Gekaufte Likes: Studie enthüllt, wer sich Gefällt-mir-Angaben sichert

(6 Bewertungen, 4.33 von 5)

Rund 90.000 Social-Media-Profile von Politikern und Unternehmern haben in den letzten 7 Jahren von bezahlten Unterstützern profitiert. Die Rede ist hier nicht von programmierten Bots, die mit technischen Hilfsmitteln relativ leicht aufzuspüren sind. Tatsächlich wird auf einschlägigen Plattformen auch mit Likes gehandelt, die von echten Usern vergeben werden: auf Crowdworking-Basis und gegen Cent-Beträge.

„Paidlikes“ hält, was der Name verspricht

Auf der einen Seite sitzen Parteien, Unternehmer und Influencer mit ihren Social-Media-Accounts. Jede zusätzliche Gefällt-mir-Angabe erhöht ihre Reichweite und ihre Glaubwürdigkeit. Auf der anderen Seite finden sich diejenigen, die ihre Zustimmung per Mausklick vergeben. Und das sind bei Weitem nicht nur überzeugte Anhänger, wie jetzt die Ruhr-Uni-Bochum herausgefunden hat.

Zusammen mit einem Recherche-Team von Süddeutscher Zeitung, NDR und WDR ist sie dem Geschäft mit den Likes auf den Grund gegangen. Dazu untersuchten die Wissenschaftler des Horst-Görtz-Instituts für IT-Sicherheit die Arbeit der Crowdworking-Plattform „Paidlikes“. Seit 2012 können hier Facebook-Daumen und Kommentare, Instagram- oder YouTube-Abos gekauft werden.

1000 Likes kosten 100 Euro

Genutzt wird das Angebot beispielsweise von Friseuren, Fitnesstrainern und Versicherungskaufleuten. Aber auch Politiker und Regionalverbände sämtlicher großen Parteien haben schon für Zustimmung bezahlt. Am häufigsten waren das FDP und CDU/CSU, gefolgt von SPD und AfD. Seltener tauchten Grüne und die Linke in Paidlikes-Kampagnen auf.

Dabei ist unklar, ob die Seiteninhaber selbst oder beispielsweise ihre Kommunikationsagenturen die Clickworker beauftragen. Auf eine Nachfrage des Rechercheteams bei 70 Politikern und Unternehmern behaupteten rund 60 von ihnen, nichts vom Kauf der Social-Media-Likes gewusst zu haben.

Ließ Facebook die Manipulation zu?

Die sozialen Netzwerke selbst geben an, gegen Manipulationsversuche mit gekaufter Zustimmung vorzugehen. Das spüren auch die Clickworker. Mehr als 40 Likes pro Tag dürfen sie laut Auftraggeber nicht vergeben, um glaubwürdig zu bleiben. Eine Informantin erzählte der Süddeutschen Zeitung, dass sie von Instagram mehrfach gesperrt worden sei – wohl deshalb, weil sie Seiten vor dem Liken nicht einmal eine Minute lang angesehen habe.

Facebook selbst gibt an, User zu sanktionieren, die mit Likes handeln. Trotzdem wurde erst auf Anfrage des Rechercheteams eine App gesperrt, mit der die Clickworker von Paidlikes bisher gearbeitet haben.

Fazit

Der Handel mit Gefällt-mir-Angaben kann nicht nur zur Sperrung eines Social-Media-Accounts führen. Das Landgericht Stuttgart (Az. 37 O 34/14 KfH) hat bereits 2014 den Kauf von Likes und Fans als wettbewerbswidrig bezeichnet. Verbrauchern werde damit ein Bekanntheitsgrad vorgegaukelt, der so tatsächlich nicht existiere.

