplant passt? Mit dieser Frage musste sich jetzt das Landgericht (LG) Nürnberg-Fürth beschäftigen. Wie entschieden die Richter?

Kundin lässt Brautmodengeschäft nicht nachbessern

Im November 2015 kaufte eine Kundin in einem Brautmodengeschäft ein Brautkleid für gut 2.500 Euro. 2 Wochen vor der Hochzeit im Juli 2016 ließ sie das Kleid anpassen. Als sie es dann 5 Tage vor der Hochzeit abholen wollte, stellte sich heraus: Das geänderte Kleid passt nicht. Verärgert wandte sich die Kundin an eine andere Schneiderin. Diese änderte das Kleid für 450 Euro.

Zudem fühlte sich die Braut betrogen. Sie vermutete, dass ihr das Brautmodengeschäft ein gebrauchtes Kleid als neu verkauft hatte. Sie beauftragte daher eine Sachverständige. Diese stellte mehrere Mängel am Kleid fest. Für das Gutachten musste die Braut 2.500 Euro zahlen. Sie wollte jedoch weder auf den Kosten für die Nachbesserung noch für das Gutachten sitzenbleiben. Der Fall landete vor dem LG Nürnberg-Fürth.

So entschied das LG Nürnberg-Fürth über die Nacherfüllung beim Hochzeitskleid

Die Richter des LG Nürnberg-Fürth kamen zu dem Schluss: Auch kurz vor der Hochzeit hätte die Kundin dem Brautmodengeschäft die Gelegenheit geben müssen, nachzubessern (Urteil vom 27.3.2020, Az. 10 O 8200/17). Sie hätte daher erst dann eine andere Schneiderei aufsuchen dürfen, wenn das Brautmodengeschäft die Nachbesserung verweigert hätte oder diese gescheitert wäre. Denn: Das Geschäft verfügte selbst über eine eigene Schneiderei.

Das Gericht verdeutlichte, dass die Chance zur Nachbesserung nicht entfallen darf, nur weil ein Mangel vorliegt. Das gilt nur dann nicht, wenn eine Nachbesserung für einen Kunden nicht mehr zumutbar ist. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn ein Verkäufer nicht vertrauenswürdig ist. Wäre das Kleid also tatsächlich gebraucht statt neu gewesen, wäre das Brautmodengeschäft nicht mehr vertrauenswürdig gewesen. Zu diesem Ergebnis kamen die Richter jedoch nicht.

Fazit

Das Gericht wies die Klage ab. Die Braut muss die Kosten für die Nachbesserung und das Gutachten selbst tragen.

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