Kunst oder Protest? Das neuste Werk des Komponisten Johannes Kreidler (28) dürfte wohl von beiden ein bisschen sein. Eigentlich ist sein neustes Werk nur 33 Sekunden lang und klingt irgendwie nach einer stark zerkratzten CD. Doch gibt es da eine Besonderheit an seinem neuen Stück und diese dürfte für die Verwertungsgesellschaft GEMA ein musiktechnischer Super-Gau sein. Es besteht aus 70.200 Fremdzitaten und die möchte Kreidler auch gerne ordnungsgemäß bei der Verwertungsgesellschaft anmelden. Weist doch die GEMA selbst darauf hin, dass schon kleinste Klangfetzen als geistiges Eigentum beansprucht werden können, wenn diese eine Schöpfungshöhe aufweisen.
„Product placements“ nennt Kreidler seine Kunstaktion, mit der er auf Mängel im deutschen Urheberrecht aufmerksam machen möchte: „Die heutigen Technologien ermöglichen es, Kulturgüter in gigantischen Dimensionen zu verbreiten und kreativ weiterzuverarbeiten“, so Kreidler, „leider steht dem auf rechtlicher Seite das veraltete Urheberrecht im Weg.“, argumentiert er und möchte dies mit seinem 33-Sekunden-Werk und einer Formularflut verdeutlichen. „Was davon ist eigen? Was ist fremd?", fragt der Künstler weiter und sieht das Kopieren bereits als „Kulturtechnik“, die laut Pressemitteilung, „durch unsinnigen Schutz geistigen Eigentums“ eingeschränkt würde.
Dabei ist Kreidler noch nachsichtig, „theoretisch kann man am Computer pro Sekunde schon 44100 Zitate abspielen“, sagt er und „will aber die GEMA gar nicht quälen“, es geht ihm lediglich darum, die heutigen Möglichkeiten des digitalen Zeitalters zu verdeutlichen und das sich auch Verwertungsgesellschaften diesem anpassen müssten. Kreidler selbst spricht sich dabei für neue Wege der Verwertung aus, wie beispielsweise einer bereits viel diskutierten Kulturflatrate.
Im September will er jedenfalls seine 70.200 Formulare bei der GEMA-Generaldirektion in Berlin abholen... mit einem LKW.
Fazit:
„Unsinnig“ ist der Schutz des geistigen Eigentums sicherlich nicht. Doch kann man gewisse Tücken des geistigen Eigentums in der digitalen Welt nicht von der Hand weisen. Gerade junge Künstler nutzen digitale Medien und Portale wie Youtube als Quelle und Plattform zugleich. Aber das Kopieren gleich als „Kulturtechnik“ zu loben, geht sicherlich einen Schritt zu weit. In der Kunst wurde zwar schon immer abgeschaut, aber am Ende meist selbst erschaffen, nicht kopiert.
Rechtsberatung Urheberrecht: RA Sören Siebert
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