Reisebuchung online: Kein wirksamer Vertrag, wenn der Name des Passagiers noch nicht feststeht?

(2 Bewertungen, 5.00 von 5)

Bei der Online-Buchung einer Reise muss der Name der Fluggäste angegeben werden. Steht der Name eines Fluggastes bei der Buchung jedoch noch nicht fest, fragt sich, ob überhaupt ein wirksamer Reisevertrag zustande kommen kann. Dies hatte der BGH in einem aktuellen Fall zu entscheiden.

Kunde bucht Reise mit „noch unbekanntem“, zweitem Fluggast

Ein Online-Reisebüro verwendete zur Buchung für Flüge seiner Kunden ein automatisiertes Buchungs- und Bestellsystem. Über dieses buchte ein Verbraucher zwei Hin- und Rückflüge von Deutschland nach Zypern. Im Buchungsvorgang legte er neben seinen Daten als „Person 1“ noch einen zweiten Fluggast an, bei dem er allerdings im Namensfeld „noch unbekannt“ angab.

Das Reisebüro gab dort den Hinweis, dass eine Namensänderung der Passagiere nach der Buchung nicht mehr möglich ist. Darüber hinaus musste der dort im Buchungsvorgang angegebene Name mit dem Namen im Personalausweis oder Reisepass übereinstimmen.

Der Kunde erhielt nach abgeschlossenem Buchungsvorgang eine Buchungsbestätigung und das Online-Reisebüro belastete das Konto des Reisekunden. Kurze Zeit später wollte der Kunde telefonisch den Namen des zweiten Fluggastes angeben. Dies wurde ihm versagt, da eine solche Namensänderung nicht möglich war.

Nachdem der Fluggast die Reise angetreten war, verlangte er im Anschluss Rückzahlung des Flugpreises für den zweiten Kunden. Da sich das Reiseunternehmen weigerte, den geforderten Reisepreis zurückzuzahlen, beschritt der Kunde den Klageweg.

Anzeige

Buchung mit unbekanntem Passagier lässt keinen Reisevertrag entstehen

Der Bundesgerichtshof entschied mit Urteil von Mitte Oktober 2012 (Urteil vom 16.10.2012 – Az.: X ZR 37/12), dass zwischen den Parteien hinsichtlich des zweiten Fluggastes schon gar kein wirksamer Reisevertrag zustande gekommen war. Der Kläger hat Anspruch auf Rückzahlung des zu viel bezahlten zweiten Flugtickets.

Begründet wurde dies damit, dass der Reiseveranstalter durch den zweiten Flugpreis als ungerechtfertigt bereichert anzusehen ist, da für die zweite Person gar kein Beförderungsvertrag zustande gekommen ist. Wird ein zweiter Fluggast mit „noch unbekannt“ angegeben, so muss dies aus Sicht des Reise-Unternehmens als „Angebot“ verstanden werden, dass der Kunde sich damit das Recht vorbehalten möchte, die zweite Person später benennen zu können.

Dieses Angebot war aber vom Reiseveranstalter nach Ansicht der Karlsruher Richter schon gar nicht angenommen worden, sodass hinsichtlich dieser Person schon gar kein Beförderungsvertrag zustande kam. Dem Kunden sollte nämlich kein nachträgliches Bestimmungsrecht eingeräumt werden. Unter „noch unbekannt“ wird zum einen kein bestimmter Name für eine Person verstanden. Zum anderen wurde dem Kunden durch Absenden der Buchungsbestätigung kein solches Recht eingeräumt.

Fazit

Ein Online-Reisevertrag mit einem noch unbekannten Kunden kann laut der Entscheidung des BGH nicht zustande kommen. Reiseveranstalter sollten dementsprechend ihre Online-Formulare überarbeiten oder die Eingaben im Nachgang der Buchung überprüfen, um fehlerhafte Buchung zu verhindern.

Erst vor kurzem berichteten wir von einer Entscheidung des OLG Celle, worin dieses entschied, dass ein Reiseveranstalter die Flugzeiten nicht nachträglich ändern darf.

