Wettbewerbsrecht: Gütesiegel ohne weitere Erläuterung unzulässig

(1 Bewertung, 5.00 von 5)

Das Unternehmen Galeria Kaufhof darf Wäsche in seinem Online-Shop nicht mehr allgemein als „umweltfreundlich und/oder sozialverträglich hergestellt“ kennzeichnen. Nach einem Urteil des Landgerichts Köln müssen Verbraucher klar erkennen können, welche der beiden Eigenschaften tatsächlich für ein Produkt zutrifft. Außerdem fordert das Gericht genauere Angaben zur Begründung.

Werbung mit besonderen Auszeichnungen

Fair gehandelt, schadstoffarm, aus nachhaltiger Produktion – auch beim Textilienkauf werden Online-Shopper mit einer unüberschaubaren Vielfalt von Qualitätslabeln konfrontiert. Neben unabhängig vergebenen Siegeln von staatlichen Einrichtungen oder Nichtregierungsorganisationen schafft die Industrie immer mehr eigene Auszeichnungen, um die Attraktivität der eigenen Produkte zu erhöhen. Da die verwendeten Begriffe häufig nicht geschützt sind, ist die Aussagekraft vieler Zeichen gering.

Kontrolle ist gut, Vertrauen ist einfacher?

Genau das hat man auch beim Einzelhändler Galeria Kaufhof erkannt, und kurzerhand ein weiteres Label kreiert. Ein grünes Blatt mit der Aufschrift „natürlich GALERIA“ soll den Kunden das Gefühl vermitteln, „etwas Gutes… für Mensch und Umwelt“ zu tun. So beworbene Ware sei entweder „besonders umweltfreundlich oder sozialverträglich hergestellt – oft auch beides“, erklärt das Unternehmen auf seiner Webseite. Welche Aspekte der Produktion beim jeweiligen Produkt zu der Auszeichnung führen, behält Galeria Kaufhof für sich: „Vertrauen Sie uns!“ heißt es weiter.

Kunde muss sich selbst ein Urteil bilden können

Der Bundesverband der Verbraucherzentralen sah darin einen Verstoß gegen das Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb. Demnach müssen Verbraucher nämlich alle wesentlichen Informationen erhalten, um eine unabhängige Kaufentscheidung treffen zu können. In dem vor dem Landgericht Köln verhandelten Fall ging es um die Beschreibung eines Mädchen-BHs. Ohne weitere Erklärungen war das Wäschestück als „besonders umweltfreundlich und/oder sozialverträglich“ bezeichnet worden. Das Gericht gab den Verbraucherschützern recht: Künftig muss Galeria Kaufhof bei entsprechender Werbung genauere Erläuterungen zur Umwelt- oder Sozialverträglichkeit liefern.

Fazit:

Gütesiegel wie das „Natürlich Galeria“-Zeichen von Kaufhof können auch Verwirrung stiften: dann nämlich, wenn sie sehr allgemein positive Produkteigenschaften suggerieren, die Verbraucher nicht nachvollziehen können. Eine Werbung als „besonders umweltfreundlich und/oder sozialverträglich“ verstößt außerdem noch gegen das Wettbewerbsrecht.

Praxis-Tipp
Für mehr Informationen nehmen Sie einfach an unserem kostenlosen Webinar "Die 7 häufigsten Abmahnfallen auf Webseiten" teil:

Kommentare  
Stefan
0 # Stefan 25.04.2018, 10:17 Uhr
Hallo,
ist aber schon recht alt die Meldung (11/2017-12/2017).
Immer so aktuell?
Antworten | Antworten mit Zitat | Zitieren | Dem Administrator melden
Sagen Sie uns Ihre Meinung zum Thema.
Diese Beiträge könnten Sie ebenfalls interessieren:
Weiterlesen...
LG Frankfurt/Main: Wettbewerbsverletzung durch Abofallen-Betreiber Über die Betreiber von so genannten Abofallen haben wir und zahlreiche andere Medienformate schon zu Genüge berichtet – scheinbar geht es den Ab...
Weiterlesen...
Marketing: Werbung mit „0 € Bargeldabhebungsgebühr weltweit“ auf dem Prüfstand Werben Banken mit weltweit kostenlosen Bargeldabhebungen, müssen sie diese Werbeversprechen natürlich auch einhalten. Das musste nun auch die Barclays Bank fest...
Weiterlesen...
Achtung Händler: Pflicht zum Rückruf von Produkten mit verbotenen Werbeaussagen? Werden Händler wegen unzulässiger Werbung verurteilt, dürfen sie diese nicht mehr verwenden. Aber müssen sie auch Produkte zurückrufen, auf denen die verbotene ...
Weiterlesen...
OLG München: Wann ist ein Champagner Sorbet wirklich ein Champagner Sorbet? Die Werbung für Produkte stellt Händler immer wieder vor neue (rechtliche) Herausforderungen. Kürzlich musste das Oberlandesgericht München entscheiden, wann Un...
Weiterlesen...
Made in Germany: „Germany“ kann Kunden über Herstellungsort täuschen Deutsche Produktion verspricht für viele Kunden gute Qualität. Das Oberlandesgericht Frankfurt am Main musste entscheiden, wann sie der Begriff „Germany“ über d...
Anzeige Datenschutz-Kit
Anzeige
Anzeige

