Baukredit: Bei ungültiger Widerrufsbelehrung ist Kreditvertrag vorzeitig kündbar

(19 Bewertungen, 4.16 von 5)

Etwa 80% der Immobilienkredit-Verträge beinhalten eine ungültige Widerrufsbelehrung. Fehlerhafte Verträge können vorzeitig gekündigt werden. Bei den derzeitigen Zinsen ein guter Zeitpunkt, um sich ältere Verträge genauer anzuschauen, rät die Zeitschrift Finanztest.

Verbraucherzentralen prüften 10.000 Kreditverträge

Die ungültige Widerrufsbelehrung in einem Baukredit-Vertrag ist kein Einzelfall. Die Verbraucherzentralen Bremen, Hamburg und Sachsen überprüften fast 10.000 Kreditverträge und stellten fest, dass 80% der Verträge in Deutschland fehlerhaft sind.

Für das Widerrufsrecht bei Immobilienkredit-Verträgen, dass im Jahr 2002 eingeführt wurde, entwarf das Bundesjustizministerium ein entsprechendes Muster. Viele Sparkassen und Banken bevorzugten stattdessen eigene Formulierungen, die nach dem neuen Recht nicht rechtsgültig sind. Jede Abweichung vom Muster führt zur Unwirksamkeit der Widerrufsbelehrung entschieden der BGH und das Landgericht Stuttgart (Az. 12 O 547/13).

Was bedeutet der Fehler für Kreditnehmer?

Ein Bau- oder Immobilienkredit, der nach November 2002 aufgenommen wurde, kann möglicherweise jetzt noch widerrufen werden. Enthält der Kreditvertrag die fehlerhafte Widerrufsbelehrung ist ein Widerruf jederzeit möglich, da das Widerrufsrecht nicht verjährt. Kreditnehmer können dazu ihren Vertrag bei einer Verbraucherzentrale oder von einem Rechtsanwalt prüfen lassen. Eine Prüfung kostet beispielsweise bei der Verbraucherzentrale Hamburg 70 Euro.

Für die eigene Überprüfung kann die Widerrufsbelehrung im Kreditvertrag auch mit dem Mustertext verglichen werden. Stimmt der Text nicht überein, ist die Widerrufsbelehrung laut Az. 12 O 547/13 unwirksam.

Wenn Sie unsicher sind oder Hilfe für ein erstes Beratungsgespräch mit einem Anwalt suchen laden Sie einfach unsere kostenlose Checkliste zum Kreditwiderruf herunter.

Sören Siebert
Sören SiebertRechtsanwalt

Bei einem Widerruf ist folgendes zu beachten

Die Zahlungen sollten weiterhin in voller Höhe vorgenommen werden. Das eigenmächtige Reduzieren oder Einstellen der Zahlungen könnte die Bank veranlassen, den Kredit zu kündigen und eine Zwangsversteigerung vorzunehmen. Anschließend sollte die Restschuld ermittelt und eine Anschlussfinanzierung gesucht werden. Der Bank, die für die Anschlussfinanzierung ausgesucht wurde, sollte der Grund des Wechsels nicht verschwiegen werden. Optimal ist es, wenn eine Finanzierungszusage vier bis sechs Wochen Gültigkeit hat, um genügend Zeit für einen ordnungsgemäßen Wechsel zu haben. Erst wenn eine Finanzierungszusage besteht, sollte der alte Kreditvertrag widerrufen werden.

Möglicherweise verweigert die Bank das Widerrufsrecht. In solchen Fällen hilft ein Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht. Das kostet zwar Anwaltshonorar und auch eine Umschuldung ist mit Kosten verbunden, doch am Ende spart man durch einen günstigeren Kredit das Vielfache von dem.

Ausführliche Informationen zu Kündigung von Kreditverträgen, Vorfälligkeit & Co. haben wir in einem umfassenden Ratgeber zusammengefasst.

Fazit:

Eine fehlerhafte Widerrufsbelehrung macht es Baukreditnehmern einfacher aus teuren Krediten vorzeitig auszusteigen. Kreditnehmer, die nach November 2002 einen Kreditvertrag abgeschlossen haben, sollte die Widerrufsbelehrung überprüfen oder überprüfen lassen. Bei einer fehlerhaften Widerrufsbelehrung kann der Vertrag auf jeden Fall widerrufen werden. Aber erst, wenn von einer anderen Bank eine Anschlussfinanzierung vorliegt. Zahlungen sollten unbedingt in voller Höhe vorgenommen werden, bis die alte Bank den Widerruf akzeptiert.

