Gericht: Schmerzensgeld wegen Verbreitung von Nacktbildern über WhatsApp

(8 Bewertungen, 4.25 von 5)

Worum geht's?

Auch intime Bilder können heutzutage mit dem Smartphone schnell geschossen und über WhatsApp mit einem Klick versendet werden. Ein 13-jähriger Schüler musste jetzt mit gerichtlicher Hilfe lernen, dass er die pikanten Bilder seiner damaligen Freundin besser für sich hätte behalten sollen, statt sie an seine Schulfreunde weiterzuleiten.

Schüler teilt Nacktbilder seiner Freundin mit seinen Schulfreunden

Die gleichaltrige Freundin des Berliner Gymnasiasten hatte ihm während der Beziehung mehrfach freizügige Selfies über WhatsApp geschickt. Ihr Freund wollte mit den Bildern vor seinen Schulfreunden angeben und schickte sie munter weiter. Offenbar ohne sich der Konsequenzen bewusst zu sein.

Verbreiten von intimen Bildern kann auch strafrechtliche Konsequenzen haben

Denn die Verbreitung von intimen Bildern gegen den Willen des Betroffenen stellt einen rechtswidrigen Eingriff in die Intimsphäre und damit eine schwerwiegende Persönlichkeitsverletzung des Abgebildeten dar. Dem abgebildeten Opfer steht in solchen Fällen neben einem Unterlassungsanspruch auch ein Schmerzensgeldanspruch gemäß § 823 Abs. 1 Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) zu, wobei die Höhe des Anspruchs immer von den konkreten Umständen abhängt.

Neben den zivilrechtlichen Ansprüchen drohen auch strafrechtliche Folgen. § 33 Kunsturhebergesetz (KunstUrhG) stellt das Verbreiten von Fotos gegen den Willen des Betroffenen unter eine Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr. Nach § 184 Strafgesetzbuch (StGB) droht dem teilfreudigen Weiterleitenden zudem eine Freiheitsstrafe wegen Verbreitens pornographischer Schriften, worunter auch das Weiterleiten von intimen Fotos fallen kann.

Schüler hätte Konsequenzen seines Handelns erkennen müssen

Der 13-jährige Gymnasiast verglich sich mit seiner jetzigen Ex-Freundin vor dem Amtsgericht Berlin-Charlottenburg auf eine Zahlung von Schmerzensgeld in Höhe von 1837 Euro, wovon er 500 Euro durch eigenen Verdienst erwirtschaften sollte. Opfer und Täter einigten sich zudem darauf, dass ihm 500 Euro erlassen werden sollten, wenn er die anderen Beträge fristgerecht zahlt (Urteil vom 15.01.2015, 239 C 225/14).

Das Gericht wies darauf hin, dass „die Weiterverbreitung der Bilder durch den Beklagten […] aufgrund der einschneidenden Wirkung auf die Lebensführung und die Entwicklung der jugendlichen Klägerin eine Entschädigung in Geld zur Genugtuung unabweisbar" macht. Die Schülerin dürfte sich laut Gericht durch die Verbreitung der Nacktbilder "an den Pranger gestellt fühlen und die Situation insgesamt als ausgesprochen peinlich empfunden haben“.

Der Junge hätte die Konsequenzen seines Handelns „aufgrund der heute in der Regel umfangreichen Erfahrung von Jugendlichen im Umgang mit Sozialnetzwerken, mit Medien und deren Gefahren“ auch erkennen müssen.

Fazit:

Strafrechtliche Konsequenzen hatte das Weiterleiten der Nacktbilder für den jungen Schüler zwar nicht, denn er war zum Tatzeitpunkt erst 13 Jahre alt und damit noch nicht strafmündig. Das Berliner Urteil zeigt jedoch, dass selbst sehr junge Täter zivilrechtliche Folgen befürchten müssen.

Anzeige
Diplom-Juristin Bea Brünen
Sören Siebert
Rechtsanwalt und Gründer von eRecht24

Rechtsanwalt Sören Siebert ist Gründer von eRecht24 und Inhaber der Kanzlei Siebert Lexow. Mit 20 Jahren Erfahrung im Internetrecht, Datenschutz und ECommerce sowie mit mehr als 10.000 veröffentlichten Beiträgen und Artikeln weist Rechtsanwalt Sören Siebert nicht nur hervorragende Fach-Expertise vor, sondern hat auch das richtige Gespür für seine Leser, Mandanten, Kunden und Partner, wenn es um rechtssichere Lösungen im Online-Marketing und B2B / B2C Dienstleistungen sowie Online-Shops geht. Neben den zahlreichen Beiträgen auf eRecht24.de hat Sören Siebert u.a. auch diverse Ebooks und Ratgeber zum Thema Internetrecht publiziert und weiß ganz genau, worauf es Unternehmern, Agenturen und Webdesignern im täglichen Business mit Kunden ankommt: Komplexe rechtliche Vorgaben leicht verständlich und mit praktischer Handlungsanleitung für rechtssichere Webseiten umsetzen.


Diese Beiträge könnten Sie ebenfalls interessieren:
Weiterlesen...
IT-Sicherheit: Wie SSL-Zertifikate vor den Gefahren im Internet schützen
Weiterlesen...
Vorsicht Abmahnung: Reicht es die Widerrufsbelehrung nur auf der Website anzuzeigen?
Weiterlesen...
Gekaufte Fans und bezahlte Blogposts: Was Sie über Werbung in Blogs, Facebook und Twitter wissen müssen
Weiterlesen...
Airbnb & Co.: Was Sie bei der Vermietung der eigenen Wohnung beachten müssen
Weiterlesen...
Google Analytics: Neue Funktionen für geräteübergreifendes Remarketing
Weiterlesen...
Abmahnfalle Facebook: Was Sie tun können, um nicht wegen geteilter Vorschaubilder abgemahnt zu werden
Weiterlesen...
Abmahnungen Becker und Haumann Rechtsanwälte wegen Bundesliga Eintrittskarten
Weiterlesen...
Nutzer-Einwilligung auf Webseiten: Quatsch oder Pflicht?
Weiterlesen...
Achtung Händler: Darf der IDO-Verband noch abmahnen?
Weiterlesen...
Bilder-Abmahnungen: Schlappe für „Marions Kochbuch“?
eRecht24 - Unsere praktischen Tools und hilfreichen Tutorials

mitgliederbereich teaser

Exklusiv für unsere Mitglieder

Alles was Webseitenbetreiber, Agenturen und Selbständige wirklich brauchen: Tools, Wissen, Musterverträge, Erstberatung und Live-Webinare.

Mehr Informationen

dsgvo teaser

DSGVO Schnellstarter-Paket

Das Datenschutzrecht hat sich 2018 vollständig geändert. Haben Sie die DSGVO umgesetzt? Sichern Sie jetzt Ihre Webseite ab.

Jetzt absichern

webinar teaser

Online Schulung mit RA Siebert

Die 7 häufigsten Abmahnfallen auf Webseiten und wie Sie diese einfach und ohne teuren Anwalt vermeiden. So haben Abmahner keine Chance!

Mehr Details
Support