Der eRecht24 Newsletter

Immer bestens informiert

Bleiben Sie mit unseren kostenlosen Updates zum Internetrecht auf dem neuesten Stand. Infos, Urteile, Checklisten, Sonderangebote.

Prüfen Sie, ob Ihre Widerrufsbelehrung aktuell ist.

Geben Sie die URL Ihrer Widerrufsbelehrung ein.
Beispiel Shop: http://www.shopxyz.de/widerruf.html
Beispiel eBay: http://www.ebay.de/usr/EBAYUSER

loading...
Jetzt Premium-Mitglied werden

Ab Heute gestalten Sie Ihre Website ohne Angst vor Abmahnwellen und ohne teuren Anwalt abmahnsicher.

Alle Videos, Live-Webinare, E-Books, Tools und zahlreiche Rabatte.

Jetzt Mitglied werden

Mehr Informationen zu eRecht24 Premium

Impressum-Generator

Keine Chance für Abmahner

Erstellen Sie kostenlos ein rechtssicheres Impressum für Ihre Website.

Jetzt Kostenlos Impressum generieren

Rechtsberatung vom Anwalt

Haben Sie ein konkretes rechtliches Problem? Dann wenden Sie sich bitte einen Anwalt. Auf unseren Seiten finden Sie zahlreiche allgemeine Informationen zum Internetrecht. Fundierte Rechtsberatung im Einzelfall kann allerdings nur ein spezialisierter Rechtsanwalt leisten.

Inhalte kostenlos übernehmen

Der eRecht24 Newsticker

kostenfreie aktuelle Inhalte zum Internetrecht

Individuell für Ihre Website angepasst!

 

SSL-Zertifikate

Steigern Sie das Vertrauen Ihrer Kunden. Für Betreiber von Onlineshops und kommerziellen Webseiten unabdingbar:

SSL-Verschlüsselung, SSL-Zertifikate und Trust-Logos

Rechnungen online erstellen

Erstellen Sie Ihre Rechnungen gemäß den Anforderungen des Finanzamts doch einfach online!

Mit easybill bequem ordnungsgemäße Rechnungen schreiben inkl. digitaler Signatur und Datenexport zum Steuerberater. Anforderungen an korrekte Rechnungen mit Mustern und Beispielen.

IT-Recht endlich verständlich

Autor Sören SiebertSören Siebert ist Rechtsanwalt mit Kanzleien in Berlin und Potsdam.

Er berät Unternehmer, Shops und Seitenbetreiber in allen Fragen des Rechts der neuen Medien.
www.kanzlei-siebert.de

Als Betreiber von eRecht24 ist er seit mehr als 15 Jahren auch als Internet-Unternehmer tätig. Deshalb finden Sie auf eRecht24 Tipps und Tricks eines spezialisierten Rechtsanwalts, aber verständlich und praxisnah erklärt.        

eRecht24 - Unsere praktischen Tools und hilfreichen Tutorials

mitgliederbereich teaser

Exklusiv für unsere Mitglieder

Alles was Webseitenbetreiber, Agenturen und Selbständige wirklich brauchen: Videos und E-Books, Musterverträge und Erstberatung, Tools und Live-Webinare.

Mehr Informationen

dsgvo teaser

DSGVO Schnellstarter-Paket

Das Datenschutzrecht ändert sich ab Mai 2018 vollständig. Sind Sie bereit für die DSGVO? Mit unserem Schnellstarter-Paket sichern Sie Ihre Webseite ab.

Jetzt absichern

webinar teaser

Online Schulung mit Rechtsanwalt Siebert

Die 7 häufigsten Abmahnfallen auf Webseiten und wie Sie diese schnell, einfach und ohne teuren Anwalt vermeiden. So haben Abmahner bei Ihnen keine Chance!

Mehr Details