Apothekenreform: DocMorris droht mit Klage

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Kaum ist die Apothekenreform in die Phase der konkreten Planung eingetreten, droht schon die erste Versandapotheke im Vorfeld mit einer Klage. DocMorris sieht in dem deutschen Gesetzentwurf einen direkten Verstoß gegen das Europarecht und droht im Falle einer Verabschiedung der Reform mit einer Klage in Brüssel.

Deutscher Gesetzesentwurf möglicherweise europarechtswidrig

Klar war von Anfang an, dass die Apothekenreform möglicherweise einen Konflikt zu dem in den EU-Mitgliedsländern geltenden Europarecht darstellen könnte. Dies ist wenig erstaunlich, denn: Geht es nach dem Willen der Bundesregierung, dann sollen in Zukunft die deutschen Apotheken besser vor der Konkurrenz aus dem Internet geschützt werden.

Eine Maßnahme ist dabei das Verbot von Rabatten für verschreibungspflichtige Medikamente – genau das nutzt bisher der Branchenriese DocMorris, indem er Kunden einen Bonus in Höhe von 2,50 Euro pro Arzneimittel auf dem Rezept einräumt. Auch andere Apotheken nutzen dieses Modell und heben sich so zumindest preislich von den deutschen Apotheken ab.

Gesetzesänderung würde 90 Prozent aller Versicherten betreffen

Immerhin betrifft diese eine Maßnahme rund 90 Prozent aller Versicherten in Deutschland – was für DocMorris einen hohen Umsatzeinschnitt bedeuten würde. Zwar liegen aktuelle Zahlen nicht vor, 2017 kam man hier aber auf einen Anteil von zwei Dritteln des Gesamtumsatzes mit dem Verkauf von verschreibungspflichtigen Arzneimitteln.

Der EuGH hat das Bonussystem bisher unproblematisch zugelassen, denn: Immerhin ist es so möglich, wettbewerbstechnisch mit der Konkurrenz gleichzuziehen, die durch Präsenzfilialen der Kundschaft einen deutlichen Vorteil bietet.

Kooperationen als Lösungsmodell

Die deutsche Gesetzgebung erlaubt den Betrieb von Apotheken nur dann, wenn es sich bei dem Betreiber um einen Pharmazeuten handelt. DocMorris als Kapitalgesellschaft ist demnach nicht berechtigt, eigene Apotheken in Form von stationären Filialen einzurichten.

Eine Alternative dazu stellt die Kooperation mit lokalen Apothekern dar. Zusammen mit einem entsprechenden Online-Angebot könnte DocMorris so völlig neue Wege beschreiten.

Fazit

Auch Traditionsbranchen müssen sich den Anforderungen der Zeit beugen – das gilt auch für die Apotheken, die sich durch die Digitalisierung mit neuen Herausforderungen beschäftigen müssen. Kunden möchten nicht nur online bestellen können, sie möchten auch eine transparente Preispolitik und die Option, günstige Preise in Anspruch zu nehmen – und zwar völlig unabhängig davon, ob es sich um ein verschreibungspflichtiges Medikament handelt oder nicht. Allerdings ist dabei auch die Politik gefragt, denn: Die einzelne Apotheke an sich hat keinen Einfluss auf die Gestaltung der Gebührensätze und ist daher auch auf ein Tätigwerden von Politikern und Krankenkassen angewiesen.

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Kommentare  
Jaekel
0 # Jaekel 24.08.2019, 19:17 Uhr
DocMo hat eine Präsenzapotheke in den Niederlanden und arbeitet sehr präzise nach geltendem Recht und Apothekenanforderungen.
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Haydn
0 # Haydn 16.08.2019, 13:59 Uhr
Man könnte ja DocMorris erst mal die Zwangsgelder zahlen lassen, bevor man weiterredet. Europarecht oder Recht im Allgemeinen spielt bei DocMo nur eine Rolle, wenn es den eigenen Interessen nützt. Sonst wird es gerne mal ignoriert.

Warum sollte eine Apotheke mit DocMo zusammenarbeiten, wenn sie alles besser kann als diese Firma bis auf Arzneimittel verramschen?
Viel Spaß all den Patientinnen die ihre Pille da zum Sparen bestellen. Bei dem nicht temperaturkontrollierten Transport mit Minusgraden im Winter und über 50 Grad im Sommer kann man das Arzneimittel eigentlich nur wegschmeißen. Nun gut, gibt es halt spontane Schwangerschaften.

Noch dazu hat DocMo nicht mal in den Niederlanden eine Präsenzapotheke. Somit dürfte nicht mal nach Deutschland verschickt werden. Stört das jemanden? Womit wir wieder bei meiner Aussage ganz oben wären!
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