Anzeige
Sagen Sie uns Ihre Meinung zum Thema.
Diese Beiträge könnten Sie ebenfalls interessieren:
Weiterlesen...
Bundesnetzagentur: Telekom behindert Wettbewerb Die Telekom benötigte zwischen 2017 und 2019 durchschnittlich 71 Arbeitstage, um seinen Geschäftskunden Vorleistungen für Internetzugänge bereitzustellen. In ei...
Weiterlesen...
Werbekodex: Frankreich verbietet Werbespot von Fahrradhersteller Das niederländische Unternehmen Vanmoof stellt eBikes her. Um das Modell VanMoof S3 zu bewerben, drehte es einen Werbeclip. Dieser rief in Frankreich jetzt eine...
Weiterlesen...
Wettbewerb: Bundestag beschließt Gesetz gegen Abmahnmissbrauch Es braucht oft nicht mehr als einen Fehler im Impressum und schon müssen Händler eine teure Abmahnung bezahlen. Damit Unternehmen nicht mehr für jedes kleines V...
Weiterlesen...
Teurer Urkundenservice: Gericht verbietet irreführenden Namen „Standesamt24“ Offizielle Urkunden und beglaubigte Abschriften können heute bequem online angefordert werden. Bei der Suche nach der richtigen Webseite allerdings landen Verbr...
Weiterlesen...
LG Berlin: Darf Google Hotels mit eigener Sterne-Klassifizierung bewerben? Suchen User bei Google nach Hotels in Deutschland, zeigt die Suchmaschine in den Local Listings beispielsweise 3-Sterne-Hotels und 4-Sterne-Hotels an. Das Probl...
Anzeige DSGVO

Der eRecht24 Newsletter

Immer bestens informiert

Bleiben Sie mit unseren regelmäßigen und kostenlosen Updates zum Internetrecht auf dem neuesten Stand. Infos, Urteile, Checklisten, Sonderangebote.

Hinweis: Sie können den Newsletter von eRecht24  jederzeit und kostenfrei abbestellen. Ihre Daten werden nur zum Versand des Newsletters genutzt. Wir geben Ihre Daten nicht weiter. Mehr Informationen zum Umgang mit Nutzer-Daten finden Sie in unserer Datenschutz-Erklärung.

loading...
Jetzt Premium-Mitglied werden

Ab Heute gestalten Sie Ihre Website ohne Angst vor Abmahnwellen und ohne teuren Anwalt abmahnsicher.

Alle Videos, Live-Webinare, E-Books, Tools und zahlreiche Rabatte.

Jetzt Mitglied werden

Mehr Informationen zu eRecht24 Premium

Impressum-Generator

Keine Chance für Abmahner

Erstellen Sie kostenlos ein rechtssicheres Impressum für Ihre Website.

Jetzt Kostenlos Impressum generieren

Rechtsberatung vom Anwalt

Haben Sie ein konkretes rechtliches Problem? Dann wenden Sie sich bitte einen Anwalt. Auf unseren Seiten finden Sie zahlreiche allgemeine Informationen zum Internetrecht. Fundierte Rechtsberatung im Einzelfall kann allerdings nur ein spezialisierter Rechtsanwalt leisten.

SSL-Zertifikate

Steigern Sie das Vertrauen Ihrer Kunden. Für Betreiber von Onlineshops und kommerziellen Webseiten unabdingbar:

SSL-Verschlüsselung, SSL-Zertifikate und Trust-Logos

IT-Recht endlich verständlich

Autor Sören SiebertSören Siebert ist Rechtsanwalt mit Kanzleien in Berlin und Potsdam.

Er berät Unternehmer, Shops und Seitenbetreiber in allen Fragen des Rechts der neuen Medien.
www.kanzlei-siebert.de

Als Betreiber von eRecht24 ist er seit mehr als 15 Jahren auch als Internet-Unternehmer tätig. Deshalb finden Sie auf eRecht24 Tipps und Tricks eines spezialisierten Rechtsanwalts, aber verständlich und praxisnah erklärt.

SSL-Zertifikate, Code-Signing, S/MIMESuchmaschienoptimierung & OnlinemarketingRechtliche OnlineShop-Prüfung
Anzeige
eRecht24 - Unsere praktischen Tools und hilfreichen Tutorials

mitgliederbereich teaser

Exklusiv für unsere Mitglieder

Alles was Webseitenbetreiber, Agenturen und Selbständige wirklich brauchen: Videos und E-Books, Musterverträge und Erstberatung, Tools und Live-Webinare.

Mehr Informationen

dsgvo teaser

DSGVO Schnellstarter-Paket

Das Datenschutzrecht ändert sich ab Mai 2018 vollständig. Sind Sie bereit für die DSGVO? Mit unserem Schnellstarter-Paket sichern Sie Ihre Webseite ab.

Jetzt absichern

webinar teaser

Online Schulung mit Rechtsanwalt Siebert

Die 7 häufigsten Abmahnfallen auf Webseiten und wie Sie diese schnell, einfach und ohne teuren Anwalt vermeiden. So haben Abmahner bei Ihnen keine Chance!

Mehr Details
Support