Anzeige
Sagen Sie uns Ihre Meinung zum Thema.
Diese Beiträge könnten Sie ebenfalls interessieren:
Weiterlesen...
Haftung, Widerruf und AGB: Was Sie zu eBay Kleinanzeigen wissen müssen Neben den Onlineauktionen hat eBay im Jahr 2005 mit „eBay Kleinanzeigen“ (früher „Kijiji“) eine Plattform für kostenlose Kleinanzeigen online gestellt. Aufgrund...
Weiterlesen...
BGH: Sind „unverbindliche Flugzeiten“ in AGB von Reiseveranstaltern zulässig? Gerade bei Flugreisen hat der Kunde ein großes Interesse daran, verbindliche Informationen zu erhalten. Dies hielt den Reiseveranstalter „TUI“ dennoch nicht d...
Weiterlesen...
Groupon & Co: Hat ein Gutschein-Käufer Anspruch auf Schadensersatz gegen das Gutscheinportal? Das Gutschein-Portal Groupon ist dafür bekannt, besonders attraktive Leistungen mittels Gutschein anzubieten. Doch was passiert, wenn man als Kunden den Gutsc...
Weiterlesen...
AGB: Rücklastschrift-Gebühr bei Germanwings unzulässig Schon vor einiger Zeit haben wir über die Geschäftspraktiken und die Preispolitik von Billigfliegern berichtet.Nun hatte sich auch der Bundesgerichtshof mit dem...
Weiterlesen...
Online-Gaming: Können Anbieter von Free-to-play-Games Spieler ausschließen? Kostenlose Spiele im Internet boomen. Nun hat das Amtsgericht Karlsruhe entschieden, ob Anbieter dieser Spiele angemeldete Spieler von der Nutzung ausschließe...
Anzeige DSGVO
Anzeige

Der eRecht24 Newsletter

Immer bestens informiert

Bleiben Sie mit unseren kostenlosen Updates zum Internetrecht auf dem neuesten Stand. Infos, Urteile, Checklisten, Sonderangebote.

loading...
Jetzt Premium-Mitglied werden

Ab Heute gestalten Sie Ihre Website ohne Angst vor Abmahnwellen und ohne teuren Anwalt abmahnsicher.

Alle Videos, Live-Webinare, E-Books, Tools und zahlreiche Rabatte.

Jetzt Mitglied werden

Mehr Informationen zu eRecht24 Premium

Impressum-Generator

Keine Chance für Abmahner

Erstellen Sie kostenlos ein rechtssicheres Impressum für Ihre Website.

Jetzt Kostenlos Impressum generieren

Rechtsberatung vom Anwalt

Haben Sie ein konkretes rechtliches Problem? Dann wenden Sie sich bitte einen Anwalt. Auf unseren Seiten finden Sie zahlreiche allgemeine Informationen zum Internetrecht. Fundierte Rechtsberatung im Einzelfall kann allerdings nur ein spezialisierter Rechtsanwalt leisten.

Inhalte kostenlos übernehmen

Der eRecht24 Newsticker

kostenfreie aktuelle Inhalte zum Internetrecht

Individuell für Ihre Website angepasst!

 

SSL-Zertifikate

Steigern Sie das Vertrauen Ihrer Kunden. Für Betreiber von Onlineshops und kommerziellen Webseiten unabdingbar:

SSL-Verschlüsselung, SSL-Zertifikate und Trust-Logos

Rechnungen online erstellen

Erstellen Sie Ihre Rechnungen gemäß den Anforderungen des Finanzamts doch einfach online!

Mit easybill bequem ordnungsgemäße Rechnungen schreiben inkl. digitaler Signatur und Datenexport zum Steuerberater. Anforderungen an korrekte Rechnungen mit Mustern und Beispielen.

IT-Recht endlich verständlich

Autor Sören SiebertSören Siebert ist Rechtsanwalt mit Kanzleien in Berlin und Potsdam.

Er berät Unternehmer, Shops und Seitenbetreiber in allen Fragen des Rechts der neuen Medien.
www.kanzlei-siebert.de

Als Betreiber von eRecht24 ist er seit mehr als 15 Jahren auch als Internet-Unternehmer tätig. Deshalb finden Sie auf eRecht24 Tipps und Tricks eines spezialisierten Rechtsanwalts, aber verständlich und praxisnah erklärt.

SSL-Zertifikate, Code-Signing, S/MIMEOrdnungsgemäße Rechnungen einfach online erstellen!Suchmaschienoptimierung & OnlinemarketingDatenschutzRechtliche OnlineShop-PrüfungFairness im Handel
Anzeige
eRecht24 - Unsere praktischen Tools und hilfreichen Tutorials

mitgliederbereich teaser

Exklusiv für unsere Mitglieder

Alles was Webseitenbetreiber, Agenturen und Selbständige wirklich brauchen: Videos und E-Books, Musterverträge und Erstberatung, Tools und Live-Webinare.

Mehr Informationen

dsgvo teaser

DSGVO Schnellstarter-Paket

Das Datenschutzrecht ändert sich ab Mai 2018 vollständig. Sind Sie bereit für die DSGVO? Mit unserem Schnellstarter-Paket sichern Sie Ihre Webseite ab.

Jetzt absichern

webinar teaser

Online Schulung mit Rechtsanwalt Siebert

Die 7 häufigsten Abmahnfallen auf Webseiten und wie Sie diese schnell, einfach und ohne teuren Anwalt vermeiden. So haben Abmahner bei Ihnen keine Chance!

Mehr Details
Support