Streit im Garten: Sind Videoaufnahmen vom Nachbarn erlaubt?

(1 Bewertung, 5.00 von 5)

Moderne Technik macht es leicht, nahezu immer und überall Videoaufnahmen zu machen. Viele Menschen halten das zur „Beweissicherung“ für erforderlich, wenn sie glauben, dass ihnen ein Unrecht geschieht. Aber längst nicht alle Aufnahmen von Überwachungs- oder Handykameras sind auch zulässig.

Nachbar von grillenden Nachbarn gestört

Zwei Hauseigentümer hatten in ihrem Garten gegrillt, was einem Nachbarn, mit dem sie schon seit Längerem im Streit lagen, offenbar nicht gefiel. Der Mann sprang auf eine Garage, zog sein T-Shirt aus und wedelte damit umher – was angeblich gegen den Rauch des Grills helfen sollte. Dabei wurde er von den Eigentümern gefilmt.

Später war dem Oben-ohne-Mann seine Aktion wohl peinlich und er verlangte vor Gericht die Löschung der Aufnahmen und auch, dass zukünftig keine Bild- oder Videoaufnahmen mehr von ihm gemacht würden. Dabei verwies er auch auf angeblich am Haus der Beklagten angebrachte Überwachungskameras.

Aufnahmen ohne wirksame Einwilligung

Die Nachbarn erklärten, der Kläger habe durch seine Handlungen die Filmaufnahmen ja quasi provoziert. Sie hätten damit nur Beweise für ein ggf. strafrechtliches Verhalten dokumentieren wollen. Einen Strafantrag, der beispielsweise zur Verfolgung von Beleidigungsdelikten erforderlich gewesen wäre, hatten sie allerdings nicht gestellt.

Festinstallierte Überwachungskameras hatte es nach den Feststellungen des Gerichts nicht gegeben. Am Haus waren zur Abschreckung von Einbrechern lediglich Kameraattrappen angebracht, die aber keine Bilder oder Videos aufzeichnen konnten.

Gericht: Aufnahmen müssen gelöscht werden

Das Landgericht (LG) Duisburg verurteilte die Filmer dennoch, die beim Grillen entstandenen Aufnahmen des Nachbarn zu löschen und zukünftig keine weiteren Videos mehr anzufertigen.

Andere Menschen ohne deren Einwilligung zu filmen berührt grundsätzlich deren Persönlichkeitsrecht, was allerdings nicht bedeutet, dass solche Aufnahmen in jedem Fall unzulässig wären. Stattdessen kommt es auf den Einzelfall an und es müssen die Interessen beider Seiten berücksichtigt werden.

Umstände des Einzelfalls entscheiden

Wichtig für die Abwägung ist auch unter anderem, wo und unter welchen Umständen die Videos gemacht wurden. Dabei ist die Privatsphäre im heimischen Wohnzimmer natürlich wesentlich mehr geschützt als bei der Teilnahme an einer Veranstaltung auf dem Marktplatz.

Im vorliegenden Fall wurden die Aufnahmen zwar in der Öffentlichkeit gemacht, allerdings erkannte das Gericht hier gar kein schützenswertes Interesse der Filmenden. Vielmehr hätten sie ihren Nachbarn, wenn sie sich durch dessen Aktion gestört gefühlt haben sollten, zunächst ansprechen und bitten können, damit aufzuhören.

Kein Anspruch auf Schadenersatz

Den ebenfalls eingeklagten Schadenersatz bekam der Kläger allerdings nicht zugesprochen. Eine Geldentschädigung kann nämlich nur bei einer schwerwiegenden Verletzung des Persönlichkeitsrechts verlangt werden, wobei es auch hier wieder auf die Umstände des Einzelfalls ankommt.

Eine schwerwiegende Persönlichkeitsverletzung konnte das Gericht in diesem Fall nicht erkennen. Zwar waren die Aufnahmen rechtswidrig und sie mussten gelöscht werden, aber der Gefilmte hatte durch seinen „Auftritt“ auch selbst erheblich zu deren Entstehung beigetragen. Daran soll er nicht auch noch finanziell verdienen.

Lesen Sie mehr Rechtstipps zum Thema „unerlaubte Videoaufnahmen“ auf anwalt.de:

Heimliche Videoüberwachung von Arbeitnehmern erlaubt?

Filmen mit dem Handy als Beweismittel erlaubt? 

Dashcam-Videos doch verwertbar?