Sagen Sie uns Ihre Meinung zum Thema.
Captcha Aktualisieren
Diese Beiträge könnten Sie ebenfalls interessieren:
Weiterlesen...
Online Shops: Reicht das Anklicken eines Links für Ausübung des Widerrufs? Kunden steht bei Vertragsabschlüssen im Internet ein Widerrufsrecht zu. Durch dessen Ausübung kann der Vertrag innerhalb von 14 Tagen ohne Weiteres rückgängig...
Weiterlesen...
Videos im Play Store: Wie muss Google über das Widerrufsrecht aufklären? Wenn User im Play Store von Google Videos kaufen, stimmen sie beim Klick auf „Kaufen“ bzw. „Ausleihen“ gleichzeitig zu, auf ihr Widerrufsrecht zu verzichten. Da...
Weiterlesen...
Online Shops: Gilt das Widerrufsrecht auch für Unternehmer? Verbrauchern steht im Online-Handel grundsätzlich ein fernabsatzrechtliches Widerrufsrecht zu. Damit haben sie die Möglichkeit, den Kaufvertrag innerhalb von 2 ...
Weiterlesen...
Bestellungen im Netz: Müssen Kunden den Widerruf begründen? Bestellen Kunden etwas im Internet, haben sie oft ein Widerrufsrecht. Sie können den Vertragsschluss so rückgängig machen. Doch müssen sie bei der Ausübung eine...
Weiterlesen...
Widerrufsrecht: Kann das Widerrufsrecht für alten Cognac ausgeschlossen werden? Das Widerrufsrecht gibt dem Verbraucher die Möglichkeit, einen online geschlossenen Vertrag zu widerrufen. Online-Händler müssen dieses Recht beachten, können ...
Anzeige DSGVO

Der eRecht24 Newsletter

Immer bestens informiert

Bleiben Sie mit unseren kostenlosen Updates zum Internetrecht auf dem neuesten Stand. Infos, Urteile, Checklisten, Sonderangebote.

Hinweis: Sie können den Newsletter von eRecht24  jederzeit und kostenfrei abbestellen. Ihre Daten werden nur zum Versand des Newsletters genutzt. Wir geben Ihre Daten nicht weiter. Mehr Informationen zum Umgang mit Nutzer-Daten finden Sie in unserer Datenschutz-Erklärung.

loading...
Jetzt Premium-Mitglied werden

Ab Heute gestalten Sie Ihre Website ohne Angst vor Abmahnwellen und ohne teuren Anwalt abmahnsicher.

Alle Videos, Live-Webinare, E-Books, Tools und zahlreiche Rabatte.

Jetzt Mitglied werden

Mehr Informationen zu eRecht24 Premium

Impressum-Generator

Keine Chance für Abmahner

Erstellen Sie kostenlos ein rechtssicheres Impressum für Ihre Website.

Jetzt Kostenlos Impressum generieren

Rechtsberatung vom Anwalt

Haben Sie ein konkretes rechtliches Problem? Dann wenden Sie sich bitte einen Anwalt. Auf unseren Seiten finden Sie zahlreiche allgemeine Informationen zum Internetrecht. Fundierte Rechtsberatung im Einzelfall kann allerdings nur ein spezialisierter Rechtsanwalt leisten.

Inhalte kostenlos übernehmen

Der eRecht24 Newsticker

kostenfreie aktuelle Inhalte zum Internetrecht

Individuell für Ihre Website angepasst!

 

SSL-Zertifikate

Steigern Sie das Vertrauen Ihrer Kunden. Für Betreiber von Onlineshops und kommerziellen Webseiten unabdingbar:

SSL-Verschlüsselung, SSL-Zertifikate und Trust-Logos

Rechnungen online erstellen

Erstellen Sie Ihre Rechnungen gemäß den Anforderungen des Finanzamts doch einfach online!

Mit easybill bequem ordnungsgemäße Rechnungen schreiben inkl. digitaler Signatur und Datenexport zum Steuerberater. Anforderungen an korrekte Rechnungen mit Mustern und Beispielen.

IT-Recht endlich verständlich

Autor Sören SiebertSören Siebert ist Rechtsanwalt mit Kanzleien in Berlin und Potsdam.

Er berät Unternehmer, Shops und Seitenbetreiber in allen Fragen des Rechts der neuen Medien.
www.kanzlei-siebert.de

Als Betreiber von eRecht24 ist er seit mehr als 15 Jahren auch als Internet-Unternehmer tätig. Deshalb finden Sie auf eRecht24 Tipps und Tricks eines spezialisierten Rechtsanwalts, aber verständlich und praxisnah erklärt.

SSL-Zertifikate, Code-Signing, S/MIMEOrdnungsgemäße Rechnungen einfach online erstellen!Suchmaschienoptimierung & OnlinemarketingDatenschutzRechtliche OnlineShop-PrüfungFairness im Handel
Anzeige
eRecht24 - Unsere praktischen Tools und hilfreichen Tutorials

mitgliederbereich teaser

Exklusiv für unsere Mitglieder

Alles was Webseitenbetreiber, Agenturen und Selbständige wirklich brauchen: Videos und E-Books, Musterverträge und Erstberatung, Tools und Live-Webinare.

