Werbeanrufe: Mitarbeiter dürfen keine Pseudonyme am Telefon verwenden

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Viele Unternehmen gestatten ihren Mitarbeitern, bei Werbeanrufen statt ihren Realnamen ein Pseudonym zu verwenden. Das gibt ihnen die Möglichkeit, ihre Privatsphäre zu schützen. Das Oberlandesgericht (OLG) Frankfurt am Main hat jetzt entschieden: Das dürfen Unternehmen nicht. Was spricht gegen die Verwendung von Pseudonymen?

Energieanbieter ruft unter falschem Namen an

Ein Energielieferant beauftragte einen Dienstleister, um per Telefon neue Kunden zu werben. Ein Mitarbeiter des Dienstleisters gab bei den Werbeanrufen nicht seinen tatsächlichen, sondern einen fiktiven Namen an. Dieses Pseudonym verwendete er bei allen Kundenkontakten. Eine Verbraucherin sah darin eine Irreführung und daher einen Verstoß gegen das Wettbewerbsrecht.

Das sagte das LG Darmstadt zur Verwendung eines Pseudonyms

In erster Instanz entschied das Landgericht (LG) Darmstadt: Ein Pseudonym ist nicht geeignet, die Entscheidung der Kundin, ob sie einen Vertrag mit dem Energieanbieter abschließen will, zu beeinträchtigen. Und: Der anrufende Werber verwendet immer denselben fiktiven Namen. Will die Kundin den Anrufer identifizieren, geht das auch über das Pseudonym. Das Gericht lehnte den Erlass einer einstweiligen Verfügung daher ab.

So bewertete das OLG Frankfurt a. M. die Verwendung eines Pseudonyms

Das OLG Frankfurt sah das anders: Mitarbeiter von Unternehmen dürfen keine Pseudonyme für Werbeanrufe verwenden (Urteil vom 16.05.2019, Az. 6 U 3/19). Verbraucher könnten so zu einer Geschäftsentscheidung kommen, die sie sonst nicht getroffen hätten. Und: Es macht keinen Unterschied, ob Mitarbeiter stets dasselbe Pseudonym verwenden. Verbraucher haben ein Interesse am richtigen Namen des Gesprächspartners. Nur so können sie eventuelle vertragliche Ansprüche vor Gericht durchzusetzen. Dass der Mitarbeiter nicht zum beklagten Unternehmen, sondern zu einem beauftragten Dienstleister gehörte, bewertete das Gericht als irrelevant. Der Energieanbieter muss die Risiken einer arbeitsteiligen Organisation selbst tragen, so das Gericht.

Fazit

Das OLG Frankfurt folgt damit einer Entscheidung des Bundesgerichtshofs (BGH). Dieser hatte im letzten Jahr entschieden: Ein Unternehmensmitarbeiter muss zwar nicht die Vorgaben des BGB zur Informationspflicht erfüllen. Ein falscher Name kann jedoch grundsätzlich irreführend sein (Urteil vom 19.04.2018, Az. I ZR 244/16).

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