Flugbuchung im Netz: Dürfen Buchungsportale den Kunden Versicherungen aufdrängen?

(2 Bewertungen, 5.00 von 5)

Viele Reiseunternehmen sind wahre Meister darin, dem Kunden bei Flugbuchungen mehr oder weniger sinnvolle Zusatzleistungen unterzuschieben. Als Kunde muss man diese Versicherungen dann erst wieder wegklicken, bevor man den eigentlichen Flug buchen kann. Aber ist es überhaupt erlaubt, dem Kunden Versicherungen und andere Dienste aufzudrängen?

Ablehnung von Zusatzleistungen nicht auf den ersten Blick ersichtlich

Eine Fluggesellschaft bot auf der eigenen Internetseite ein Online-Buchungssystem an. Dabei konnte der Kunde zusätzlich zum Flugticket auch eine Reiseversicherung buchen. Der Nutzer konnte den Buchungsvorgang aber nur dann fortsetzen, wenn er den Abschluss der Versicherung entweder annahm oder ablehnte. Bei der Ablehnung ergaben sich für den Kunden jedoch einige Schwierigkeiten: Hierfür musste er aus einer Drop-down-box mit dem Titel „Wählen Sie ein Wohnsitzland“ die zwischen den Ländernamen „Latvia“ und „Lithuania“ eingebettete Angabe „Nicht versichern“ wählen.

Ein Wettbewerbsverein sah hierin ein Wettbewerbsverstoß und klagte gegen die Fluggesellschaft. Die Verbraucherschützer waren der Ansicht, das Unternehmen sei seiner Informationspflicht nicht ausreichend nachgekommen. Das Landgericht teilte die Meinung des Vereins und verurteilte die Gesellschaft zum Unterlassen der Geschäftspraktik. Hiergegen legte das betroffene Unternehmen Berufung ein. Nun musste das Oberlandesgericht Frankfurt am Main den Fall entscheiden.

Möglichkeit der Ablehnung darf auf der Internetseite nicht versteckt werden

Das Oberlandesgericht Frankfurt am Main (Urteil vom 09. Oktober 2014, Az. 6 U 148/13) bestätigte die Entscheidung des Landgerichts. Die Richter stellten klar, dass Zusatzleistungen über ein sogenanntes opt-in-Verfahren buchbar sein müssen. Die Fluggesellschaft darf daher Zusatzleistungen nur anbieten, wenn der Kunde ausdrücklich in diese vorher einwilligt. Dem liegt die Erwägung zugrunde, dass der Kunde eine bewusste und informierte Entscheidung darüber treffen soll, ob er die angebotene Zusatzleistung hinzubuchen will oder nicht. Diesem opt-in-Erfordernis wird zwar auch ein Buchungsvorgang gerecht, welcher erst fortgesetzt werden kann, wenn der Kunde die Zusatzleistung ablehnt oder annimmt. Allerdings muss das Buchungssystem dann den Grundsätzen der Klarheit, Transparenz und Eindeutigkeit genügen.

Das Gericht war der Ansicht, dass das Unternehmen gegen diese Grundsätze verstoßen hat. Für den Kunden bestand keine keine klare Entscheidungsmöglichkeit. Die Anordnung der „Nicht versichern“- Option in der Kategorie „Bitte wählen Sie ein Wohnsitzland“ war so ungewöhnlich war, dass der Kunde die Möglichkeit der Ablehnung nur unter erschwerten Umständen auffinden konnte. Somit sieht sich der Internetnutzer einer Lage ausgesetzt, in welcher er sich notgedrungen zur Buchung der Zusatzleistung entschließt, obwohl er an dieser möglicherweise gar kein Interesse hat.

Fazit:

Fluggesellschaften dürfen Zusatzleistungen bei Online-Flugbuchungen nur dann anbieten, wenn dem Kunden die Möglichkeit gegeben wird, diese auch abzulehnen. Die Möglichkeit der Ablehnung darf dabei nicht auf der Internetseite versteckt werden.

Anzeige
Sagen Sie uns Ihre Meinung zum Thema.
Diese Beiträge könnten Sie ebenfalls interessieren:
Weiterlesen...
Buttonlösung in der Praxis: Abofallenbetreiber vor Gericht Die sogenannte Button-Lösung verpflichtet Händler dazu, auf dem Bestellbutton deutlich zu machen, dass die Bestellung kostenpflichtig ist. Dennoch kommen viel...
Weiterlesen...
EDV-Verträge: Kündigung eines Internet-System-Vertrags Erst Anfang 2010 stufte der BGH die Rechtsnatur des sog. Internet-System-Vertrags als Werkvertrag ein. In einem aktuellen BGH-Urteil von März 2011 hingegen gi...
Weiterlesen...
Reisebuchungen im Netz: Gibt es hier ein Widerrufsrecht? Lassen sich auch im Internet gebuchte Reisen widerrufen? Falls ja, wäre das eine Alternative zum Reiserücktritt. So leicht ist es aber leider oft nicht. Aber es...
Weiterlesen...
AGB: Dürfen Unternehmer eine Zahlungsfrist von 3 Monaten regeln? Wer als Unternehmer regelmäßig Verträge schließt, setzt dafür meist AGB ein. Das erleichtert die Abwicklung, weil immer wieder die gleichen Vertragstexte verwen...
Weiterlesen...
iPad & Co.: Kann ein Darlehensvertrag wirksam per Tablet abgeschlossen werden? Spätestens mit der Veröffentlichung des iPads der Firma Apple sind Tablet-PCs zur neuen Erfolgsgeschichte im Bereich der Unterhaltungselektronik avanciert. Ob d...
Anzeige DSGVO

