Vitalpilze gegen „internationale Viren“: Irreführende Werbungen abgemahnt

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Seit Beginn der Corona-Krise in Deutschland versuchen zahlreiche Anbieter, die Ängste von Verbrauchern für den Verkauf ihrer Produkte zu nutzen. Dass dabei auch Irreführungsverbot, Lebensmittel- und Heilmittelwerberecht ignoriert werden, zeigt eine Zwischenbilanz der Wettbewerbszentrale. Seit Mitte Februar hat sie 51 Abmahnungen ausgesprochen, vier einstweilige Verfügungen erwirkt und eine Unterlassungsklage eingereicht.

 

Corona-Aussagen wecken Interesse

Während Virologen forschen und Mediziner nach wirksamen Medikamenten gegen Covid-19 suchen, scheinen einige Anbieter von Nahrungszusätzen längst fündig geworden zu sein. Das zumindest suggerieren Anzeigen mit Formulierungen wie „Corona-Infektion: Wie wir uns mit Vitalpilzen schützen können“. Juristisch gesehen allerdings handelte es sich in diesem Fall um irreführende Werbung. Das entschied Anfang April das Landgericht Gießen (Az. 8 O 16/20, noch nicht rechtskräftig). Zu einem ähnlichen Ergebnis kam das Landgericht Düsseldorf (Az. 34 O 26/20), das sich mit einer Anzeige für Mundspülungen, Ohrentropfen und weitere Produkte auseinanderzusetzen hatte. Neben der stilisierten Abbildung des Corona-Virus warb der Hersteller mit dem Satz „99,9 % Keimreduktion aller relevanten Keime einschließlich MRSA“.

Schaden für Verbraucher und Mitbewerber

Ein Nahrungsergänzungsmittel wurde beworben mit dem stilisierten Bild eines Menschen, der Corona-Viren abwehrt. Dazu versprach die Anzeige „Volle Power für Ihr Immunsystem“. Weil sie damit fälschlicherweise Schutz vor Covid-19 nahelegte, verbot auch hier ein Gericht die weitere Nutzung (LG Essen, Az. 43 O 39/20, noch nicht rechtskräftig). Nach Ansicht der Wettbewerbszentrale gibt es gleich zwei Gründe, gegen derartige Werbung vorzugehen: Sie wiegt Verbraucher in einer vermeintlichen Sicherheit, die so nicht existiert. Gleichzeitig benachteiligt sie andere Anbieter, die nicht mit irreführenden Aussagen arbeiten.

Mundschutz und Vitamin C

Besonders unbelehrbar zeigte sich ein Unternehmen, das in einer ganzseitigen Zeitungsanzeige ein mit Vitamin C angereichertes Lebensmittel angepriesen hatte. Neben einer Frau mit Mundschutz stand der Schriftzug „Schützen Sie Ihren Körper. JETZT!“ Und weiter: „Vor multi-resistenten Bakterien und internationalen Viren schützt Sie ein optimales Immunsystem* – 365 Tage im Jahr“. Dass die Darstellung mit Mundschutz und der Verweis auf „internationale Viren“ an Corona erinnert, war nach Auffassung der Behörde kein Zufall. Krankheitsbezogene Aussagen in der Werbung sind allerdings verboten. Trotz eines entsprechenden Hinweises suggerierte aber auch die geänderte Version eine Wirkung gegen Covid-19. Die Wettbewerbshüter haben daraufhin Klage vor dem Landgericht München eingereicht (Az. 17 HK O 5079/20).

Fazit

Auch bei besonderen Pandemie-Preisen oder Gratis-Angeboten sollten Kunden vorsichtig sein. So versprach ein Optiker angesichts möglicher Corona-Einbußen „Brillengläser geschenkt für alle!“ Tatsächlich kostenfrei waren die Gläser aber nur für Käufer eines neuen Gestells. Wer sie in eine vorhandene Fassung einsetzen wollte, musste 25,- Euro bezahlen.

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