Sex sells: Wie viele Orgasmen stecken in 7 Kondomen?

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„Das Image von Kondomen könnte besser sein“, dachte sich ein Unternehmen aus Berlin und möbelte die eigene Produktverpackung auf. Der aufgedruckte Werbeslogan war für das Landgericht Düsseldorf aber zu viel des Guten.

Werbeslogan auf Kondomverpackung verärgert Konkurrenten

Das Gericht musste sich mit der Werbeaussage „1 Tüte a 7 Stück entspricht bis zu 21 Orgasmen“ beschäftigen, die auf die Rückseite der Tüte unter der Überschrift „Mehrwerte“ aufgedruckt war. Dort konnten die Käufer auch andere Informationen, wie z.B. das „Abtropfgewicht“ oder „Kann Spuren von Feenstaub enthalten“ finden. Auch fand sich dort der Hinweis, dass das Unternehmen ein Teil der Einnahmen an gemeinnützige Projekte spendet. Ein Konkurrent wurde auf die Kondome aufmerksam und mahnte das Unternehmen ab.

Der Slogan täusche die Kunden über den wichtigen Umstand, dass Kondome nur einmal benutzt werden können. Um insgesamt 21 Orgasmen zu erzeugen, müssten die Kunden jedes Kondom aber drei Mal verwenden. Der Hersteller verteidigte sich damit, der Slogan greife nur in humorvoller Weise das „unter Männern und Frauen sensible Thema der multiplen Orgasmen auf.“ Gerade Frauen sei klar, dass sich die Anzahl der Orgasmen nicht nur auf den Mann, sondern sich auch auf die möglichen Höhepunkte der Sexualpartner beziehe.

Zudem enthalt die der Packung beiliegende Beilage alle gesetzlichen Pflichtangaben. Eine Mehrfachbenutzung des gleichen Kondoms durch die Kunden sei nicht zu befürchten. Das Landgericht Düsseldorf hat jetzt eine Entscheidung getroffen.

Werbung täuscht Kunden über die richtige Verwendung von Kondomen

Das Landgericht Düsseldorf (Urteil vom 26. November 2015, Az. 14c O 124/15) hielt den Werbespruch für unzulässig. Hersteller von Medizinprodukten (hierzu gehören auch Kondome) dürfen die Kunden nicht über die richtige Anwendung des Produkts täuschen. Der Aufdruck auf der Verpackung begründet die Gefahr, dass die Käufer zur mehrfachen Benutzung der Kondome veranlasst werden. Gerade bei jungen Käufern kann die Werbung einen falschen Eindruck erzeugen.

Eine Stellungnahme des „Jugend gegen AIDS e.V.“ zeigt, dass die Infektionsraten sexuell übertragbarer Krankheiten bei Jugendlichen stark ansteigen. Zur Vermeidung dieses Problems ist besondere Aufklärungsarbeit nötig. Gerade Angaben auf den Verpackungen von Verhütungsmitteln müssen eindeutig sein. Für die Käufer wird auf den ersten Blick nicht klar, dass sich der Hersteller einen Spaß erlaubt hat. Die Rückseite der Produktverpackung enthielt neben den lustigen Sprüchen auch seriöse Angaben. Die Kunden können somit nicht richtig unterscheiden, ob der Slogan ernst gemeint ist.

Die Produktbeilage hielt das Gericht nicht für geeignet, eine Fehlvorstellung auszuräumen. Es nicht klar, dass jeder Konsument diese auch wirklich vor der Benutzung zur Kenntnis nimmt.

Fazit:

Bei der Gesundheit der Kunden hört für das Landgericht Düsseldorf der Spaß auf. Für die Werbung für Medizinprodukte herrschen strenge Regeln. Mehrdeutige Werbeslogans sind unzulässig. Hersteller von Kondomen müssen sicherstellen, dass die Kunden die Verhütungsmittel auch richtig anwenden.

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