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Nach StudiVZ kommt SchülerVZ - Gruscheln statt Datenschutz?

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In deutschen Universitäten war im Jahr 2006 ein interessantes Phänomen zu beobachten. Wer nicht bei dem Community-Portal “StudiVZ” registriert war, wurde schief angesehen. Anstatt Telefonnummern auszutauschen um sich zu verabreden wurden Account-Informationen des Studenten-Portals ausgetauscht. Bei “StudiVZ” hinterlegen die Nutzer ihr soziales Profil. Neben Kontaktdaten, Interessen, Hobbys, besuchten Lehrveranstaltungen und zur Ansicht bereitgestellten privaten Photos ist der Gradmesser für die Popularität eines einzelnen Mitglieds die Anzahl seiner angegebenen “Freunde”. Der erfundene Begriff “Gruscheln” (eine Mischung aus grüßen und kuscheln) dient zur Kontaktaufnahme zwischen einzelnen Mitgliedern und hat inzwischen Kultstatus erlangt. Inzwischen wurde die Bezeichnung von den Betreibern beim Deutschen Patent- und Markenamt in München (DPMA) als Wortmarke geschützt. Mit ca. 1,5 Millionen registrierten Mitglieder bietet “StudiVZ” einen wertvollen Datenschatz einer potentiell hochgebildeten sozialen Gruppe mit erhoffter finanzieller Liquidität der Mitglieder. Kurzum die ideale Zielgruppe für Unternehmen. Die Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck GmbH übernahm am 03.01.2007 das Studenten-Portal für einen hohen zweistelligen Millionenbetrag.

Wegen Problemen mit dem Datenschutz ist “StudiVZ” immer wieder in die Kritik geraten. So wird insbesondere die große Gefahr des Missbrauch bei der Angabe persönlicher Daten kritisiert. So gelang es im Dezember 2006 einem Studenten über eine Million Nutzerprofile herunter zu laden und statistisch auszuwerten . Der problematische Umgang mit persönlichen Daten liegt einerseits am System selbst (z. B. wurden die per Upload zur Verfügung gestellten Bilder auf einem nicht geschützten Server gelagert) und andererseits natürlich an den Nutzern. Persönliche Daten werden massenweise zur Verfügung gestellt und können ohne Probleme von Dritten eingesehen werden. Dies hat bspw. Bedeutung für die Recherche von potentiellen Arbeitgebern nach dem B-Profil (Backround-Check) eines Bewerbers. Sicherheitsprobleme weist “StudiVZ” jedoch zurück. Nach eigenen Angaben wurde deswegen auch ein Verhaltenskodex für die Mitglieder erarbeitet und die Software überarbeitet. Nach dem großen Erfolg des Portals wurde nun durch die Verlagsgruppe Holtzbrinck der Ableger “schülerVZ – DAS SCHÜLERVERZEICHNIS” gegründet. Seit heute befindet sich das neue Community-Portal für Kinder ab 12 Jahren in der Testphase (Alpha-Version). In dieser können nur Schüler Mitglied werden, die von bereits registrierten Mitgliedern “eingeladen” wurden. Dabei kann jedes registrierte Mitglied fünf neue Personen einladen. Dies verstärkt die scheinbare Unentbehrlichkeit einer Mitgliedschaft und die Mundpropaganda enorm.

SchülerVZ ” funktioniert nach dem selben Prinzip wie “StudiVZ”. Auf der Startseite sind die Leitlinien des Portals zusammengefasst: “Bist du schon drin?”, “Lass dich einladen!”, “Triff Freunde aus der Schule!”, “Wer kennt wen über wen?”, “Wer ist auf welcher Schule?”, “Wer sitzt in meiner Parallelklasse?”, “Wann hat wer Geburtstag?” oder “Haben deine Freunde schon die Photos vom Wochenende hochgeladen?”. Nach Anmeldung können die neuen Mitglieder ebenfalls eine Vielzahl an persönlichen Daten angeben. Dabei sind mögliche Einschränkungen der später öffentlich einsehbaren Daten in ihrer Grundeinstellung deaktiviert. Dies ist besonders problematisch, da sich Kinder über die Bedeutung von Daten und Gefahren des Datenmissbrauches noch weniger im Klaren sind als Erwachsene. Wie die Betreiber bekannt gegeben haben, sollen an dem Schüler-Portal auch Schülervertretungen, Eltern- und Pädagogenverbände beteiligt werden. Indes ist nicht zu vermuten, dass das Schüler-Portal weniger Anklang findet wird als das Studenten-Portal.

Fazit:
Einerseits bietet ein solches Portal ungeahnte Möglichkeiten der Kontaktaufnahme, des Austausches und des Kennenlernens in einer Peer-to-Peer-Gruppe. Andererseits liegt genau darin das Problem. Zwar sind Medienkompetenz und Kommunikationsfähigkeit in Online-Netzwerken für Schüler, wie SchülerVZ elementar wichtig, doch besteht die große Gefahr des Datenmissbrauch. Zudem befürchten Pädagogen und Medienwissenschaftler eine Verlagerung der Wertigkeit des Kennenlernens und der Kommunikation aus der realen in die virtuelle Welt.

Autor: Philipp Otto

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