Werbung: Müssen Händler Herstellerangaben überprüfen, um damit zu werben?

(1 Bewertung, 5.00 von 5)

Produkte werden häufig mit ihren besonderen Eigenschaften beworben. Vor allem Inhaltsstoffe, Macharten oder das Produktmaterial werden dafür aufgezählt, um den Kunden vom Produkt zu überzeugen. Aber darf sich der Händler auch auf Aussagen seines Herstellers verlassen?

eBay-Händler übernahm Aussage des Herstellers

Der Fall dreht sich um einen Händler, der im Internet einen Holz-Balkontisch verkaufte. Der Händler verkaufte unter anderem in seinem Möbelgeschäft seine Waren. Auch auf eBay bot er aber seine Möbel an. Dort bewarb der Händler einen Balkonklapptisch vom Typ „Menton“ mit der Aussage „Balkontisch Klapptisch 100 x 50 cm/ Gartentisch Yellow Balau“.

Die Bezeichnung Yellow Balau wird für die Holzart „Bangkirai“ verwendet. Der Kunde konnte aus der Artikelbeschreibung also entnehmen, dass für die Herstellung des Tisches das Bangkirai-Holz verwendet worden war. Der Gartentisch war aber stattdessen aus der Holzsorte „Kedongdong“ gefertigt worden. Hiergegen ging ein Wettbewerbsverein vor, da der Verein die Artikelbeschreibung wegen der Falschbezeichnung für irreführend hielt.

Händler darf nicht „blind“ Herstellerangaben verwenden

Das Landgericht Düsseldorf gab dem Wettbewerbsverein mit seinem Urteil vom 28.10.2015 (Az. 12 O 348/14) Recht. Es sah die Artikelbeschreibung ebenfalls als irreführend an, da das Material des Holztisches falsch angegeben war. Der Kunde geht bei dieser Artikelbeschreibung stets davon aus, dass die Holzsorte „Bangkirai“ das Material des Tisches ist. Das tatsächliche Material war aber ein anderes.

Der Händler hatte sich damit verteidigt, dass er nur die Materialangaben des Herstellers übernommen hatte. Da der Händler aber selbst die Materialangaben für die Bewerbung des Tisches verwendet hatte, hätte er die Richtigkeit zuvor prüfen müssen. So jedenfalls argumentierte das Gericht.

Fazit:

Das Urteil zeigt, dass Händler nicht „blind“ Angaben der Hersteller zu ihren Produkten übernehmen dürfen. Sobald sie die Produkte selbst mit den Materialangaben bewerben, müssen Sie diese Angaben auch überprüfen. Andernfalls kann eine Irreführung vorliegen, wenn sich die Angaben als falsch herausstellen.

Anzeige
Kommentare  
Reichling
0 # Reichling 07.11.2019, 10:24 Uhr
Sehr intressant,
das heisst der Hersteller darf ab sofort alles angeben wie er lustig ist und ich müsste hier jede Artikelbeschreibung überprüfen und auch dafür haften. Finde ich absolut ungerechtfertigt, zumal ein Händler teils garnicht so tief in der Materie drinnen ist, wie es der Hersteller sein sollte.
In dem Fall ist es zweierlei ob ich Möbel verkaufe oder ob ich aus dem Einkauf die genau Bezeichnung des Holzes kenne. Nehmen wir ein Heimiches Holz, Fichte und Tanne, ich glaube das die wenigsten Händler da einen Unterschied sehen.

Auch sehe ichmit dem Urteil die gefahr, dass der Händler zwischen die Fronten großer Hersteller gerät und dadurch im schlimmsten fall sogar den Laden dicht machen muss, nur weil er geglaubt hat das sein Lieferant/Hersteller ihn nicht betrogen hat. Im Grund ist doich auch der Händler nur ein "Kunde" der bei dem heute erforderlichen Angebot garnicht alle Produkte bis in die volle Tiefe kennen kann.

Nehme ich ein Beispiel aus meiner Branche, hier Werben die jeweils beiden größten Hersteller das richtige ergonomie Konzept zu haben. Fakt ist, das beide einen unterschiedlichen Ansatz haben und beide Produkte jeweils dem einen oder dem anderen Kunden besser helfen. Um alle Werbeversprechen überprüfen zu können müsste ich schon einen Doktor Titel in der Medizin haben. So sieht das Frauenbecken für Demonstrationszwecke bei dem einen anders geformt aus als bei dem anderen. Was ist jetzt das richtige und welches kommt im schnitt öfters vor im alltag? Hier kann ich nur darauf vertrauen, dass der Hersteller das wohl überprüft hat, wenn aber unterschiedliche Becken gezeigt werden fehlt mir schlicht die medizinische Vorahnung um zu entscheiden welches wohl das richhtige ist.