Mehr Informationen

dsgvo teaser

DSGVO Schnellstarter-Paket

Das Datenschutzrecht ändert sich ab Mai 2018 vollständig. Sind Sie bereit für die DSGVO? Mit unserem Schnellstarter-Paket sichern Sie Ihre Webseite ab.

Jetzt absichern

webinar teaser

Online Schulung mit Rechtsanwalt Siebert

Die 7 häufigsten Abmahnfallen auf Webseiten und wie Sie diese schnell, einfach und ohne teuren Anwalt vermeiden. So haben Abmahner bei Ihnen keine Chance!

Mehr Details

datenschutz5

Impressumspflicht: 7 wichtige Fragen zum Impressum für Webseiten

Jede Webseite braucht ein Impressum. Gut, nicht jede Seite. Aber geschätzt 90% aller Webseiten und Blogs unterliegen der Impressumspflicht nach TMG, auch Anbieterkennzeichnung genannt. Impressumsverstöße sind seit Jahren einer der Abmahnklassiker im Netz. Dabei ist es gar nicht so schwer, ein vollständiges Impressum zu erstellen und korrekt auf der eigenen Seite einzubinden. Wir zeigen Ihnen die häufigsten Fehler und Abmahnfallen und sorgen dafür, dass Sie diese Sorge los werden. Weiterlesen »

datenschutz5

DSGVO: Das müssen Webseitenbetreiber und Unternehmer wissen!

Datenschutz ist für alle Webseitenbetreiber, Unternehmer sowie Shopbetreiber und Dienstleister bereits seit Jahren ein wichtiges Thema. Nutzertracking, Kundenbestellungen, E-Mail Kampagnen: überall spielt der Datenschutz eine wesentliche Rolle. 2018 kamen auf alle Unternehmen weitreichende Änderungen zu: Seit dem 25. Mai 2018 gilt die neue EU Datenschutzgrundverordnung (EU-DSGVO) auch in Deutschland verbindlich. Diese stellt viele Grundsätze des Datenschutzrechts nach dem alten BDSG auf den Kopf. Weiterlesen »

datenschutz5

Cookie-Hinweis und Einwilligung auf Webseiten: Quatsch oder Pflicht?

Viele Seitenbetreiber konfrontieren ihre Besucher mit einem Cookie-Hinweis auf der Webseite. So einfach ist das Thema "Cookies auf Webseiten" aber leider nicht umzusetzen. Brauchen Seitenbetreiber überhaupt einen Cookie Hinweis oder sogar eine Einwilligung? Wenn ja, für alle Cookies? Welche Rolle spielt das aktuelle EuGH-Urteil dabei? Was ist ein Consent Tool? Welche Hinweise müssen dann in der Datenschutzerklärung stehen? Und wie genau sollte der Text für die Cookie Warnung aussehen? Weiterlesen »

datenschutz5

Der Arbeitsrecht-Ratgeber für Arbeitnehmer und Arbeitgeber

Arbeitgeber und Arbeitnehmer stehen durch die Nutzung des Internet vor vielen neuen Fragen: Surfen am Arbeitsplatz, die Haftung des Arbeitgebers für illegale Aktivitäten der Mitarbeiter, Kündigungen wegen privater Internetnutzung, IT-Sicherheit, etc. Darüber hinaus benötigen Themen wie Abmahnung, Arbeitnehmerrechte und Arbeitgeberpflichten immer wieder aufs Neue Klärung um beiden Seiten gerecht zu werden.  Weiterlesen »

datenschutz5

Garantie, Gewährleistung und Produkthaftung: Wo ist der Unterschied

Die Begriffe "Garantie", "Gewährleistung" und "Produkthaftung" spielen für Käufer und Verkäufer eine große Rolle. Allerdings werden die Begriffe immer wieder verwechselt, falsch verstanden oder nicht richtig angewendet. Gerade bei Käufen und Verkäufen im Internet ist es wichtig, den Unterschied zwischen Garantie und Gewährleitung zu kennen. Hier besteht im Gegensatz zum stationären Handeln oft nicht die Möglichkeit, schnell mal beim Vertragspartner vorbeizugehen und auftretende Probleme zu lösen. Weiterlesen »

datenschutz5

Filesharing Abmahnung: So reagieren Sie richtig!

Wenn Sie eine Abmahnung wegen Filesharing erhalten haben, heißt es Ruhe bewahren! Wichtig: Wenn Sie jetzt richtig und schnell reagieren, können Sie sich hohe Kosten und viel Ärger ersparen. Wir zeigen Ihnen Schritt für Schritt, was hinter einer Filesharing Abmahnung steckt, was Sie jetzt tun müssen und welche Fehler Sie unbedingt vermeiden sollten. Weiterlesen »

Support