Der eRecht24 Newsletter

Immer bestens informiert

Bleiben Sie mit unseren kostenlosen Updates zum Internetrecht auf dem neuesten Stand. Infos, Urteile, Checklisten, Sonderangebote.

Hinweis: Sie können den Newsletter von eRecht24  jederzeit und kostenfrei abbestellen. Ihre Daten werden nur zum Versand des Newsletters genutzt. Wir geben Ihre Daten nicht weiter. Mehr Informationen zum Umgang mit Nutzer-Daten finden Sie in unserer Datenschutz-Erklärung.

loading...
Jetzt Premium-Mitglied werden

Ab Heute gestalten Sie Ihre Website ohne Angst vor Abmahnwellen und ohne teuren Anwalt abmahnsicher.

Alle Videos, Live-Webinare, E-Books, Tools und zahlreiche Rabatte.

Jetzt Mitglied werden

Mehr Informationen zu eRecht24 Premium

Impressum-Generator

Keine Chance für Abmahner

Erstellen Sie kostenlos ein rechtssicheres Impressum für Ihre Website.

Jetzt Kostenlos Impressum generieren

Rechtsberatung vom Anwalt

Haben Sie ein konkretes rechtliches Problem? Dann wenden Sie sich bitte einen Anwalt. Auf unseren Seiten finden Sie zahlreiche allgemeine Informationen zum Internetrecht. Fundierte Rechtsberatung im Einzelfall kann allerdings nur ein spezialisierter Rechtsanwalt leisten.

Inhalte kostenlos übernehmen

Der eRecht24 Newsticker

kostenfreie aktuelle Inhalte zum Internetrecht

Individuell für Ihre Website angepasst!

 

SSL-Zertifikate

Steigern Sie das Vertrauen Ihrer Kunden. Für Betreiber von Onlineshops und kommerziellen Webseiten unabdingbar:

SSL-Verschlüsselung, SSL-Zertifikate und Trust-Logos

Rechnungen online erstellen

Erstellen Sie Ihre Rechnungen gemäß den Anforderungen des Finanzamts doch einfach online!

Mit easybill bequem ordnungsgemäße Rechnungen schreiben inkl. digitaler Signatur und Datenexport zum Steuerberater. Anforderungen an korrekte Rechnungen mit Mustern und Beispielen.

IT-Recht endlich verständlich

Autor Sören SiebertSören Siebert ist Rechtsanwalt mit Kanzleien in Berlin und Potsdam.

Er berät Unternehmer, Shops und Seitenbetreiber in allen Fragen des Rechts der neuen Medien.
www.kanzlei-siebert.de

Als Betreiber von eRecht24 ist er seit mehr als 15 Jahren auch als Internet-Unternehmer tätig. Deshalb finden Sie auf eRecht24 Tipps und Tricks eines spezialisierten Rechtsanwalts, aber verständlich und praxisnah erklärt.

SSL-Zertifikate, Code-Signing, S/MIMEOrdnungsgemäße Rechnungen einfach online erstellen!Suchmaschienoptimierung & OnlinemarketingDatenschutzRechtliche OnlineShop-PrüfungFairness im Handel
Anzeige
eRecht24 - Unsere praktischen Tools und hilfreichen Tutorials

mitgliederbereich teaser

Exklusiv für unsere Mitglieder

Alles was Webseitenbetreiber, Agenturen und Selbständige wirklich brauchen: Videos und E-Books, Musterverträge und Erstberatung, Tools und Live-Webinare.

Mehr Informationen

dsgvo teaser

DSGVO Schnellstarter-Paket

Das Datenschutzrecht ändert sich ab Mai 2018 vollständig. Sind Sie bereit für die DSGVO? Mit unserem Schnellstarter-Paket sichern Sie Ihre Webseite ab.

Jetzt absichern

webinar teaser

Online Schulung mit Rechtsanwalt Siebert

Die 7 häufigsten Abmahnfallen auf Webseiten und wie Sie diese schnell, einfach und ohne teuren Anwalt vermeiden. So haben Abmahner bei Ihnen keine Chance!

Mehr Details
Support