Oder nehmen wir den CO2 Ausstoß von Autos, Kaum ein Händler wird wohl jedes Modell auf einen eigenen Teststand schicken um die Werbeversprechen zu überprüfen. Akkureichweite beim Pedelec, auch hier wieder aus meiner Branche, geworben wird teils mit 180km Reichweite, In der Realität bleiben oft nur ca. 60km. Klar das der Kunde dann verärgert ist.
Antworten | Antworten mit Zitat | Zitieren | Dem Administrator melden
Sagen Sie uns Ihre Meinung zum Thema.
Captcha Aktualisieren
Diese Beiträge könnten Sie ebenfalls interessieren:
Weiterlesen...
Verdacht auf Konkurrenztätigkeit: Einsatz einer Detektei erlaubt? Beschäftigte müssen sich ihrem Arbeitgeber gegenüber loyal verhalten – sie dürfen somit nicht zu ihm in Konkurrenz treten, also z. B. die gleiche Dienstleistung...
Weiterlesen...
Google Places: Abmahnungen wegen falscher Ortsangabe? Das Landgericht (LG) München I hat sich kürzlich mit der Frage beschäftigt, ob falsche Angaben über den Geschäftssitz im Google Places-Profil als irreführende W...
Weiterlesen...
Marktmacht: US-Justizausschuss untersucht Monopolstellung von Internetkonzernen Der enorme Einfluss einiger weniger IT-Unternehmen auf die digitalen Märkte beunruhigt Demokraten und Republikaner im Repräsentantenhaus. Die Abgeordneten wolle...
Weiterlesen...
Produktnamen: Irreführung trotz behördlicher Genehmigung möglich? Immer wieder müssen sich Händler wegen angeblicher Irreführung der Kunden vor Gericht verantworten. Das OLG Hamburg musste aktuell entscheiden, ob eine Irrefü...
Weiterlesen...
Werbung: Dürfen Händler Tee als „gesund“ bezeichnen? Händler dürfen bei ihren Produkte nur eingeschränkt mit Vorteilen für die Gesundheit des Kunden werben. Dies zeigt auch eine neue Entscheidung des Kammergericht...
Anzeige DSGVO

Der eRecht24 Newsletter

Immer bestens informiert

Bleiben Sie mit unseren kostenlosen Updates zum Internetrecht auf dem neuesten Stand. Infos, Urteile, Checklisten, Sonderangebote.

Hinweis: Sie können den Newsletter von eRecht24  jederzeit und kostenfrei abbestellen. Ihre Daten werden nur zum Versand des Newsletters genutzt. Wir geben Ihre Daten nicht weiter. Mehr Informationen zum Umgang mit Nutzer-Daten finden Sie in unserer Datenschutz-Erklärung.

loading...
Jetzt Premium-Mitglied werden

Ab Heute gestalten Sie Ihre Website ohne Angst vor Abmahnwellen und ohne teuren Anwalt abmahnsicher.

Alle Videos, Live-Webinare, E-Books, Tools und zahlreiche Rabatte.

Jetzt Mitglied werden

Mehr Informationen zu eRecht24 Premium

Impressum-Generator

Keine Chance für Abmahner

Erstellen Sie kostenlos ein rechtssicheres Impressum für Ihre Website.

Jetzt Kostenlos Impressum generieren

Rechtsberatung vom Anwalt

Haben Sie ein konkretes rechtliches Problem? Dann wenden Sie sich bitte einen Anwalt. Auf unseren Seiten finden Sie zahlreiche allgemeine Informationen zum Internetrecht. Fundierte Rechtsberatung im Einzelfall kann allerdings nur ein spezialisierter Rechtsanwalt leisten.

Inhalte kostenlos übernehmen

Der eRecht24 Newsticker

kostenfreie aktuelle Inhalte zum Internetrecht

Individuell für Ihre Website angepasst!

 

SSL-Zertifikate

Steigern Sie das Vertrauen Ihrer Kunden. Für Betreiber von Onlineshops und kommerziellen Webseiten unabdingbar:

SSL-Verschlüsselung, SSL-Zertifikate und Trust-Logos

Rechnungen online erstellen

Erstellen Sie Ihre Rechnungen gemäß den Anforderungen des Finanzamts doch einfach online!

Mit easybill bequem ordnungsgemäße Rechnungen schreiben inkl. digitaler Signatur und Datenexport zum Steuerberater. Anforderungen an korrekte Rechnungen mit Mustern und Beispielen.

IT-Recht endlich verständlich

Autor Sören SiebertSören Siebert ist Rechtsanwalt mit Kanzleien in Berlin und Potsdam.

Er berät Unternehmer, Shops und Seitenbetreiber in allen Fragen des Rechts der neuen Medien.
www.kanzlei-siebert.de

Als Betreiber von eRecht24 ist er seit mehr als 15 Jahren auch als Internet-Unternehmer tätig. Deshalb finden Sie auf eRecht24 Tipps und Tricks eines spezialisierten Rechtsanwalts, aber verständlich und praxisnah erklärt.

SSL-Zertifikate, Code-Signing, S/MIMEOrdnungsgemäße Rechnungen einfach online erstellen!Suchmaschienoptimierung & OnlinemarketingDatenschutzRechtliche OnlineShop-PrüfungFairness im Handel
Anzeige
eRecht24 - Unsere praktischen Tools und hilfreichen Tutorials

mitgliederbereich teaser

Exklusiv für unsere Mitglieder

Alles was Webseitenbetreiber, Agenturen und Selbständige wirklich brauchen: Videos und E-Books, Musterverträge und Erstberatung, Tools und Live-Webinare.

Mehr Informationen

dsgvo teaser

DSGVO Schnellstarter-Paket

Das Datenschutzrecht ändert sich ab Mai 2018 vollständig. Sind Sie bereit für die DSGVO? Mit unserem Schnellstarter-Paket sichern Sie Ihre Webseite ab.

Jetzt absichern

webinar teaser

Online Schulung mit Rechtsanwalt Siebert

Die 7 häufigsten Abmahnfallen auf Webseiten und wie Sie diese schnell, einfach und ohne teuren Anwalt vermeiden. So haben Abmahner bei Ihnen keine Chance!

Mehr Details
Support