 

Kommentare  
Fiedler marcus
0 # Fiedler marcus 01.09.2017, 22:13 Uhr
Der Fall ist nicht 100%wieder gegeben worden .
Antworten | Antworten mit Zitat | Zitieren | Dem Administrator melden
Sagen Sie uns Ihre Meinung zum Thema.
Diese Beiträge könnten Sie ebenfalls interessieren:
Weiterlesen...
Kartenzahlung: Wirbel um Speicherung von EC-Karten-Daten Haben die grössten Abwickler von EC-Kartenzahlungen unrechtmäßig Daten von Kunden gespeichert und verarbeitet? Nach Recherchen des Hörfunk-Nachrichtenprogramms ...
Weiterlesen...
Datenschutz: Wirbel um neue Richtlinien bei Spotify  Der Marktführer unter den Streaming-Diensten will seine Datenschutzbestimmungen ändern und hat damit die in den vergangenen Tagen die Internet-Gemeinde ...
Weiterlesen...
Urteil: Bewertungsportal für Autofahrer verstößt gegen Datenschutz Eine Internetseite, auf der Verkehrsteilnehmer anhand ihres Kennzeichens in gute und schlechte Fahrer eingeteilt werden können, ist in der bisherigen Form unzul...
Weiterlesen...
Datenschutz: Darf der IT-Manager Datenschutzbeauftragter im Unternehmen sein? Chefs größerer Firmen wissen, dass Sie einen Datenschutzbeauftragten im Unternehmen haben müssen. Je nachdem, wie Sie personenbezogene Daten verarbeiten, greift...
Weiterlesen...
PKW-Maut: Dobrindt schließt die Nutzung der Maut-Daten zur Verbrechensbekämpfung aus Das Bundeskriminalamt sieht in der geplanten Maut eine Möglichkeit zur Überwachung und Verbrechensbekämpfung. In einer Stellungnahme schließt Verkehrsminister...
 
Anzeige

Der eRecht24 Newsletter

Immer bestens informiert

Bleiben Sie mit unseren kostenlosen Updates zum Internetrecht auf dem neuesten Stand. Infos, Urteile, Checklisten, Sonderangebote.

Prüfen Sie, ob Ihre Widerrufsbelehrung aktuell ist.

Geben Sie die URL Ihrer Widerrufsbelehrung ein.
Beispiel Shop: http://www.shopxyz.de/widerruf.html
Beispiel eBay: http://www.ebay.de/usr/EBAYUSER

loading...
Jetzt Premium-Mitglied werden

Ab Heute gestalten Sie Ihre Website ohne Angst vor Abmahnwellen und ohne teuren Anwalt abmahnsicher.

Alle Videos, Live-Webinare, E-Books, Tools und zahlreiche Rabatte.

Jetzt Mitglied werden

Mehr Informationen zu eRecht24 Premium

Impressum-Generator

Keine Chance für Abmahner

Erstellen Sie kostenlos ein rechtssicheres Impressum für Ihre Website.

Jetzt Kostenlos Impressum generieren

Rechtsberatung vom Anwalt

Haben Sie ein konkretes rechtliches Problem? Dann wenden Sie sich bitte einen Anwalt. Auf unseren Seiten finden Sie zahlreiche allgemeine Informationen zum Internetrecht. Fundierte Rechtsberatung im Einzelfall kann allerdings nur ein spezialisierter Rechtsanwalt leisten.

Inhalte kostenlos übernehmen

Der eRecht24 Newsticker

kostenfreie aktuelle Inhalte zum Internetrecht

Individuell für Ihre Website angepasst!

 

SSL-Zertifikate

Steigern Sie das Vertrauen Ihrer Kunden. Für Betreiber von Onlineshops und kommerziellen Webseiten unabdingbar:

SSL-Verschlüsselung, SSL-Zertifikate und Trust-Logos

Rechnungen online erstellen

Erstellen Sie Ihre Rechnungen gemäß den Anforderungen des Finanzamts doch einfach online!

Mit easybill bequem ordnungsgemäße Rechnungen schreiben inkl. digitaler Signatur und Datenexport zum Steuerberater. Anforderungen an korrekte Rechnungen mit Mustern und Beispielen.

IT-Recht endlich verständlich

Autor Sören SiebertSören Siebert ist Rechtsanwalt mit Kanzleien in Berlin und Potsdam.

Er berät Unternehmer, Shops und Seitenbetreiber in allen Fragen des Rechts der neuen Medien.
www.kanzlei-siebert.de

Als Betreiber von eRecht24 ist er seit mehr als 15 Jahren auch als Internet-Unternehmer tätig. Deshalb finden Sie auf eRecht24 Tipps und Tricks eines spezialisierten Rechtsanwalts, aber verständlich und praxisnah erklärt.        

eRecht24 - Unsere praktischen Tools und hilfreichen Tutorials

mitgliederbereich teaser

Exklusiv für unsere Mitglieder

Alles was Webseitenbetreiber, Agenturen und Selbständige wirklich brauchen: Videos und E-Books, Musterverträge und Erstberatung, Tools und Live-Webinare.

Mehr Informationen

video tutorials teaser

eRecht24-Videos: IT-Recht verständlich

IT-Recht, endlich verständlich: Jetzt können auch Sie Ihre Website einfach und schnell abmahnsicher gestalten, wenn Sie richtig vorgehen!

Mehr Informationen

webinar teaser

Online Schulung mit Rechtsanwalt Siebert

Die 7 häufigsten Abmahnfallen auf Webseiten und wie Sie diese schnell, einfach und ohne teuren Anwalt vermeiden. So haben Abmahner bei Ihnen keine Chance!

Mehr Details
Support